Niko Paech: Befreiung vom Überfluss

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OEKOM, 2012, Kindle eBook Paech versucht in seinem Buch zu zeigen, dass es ein immer Mehr im ökonomischen Sinn nicht geben kann. Auch "neue" oder "grüne" Technologien werden uns nach Paech nicht retten. Er fordert dagegen bewussten Verzicht und den Konsum überwiegend regional hergestellter Produkte.

  • "Mit dem immensen Konsum- und Mobilitätsniveau wuchs im Zuge der Globalisierung zugleich die Abhängigkeit von überregionalen Versorgungsketten und Marktdynamiken." (S.7; Pos. 59)
  • "Wird innerhalb eines wachsenden ökonomischen Systems versucht, einen bestimmten ökologischen Schaden zu beheben, entstehen anderswo neue Probleme." (S.8; Pos.65)
  • "Wachsen im ökonomischen Sinn kann also nur das, was mittels Geld und Energie von außen zugeführt werden muss und deshalb nie ohne Zerstörung zu haben ist. (...) Versuche, die vielen materiellen Errungenschaften einer Abfolge von Effizienzfortschritten oder anderweitiger menschlicher Schaffenskraft zuzuschreiben, beruhen auf einer Selbststäuschung. (...) Demnach leben die Menschen in modernen Konsumgesellschaften auf dreifache Weise über ihre Verhältnisse; sie eignen sich Dinge an, die in keinem Verhältniss zu ihrer eigenen Leistungsfähigkeit stehen." (S.10; Pos. 83,87,89)
  • "Derzeit verzetteln wir uns in einer reizüberfluteten Konsumsphäre, die unsere knappste Ressource aufzehrt, nämlich Zeit. Durch den Abwurf von Wohlstandsballast hätten wir die Chance, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren, statt im Hamsterrad der käuflichen Selbstverwirklichung zusehends Schwindelanfälle zu erleiden." (S. 11; Pos. 98)
  • "Das gegenwärtige Verschuldungssyndrom ist nicht nur ein Gradmesser für Gier und Ungeduld, sonder für organisierte Verantwortungslosigkeit - und zwar im buchstäblichen Sinne: Jene, denen eine Antwort auf die Frage nach den Folgen eines gegenwärtigen Lebens über die Verhältnisse zu geben wäre, leben noch nicht." (S. 18; Pos. 161)
  • "Offenkundig tendieren Konsumgesellschaften dazu, das Ausmaß an Verschuldunge stetig zu erhöhen. Damit werden zusehends Forderungen an die Gegenwart gestellt, die sich nicht mittels gegenwärtiger Möglichkeiten befriedigen lassen, sondern die Zukunft belasten. Durch diese zeitliche Entgrenzung gegenwärtiger Ansprüche begeben sich moderne Gesellschaften in die Geiselhaft einer unerbittlichen Wachstumsmaschinerie." (s. 20; Pos. 184)
  • "Im Übrigen würde jedes auch nur zärtliche Antasten handelsüblicher Freiheitsfetische wie Autofahren, Fliegen, Konsumieren, Telekommunizieren oder nach Belieben Einfamilienhäuser bauen mit drastischen Wählerstimmenentzug oder gar Aufständen quittiert. Die Nutznießer eines Lebens über die Verhältnisse sind längst in der Mehrheit. (...) Aus dieser Perspektive dienen zum Beispiel die europäischen Agrarsubventionen keineswegs dazu, die Verfügbarkeit andernfalls knapper Nahrungsmittel zu steigern. Die Subventionen tragen vielmehr dazu bei, den Ausgabenteil für Nahrung zu marginalisieren, damit mehr Kaufkraft für Smartphones, Urlaubsreisen oder zur Finanzierung von Eigenheimen frei wird." (S. 22; Pos. 200, 206)
  • "Ohne die Notwendigkeit von Verteilungsgerechtigkeit auch nur im Geringsten anzuzweifeln, geht es hier um die unterschlagene Frage nach der Herkunft dessen, worum gestritten wird. Lässt sich Plünderung etwa dadurch legitimieren, dass die Beute hinreichend gerecht verteilt wird?" (S.23; Pos. 217)
  • "Ganz gleich wie man es wendet, gesteigerte technische Effizienz ist systematisch nicht ohne Zuwächse an materiellen Verbräuchen zu haben, weil der nötige Übergang entweder alter Strukturen entwertet oder die neuen Anlagen, wenn sie die alten nicht ersetzen, als reine Addition zusätzliche Ressourcenflüsse verursachen." (S.34, Pos. 319)
  • "Mit zunehmendem Konsumwohlstand nehmen der räumliche Radius un die Komplexität des Produktionssystems, dem die in Anspruch genommen Leistungen entstammen, kontinuierlich zu. Das Wensensprinzip des Konsumierens besteht darin, sich die von anderen Menschen an anderen Orten geleistete Arbeit und insbesondere den materiellen Ertrag andernorts verbrauchter Ressourcen und Flächen zunutze zu machen." (S. 37; Pos. 354)
  • "Viele Menschen sehen sich heute nicht mehr in der Lage, Lebensmitteleinkäufe ohne Auto zu tätigen, einen Gehweg zu fegen, Briefe mit der Hand zu schreiben, einfache Reparaturen vorzunehmen oder Gebrauchsgegenstände mit Nachbarn zu teilen - wozu auch? Komfortable Technologien, Dienstleistungen und genügend Geld für die permanente Neuanschaffung von Gütern werden als selbstverständlich vorausgesetzt." (S. 39, Pos. 374)
  • "Mit digitalem Klick kann ein einzelnes Individuum ohne Verzögerung und Anstrengung maximale Kontrolle über Energieumwandlung und Stoffströme ausüben." (S. 40; Pos. 391)
  • "Wie kann ein einzelner Mensch, der pro Jahr fünf Flugreisen in Anspruch nimmt, die hierzu erforderliche Energie nebst anteiliger Nutzung aller erforderlichen materiellen Voraussetzungen selbst erarbeitet oder verdient haben?" (s.43; Pos. 415)
  • "Denn ökonomische Werte - in diesem Fall alles, womit sich Geld verdienen lässt - entstehen längst nicht mehr durch menschliche Verrichtungen im physischen Sinne, sondern eher als Resultat symbolischer Handlungen, denen durch Märkte, Institutionen oder Definitionsmacht schicht ein monetärer Wert zugewiesen wird. Ganz in diesem Sinne verschleiern ritualisierte Verteilungskämpfe zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden, dass sich dahinter eine beständige Komplizenschaft in der Aneignung von Zuwächsen verbirgt, die aus gesteigerter Ressourcenaneignung resultieren." (S. 43-44; Pos. 423-426)
  • "Genau genommen ähnelt moderne Produktion einem Verstärker, der ein minimales Signal in eine donnernde Symphonie der Energie- und Materialumwandlung übersetzt." (s. 46; Pos. 449)
  • "Vielmehr beschränkt sich menschliche Arbeit zusehends auf reine Informationsverarbeitung, das Ansteuern maschineller Prozesse oder pure Anwesenheit in Gesprächs- und Entscheidungssituationen." (S. 48; Pos. 469)
  • "Aber was, wie und zu welchem Zweck lernen junge Menschen heute? Der Vollzug des modernen Bildungsideals konditioniert Individuen, die vollständig in die entgrenzte Areitsteilung und Mobilität eingebunden sind. Junge Menschen werden mit hoher Reflexions- und Kommunikationsfähikgeit ausgestattet, verfügen aber über eine manuelle Kompetenz, die sich zusehends auf die Bedienung eines Touchscreens beschränkt." (S. 55; Pos. 562)
  • "...erinnert an den kategorischen Imperativ Immanuel Kants. Demnach dürfte jeder Mensch durchschnittlich ein Quantum an ökologischen Ressourcen verbrauchen, von dem sich sagen lässt, dass dann, wenn alle anderen Erdbewohner sich ähnlich verhalten, die irdische Tragekapazität dauerhaft erhalten werden kann." (S. 57; Pos. 578)
  • "Alle Praktiken, welche dazu verhelfen, materiell über seine Verhältnisse zu leben, schmäern auf einem endlichen Planeten die Möglichkeiten anderswo oder in der Zukunft lebender Menschen." (S. 61; Pos 618)
  • "Der solchermaßen von äußerer Zufuhr abhängige homo consumens wäre zum Aussterben verdammt, wenn alle Supermärkte der Welt vier Wochen lang geschlossen wären. Denn jegliche Fähigkeiten, durch eigene substanzielle, manuelle, handwerkliche Leistungen oder lokale Ressourcen direkt zum Erhalt menschlicher Daseinsgrundfunktionen beizutragen, sind ihm (...) abhandengekommen. (s. 64; Pos. 642)
  • "Gäbe es einen unbeteiligten Beobachter, der dieses Schauspiel aus dem All verfolgt, so müsste er die Frage stellen, ob moderne Konsumgesellschaften überhaupt reformfähig oder nicht längst schon therapiebedürftig sind." (S. 71; 707)
  • "Die Absurdität einer absoluten Entkopplung zeigt sich somit aus zwei entgegengesetzten Perspektiven. Unter der Bedingung eines beständigen Wirtschaftswachstums ist es unmöglich, die Ökosphäre absolut zu entlasten. Unter der Bedingung eines absoluten Entlastung der Ökosphäre ist es unmöglich, dien beständiges Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten." (s. 97 Pos. 990)
  • "Die dank Ryanair & Co. hypermobile Multioptionsgesellschaft baut Individuen zum Trägermedium paralleler Identitäten, Lebensführungen und sozialer Praktiken auf. Inmitten der Palette jederzeit abrufbereiter Selbstdarstellungsapplikationen lässt sich immer auch eine vorzeigbare Nachhaltigkeitsgesinnung unterbringen - natürlich additiv und nur in Teilzeit versteht sich. (...) Per se nachhaltige Technologien und Objekte sind schlicht undenkbar. Allein Lebensstile können nachhaltig sein. Nur die Summe der ökologischen Wirkungen aller von einem einzelnen Subjekt ausgeübten Aktivitäten lässt Rückschlüsse auf dessen Nachhaltigkeitsperformance zu." (S. 99; Pos. 1013-1017)
  • "...Ökonom Fred Hirsch. Ihm zufolge ist der Nutzen vieler Güter sybolischer oder demonstrativer Art, beruht also auf Distinktion, soziale Prestige oder der Zugehörigkeit zu einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe." (S. 110; Pos. 1132)
  • "Stattdessen sollen ökonomische Zuwächse eine Verteilungsmasse generieren, mit der die Ansprüch der Zurückgebliebenen befriedigt werden, ohne den Gewinnern etwas nehmen zu müssen. So werden soziale Belange in einen Wachstumsimperativ transformiert." (S. 112; Pos. 1145)
  • "Mittlerweile verzetteln wir uns in einer reizüberfluteten Konsumsphäre. Die Menge der zeitaufwendig zu verarbeitenden Neuheiten, Wahlmöglichkeiten und zugehörigen Informationen steigt kontinuierlich. Moderne Gesellschaften haben deshalb eine Stadium erreicht, in welchem nicht mehr Kaufkraft, sonder Zeit den Engpassfaktor des des individuellen Strebens nach Glück darstellt." (S. 127, Pos. 1313)
  • "Im Gegensatz dazu zielt die hier skizzierte Postwachstumsökonomie darauf, zur Verantwortbarkeit ökonomischen Handelns zurückzukehren. Dies setzt den Rückbau eines Wohlstandmodells voraus, das auf nichts anderem als ruinöser Entgrenzung beruht und somit auch nicht damit zu rechtfertigen ist, dass es das verdiente Ergebnis menschlicher Schaffenskraft darstellt." (Pos. 1480)

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