In Free21 Nr. 5, 6. Jg. Dezember 2019, S. 40-47
In den 1960er Jahren unterdrückte die Besatzungsmacht, die notfalls mit Spezialeinheiten vom Flugzeugträger HMS Hermes aus den Ausnahmezustand sicherten, Streiks und Demonstrationen der illegalen Gewerkschaften. (...) Menschenrechts-Proteste aus dem Westen? Null. (...)
Unmittelbar geschäftlich, vor allem in leitenden Funktionen, leben in Honkong etwa 100.000 Briten, 85.000 US-Amerikaner, 60.000 Franzosen, 40.000 Deutsch usw. Hier besteht seit der neoliberalen Globalisierung die größte Bankenkonzentration der Welt, dichter noch als in der City of London: (...). Die Unternehmenssteuern sind mit 16,5 Prozent die niedrigsten in der westlichen Welt. Die Währung Honkong-Dollar ist an den US-Dollar gebunden, die Zentralbank ist praktisch eine Filiale der Federal Reserve. (...)
Der größte Konzern ist bis heute, ununterbrochen seit 187 Jahren, Jardin Matheson. (...) Mit den Gewinnen aus dem Opium-Schmuggel wurde ein weit verzweigter Mischkonzern aufgebaut: (...)
Jardine Matheson ist z.B. der größte Aktionär der Rothschild-Bankengruppe, (...)
Das Unternehmen hat seinen operativen Sitz in Hongkong, besteht nach britischem Wirtschaftsrecht und hat seinen Steuersitz in der karibischen Finanzoase Bermuda, einem immer noch britisch annektieren Überseegebiet. (42)
Wie die Steuersitze von Jardine Matheson, CK Huchinson und Lai zeigen, ist Hongkong nicht nur selbst eine Steueroase, sondern der Mittelpunkt eines Steueroasen-Netzes. (...) Honkong hat unter seinen sieben Millionen Einwohnern die größte Dichte an Superreichen: 170.000 Millionäre sind hier ansässig, (...).
Das konstatiert auch die international tätige Wirtschaftskanzlei Rödl & Partner: Für Wirtschafts- und Finanzkriminalität, etwas für rechtswidrige Überweisungen stellt Hongkong mit seinem wirtschaftsfreundlichen Bankenumfeld und extrem liberalen Wirtschaftsystem einen gefundenen Nährboden dar. (...) (44)
Nachdem die Regierung von Hongkong 2019 den Entwurf des Auslieferungsgesetzes für 27 Straftaten wie Mord, vor allem aber für das breite Spektrum der Unternehmenskriminalität wie Bestechung und Bestechlichkeit, Steuerhinterziehung, Betrug und Insidergeschäfte plante, bekräftige das State Department die US-Position:
Das Extradition Law, wonach Straftäter, die China von Honkong aus geschädigt haben, an die Volksrepublik ausgeliefert werden können, untergraben Hongkongs Autonomie, schädige den Finanzplatz und unterwerfe US-Bürger in Hongkong der chinesischen Justiz. (45)
Die Normalarbeitszeit für einfach Arbeiter und Angestellte in der freiesten Wirtschaft der Welt beträgt 55 Stunden pro Woche. (..)
Die Oligarchen und Superreichen Hongkongs sind mit ihrem, vom Westen geförderten freien handeln schuld an Niedriglöhnen, exzessiven Mietsteigerungen und sozialem Elend. Sie ebenso wie die westlichen Profiteure der freiesten Wirtschaft der Welt freuen sich klammheimlich, dass die Wut sich gegen die Volksrepublik richtet. (...)
Westliche Unternehmen produzieren und nutzen weltweit Niedriglöhne, Armut und Unrechtsverhältnisse, in Hongkong seit fast zwei Jahrhunderten in extremer Form. Die westliche Meinungsmache lobt und fördert die Menschenrechte der Versammlungs- und Meinungsfreiheit der protestierenden Jugend, aber nicht deren Menschenrechte auf auskömmliches Arbeitseinkommen uns sicheres Wohnen. (47)