Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit

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München 2013 (Deutsche Verlags-Anstalt)

In Wirklichkeit lebten zwei Millionen Jahre lang, bis vor rund 10.000 Jahren, gleichzeitig mehrere Menschenarten auf unserm Planeten. (16)

Die Weibchen, die ihre Jungen zu einem früheren Zeitpunkt zur Welt brachten, als der Kopf noch verhältnismäßig klein und formbar war, überlebten eher und bekamen mehr Nachwuchs. Auf diese Weise sorgte ein Prozess der natürlichen Auslese dafür, dass die Kinder immer früher geboren wurden. Im Vergleich zu anderen Tieren sind menschliche Säuglinge Frühgeburten: Sie kommen halbfertig zur Welt, wenn überlebenswichtige Systeme noch unterentwickelt sind. (19)

Jahrmillionen lang jagten Menschen kleinere Tiere und aßen, was sie eben bekommen konnten, während sie gleichzeitig auf dem Speisezettel von größeren Räubern standen. Erst vor 400.000 Jahren begannen einige Menschenarten damit, regelmäßig auch größeren Beutetieren nachzustellen. Erst in den vergangen 100.00 Jahren, mit dem Aufstieg des Homo sapiens, schaffte die Gattung Mensch den Sprung an die Spitze der Nahrungskette. (21)

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg an die Spitze der Nahrungskette war die Bändigung des Feuers. (22)

Die meisten Wissenschaftler sind sich jedoch einig, dass in Ostafrika vor 150.000 Jahren die ersten anatomisch modernen Menschen lebten. (24)

Die Entstehung neuer Denk- und Kommunikationsformen in dem Zeitraum, der vor rund 70.000 Jahren begann und vor etwas 30.000 Jahren endete, wird als kognitive Revolution bezeichnet. (34)

Vor der landwirtschaftlichen Revolution hatte der gesamte Planet weniger menschliche Bewohner als die heutige Schweiz. (66)

Die durchschnittliche Lebenserwartung lag zwar nur bei dreißig bis vierzig Jahren, doch das war vor allem der hohen Kindersterblichkeit geschuldet. Wer die gefährdeten ersten Lebensjahre überstand, hatte beste Chancen, sechzig, siebzig oder sogar achtzig Jahre alt zu werden. (71)

Wenn wir die massiven Artensterben in Australien und Amerika zusammennehmen und die Arten hinzuzählen, die der Homo sapiens auf seinem Weg durch Afrika, Europa und Asien ausgerottet hat (...), dann stellen wir fest, dass der weise Mensch die größte Katastrophe war, von der die Tier- und Pflanzenwelt der Erde je heimgesucht wurde. (96)

Die erste Ausrottungswelle, die auf die Wanderungen der Jäger und Sammler folgte, und die zweite Ausrottungswelle, die mit der Verbreitung der Landwirtschaft einherging, geben uns wichtige Einblicke in die dritte Ausrottungswelle, die heute mit der Ausbreitung der Industrie Hand in Hand geht. (...)
Wir haben die zweifelhafte Ehre, die mörderischste Art in der Geschichte des Lebens zu sein. (98)

Der Übergang zur Landwirtschaft begann vor gut 11500 Jahren in den Hügeln der Südosttürkei, des Westiran und der Levante. (102)

Um das Jahr 8500 vor unserer Zeitrechnung waren die größten Siedlungen der Welt Dörfer wie Jericho mit einigen Hundert Einwohnern. Um das Jahr 700 v.u.Z. lebten zwischen 5.000 und 10.000 Menschen in der damals vermutlich größten Metropole der Welt, einer Stadt namens Catalhöyük in Anatolien. (133)