Kopp Verlag, Rottenburg 2015-2017 [Originalausgabe: Basic Books, 1997]
Die Ukraine, Aserbaidschan, Südkorea, die Türkei und der Iran stellen geopolitesche Dreh- und Angelpunkte von entscheidender Bedeutung dar, (...). (59)
Ohne die Ukraine ist Russland kein eurasisches Reich mehr. Es kann trotzdem nach einem imperialen Status sterben, würde aber dann ein vorwiegend ein vorwiegend asiatisches Reich werden, (...).
Wenn Moskau allerdings die Herrschaft über die Ukraine mit ihren 52 Millionen Menschen, bedeutenden Bodenschätzen und dem Zugang zum Schwarzen Meer wiedergewinnen sollte, erlangte Russland automatisch die Mittel, ein mächtiges Europa und Asien umspannendes Reich zu werden. (65)
Jede wichtige Veränderung im Status von Südkorea, sei es durch die Vereinigung und/oder durch die Verlagerung in eine sich ausdehnende chinesische Einflusssphäre, würde unweigerlich Amerikas Rolle im Fernen Osten und somit auch die Japans dramatisch verändern. (67)
Ein Blick auf die Karte der riesigen eurasischen Landmasse offenbart die geopolitische Bedeutung des europäischen Brückenkopfes für Amerika (...). Die Erhaltung dieses Brückenkopfes uns seine Erweiterung zum Sprungbrett für die Demokratie sind für die Sicherheit Amerikas von unmittelbarer Relevanz. (95)
Der entscheidende Punkt bei der NATO-Erweiterung ist, dass es sich um einen ganz und gar mit der Ausdehnung Europas selbst verbundenen Prozess handelt. (...)
Amerika muss also in seinem Eintreten für eine Osterweiterung Europas besonders enge mit Deutschland zusammenarbeiten. Amerikanisch-deutsche Zusammenarbeit und gemeinsame Führung sind zu dieser Frage wesentlich. (103)
Die Unabhängigkeit der Ukraine beraubte Russland zudem seiner beherrschenden Position am Schwarzen Meer, wo Odessa das unersetzliche Tor für den Handel mit dem Mittelmeerraum und der Welt jenseits davon war.
Unter geopolitischen Aspekt stellte der Abfall der Ukraine einen zentralen Verlust dar, denn er beschnitt Russlands geostrategische Optionen drastisch. (118)
Russlands einzige geostrategische Option - die Option, die ihm einen realistische Rolle auf der internationalen Bühne eintragen und auch seine Chancen für eine gesellschaftliche Veränderung und Modernisierung erhöhen könnte - ist Europa. (149)
Der springende Punkt ist, und das darf man nicht vergessen: Ohne die Ukraine kann Russland nicht zu Europa gehören, wohingegen die Ukraine ohne Russland durchaus Teil von Europa sein kann. (154)
Die Staaten, die Amerikas stärkste geopolitische Unterstützung verdienen, sind Aserbaidschan, Usbekistan und (...) die Ukraine, da alle drei geopolitische Dreh- und Angelpunkte darstellen. (185)
Amerika ist heute die einzige Supermacht auf der Welt, und Eurasien ist der zentrale Schauplatz. (237)
Kurzfristig ist es Amerikas Interesse, den derzeit herrschenden Pluralismus auf der Landkarte Europas zu festigen und fortzuschreiben. Dies erforder ein hohes Maß an Taktieren und Manipulieren, damit keine gegnerische Koalition zustande kommt (...). (242)
Ein größeres Europa wird den Einflussbereich Amerikas erweitern (...) ohne dass ein politisch derart geschlossenes Europa entsteht, das bald schon die Vereinigten Staaten in für sie bedeutsamen geopolitischen Belangen anderswo, insbesondere im Nahen Osten, herausfordern könnte. (...)
Folglich ist es (...) lebenswichtig, dass Amerika sowohl mit Deutschland als auch mit Frankreich enge zusammenarbeitet, auf ein politisches lebensfähiges Europa hin, das gleichwohl mit den USA verbunden bleibt und und den Geltungsbereich des internationalen Systems demokratischer Zusammenarbeit ausdehnt. (243)
Ein neues Europa muss erst noch Gestalt annehmen, und wenn dieses neue Europa geopolitisch ein Teil des euroatlantischen Raums bleiben soll, ist die Ausdehnung der NATO unumgänglich. (244)
Aus diesem Grund sollte keine Vereinbarung mit Russland über die Frage einer NATO-Erweiterung darauf hinauslaufen, dass Russland de facto am Entscheidungsfindungsprozess des Bündnisses beteiligt wird und dadurch den spezifisch euroatlantischen Charakter der NATO aufweicht, (...). (245)
Die Konsolidierung einer souveränen Ukraine, die sich inzwischen als mitteleuropäischer Staat versteht, und sich an einer engeren Integration mit Mitteleuropa beteiligt, ist eine ganz wesentliche Komponente solcher Politik. (247