Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1989
Effi heiratet mit 17 den sehr viel älteren Baron Instetten und übersiedelt kurz nach der Heirat in sein Haus in Stettin. Dort führ sie ein scheinbar tadelloses Leben als Ehefrau des Barons. Obwohl sie sich häufig ängstigt und auch langweilt, versucht sie das beste aus Ihrer Situation zu machen und fügt sich in Ihre neue Rolle. Zum Bruch kommt es aufgrund eines von Instetten erst nach Jahren zufällig entdeckten Briefverkehrs zwischen Effi und dem Major Crampas. Zu dieser Zeit lebt er mit Effi bereits in Berlin und ist dabei, Karriere als Minister zu machen. Nach der Entdeckung der vermeintlichen Untreue kommt es - wie es zu dieser Zeit offensichtlich üblich war in so einem Fall - zu einem Duell, bei dem der "arme" Crampas den Kürzeren zieht und stirbt. Effi muss daraufhin die gemeinsame Wohnung in Berlin verlassen und darf auch nicht zu Ihren Eltern zurück, weil auch diese wegen des begangenen Unrechts ihr zunächst keine Bleibe bieten wollen. Erst als sich Ihre Situation drastisch verschlechtert, kehrt Effi wieder ins Elternhaus zurück. Moralisch und gesundheitlich angeschlagen stirbt sie kurz darauf.
Fontane beschreibt zwar emotional distanziert aber doch unheimlich detailliert die verschiedenen Charaktere, die offensichtlich beide Gefangene der herrschenden gesellschaftlichen Ordnung sind. Ein Ausweg aus dem einmal angestoßenen Lauf der Ereignisse erscheint zu keiner Zeit weder für Effi noch für Instetten wirklich möglich. Nach dem Tod Effis deutet die Mutte vielleicht den alles verursachenden Fehler an: "ob sie nicht doch zu jung war." Die Antwort von ihrem Mann: "Ach, Luise, laß ... das ist ein zu weites Feld."
- "Ich bin .... nun, für gleich und gleich und natürlich auch für Zärtlichkeit und Liebe. Und wenn es Zärtlichkeit und Liebe nicht sein können, weil Liebe, wie Papa sagt, doch nur ein Papperlapapp ist (was ich aber nicht glaube), nun, dann bin ich für Reichtum und ein vornehmes Haus, ein ganz vornehmes (...). Und wenn wir dann in Berlin sind, dann bin ich für Hofball und Galaoper, immer dicht neben der großen Mittelloge." (30)
- "Du glaubst gar nicht, wie ehrgeizig ich bin. Ich habe dich eigentlich bloß aus Ehrgeiz geheiratet. Aber du mußt nicht so ein ernstes Gesicht dabei machen. Ich liebe dich ja ... wie heißt es doch, wenn man eine Zweig abbricht und die Blätter abreißt? Von Herzen, mit Schmerzen, über alle Maßen." (81)
- "Geist der Zeit! sagte Sidonie. Kommen Sie mir nicht damit. Das kann ich nicht hören, das ist der Ausdruck höchster Schwäche, Bankrotterklärung. Ich kenne das; nie scharf zufassen wollen, immer dem Unbequemen aus dem Wege gehen. Denn Pflicht ist unbequem. Und so wird nur allzu leicht vergessen, daß das uns anvertraute Gut auch mal von uns zurückgefordert wird. Eingreifen, lieber Pastor, Zucht. Das Fleisch ist schwach, gewiß; aber...
In diesem Augenblick kam ein englisches Roastbeef, von dem Sidonie ziemlich ausgiebig nahm, ohne Lindequists Lächeln zu bemerken." (151) - "Effi lachte so herzlich, wie sie seit langem nicht mehr gelacht hatte. Doch es war von kurzer Dauer, und als Instetten ging und sie allein ließ, setzte sie sich an die Wiege des Kindes, und ihre Tränen fielen auf die Kissen. Es brauch wieder über sie herein, und sie fühlte, daß sie wie eine Gefangen sei und nicht mehr heraus könne.
Sie litt schwer darunter und wollte sich befreien. Aber wie wohl sie starker Empfindungen fähig war, so war sich doch keine starke Natur; ihr fehlte die Nachhaltigkeit, und alle guten Anwandlungen geingen wieder vorüber. So trieb sie denn weiter, heute, weil sie's nicht ändern konnte, morgen, weil sie's nicht ändern wollte. Das Verbotene, das Geheimnisvolle hatte seine Macht über sie." (167) - "Ja, Briest; du glaubst immer, sie könne kein Wasser trüben. Aber darin irrst du. Sie läßt sich gern treiben, und wenn die Welle gut ist, dann ist sie auch selber gut. Kampf und Widerstand sind nicht ihre Sache." (214)
- "Wüllersdorf war aufgestanden. Ich finde es furchtbar, daß Sie recht haben, aber Sie haben recht. Ich quäle Sie nicht länger mit meinem 'muß es sein'. Die Welt ist einmal, wie sie ist, und die Dinge verlaufen nicht, wie wir wollen, sondern wie die andern wollen. Das mit dem 'Gottesgericht', wie manche hochtrabend versichern, ist freilich ein Unsinn, nichts davon, umgekehrt, unser Ehrenkultus ist ein Götzendienst, aber wir müssen uns ihm unterwerfen, solange der Götze gilt.
Instetten nickte." (235) - "Und was das traurigst für uns und für Dich ist (auch für Dich, wie wir Dich zu kennen vermeinen) - auch das elterliche Haus wird Dir verschlossen sein; wir können Dir keinen stillen Platz in Hohen-Cremmen anbieten, keine Zuflucht in unserem Hause, denn es hieße das, dies Haus von aller Welt abschließen, und das zu tun, sind wir entschieden nicht geneigt. Nicht weil wir zu sehr an der Welt hingen und ein Abschiednehmen von dem, was sich 'Gesellschaft' nennt, uns als etwas unbedingt Unerträgliches erschiene; neine, nicht deshalb, sondern einfach weil wir Farbe bekennen und vor allerWelt, ich Dir das Wort nicht ersparen, unsere Verurteilung Deines Tuns, des Tuns unseres einzigen und von uns so sehr geliebten Kindes, aussprechen wollen..." (253)
- "Mich ekelt, was ich getan; aber was mich noch mehr ekelt, das ist eure Tugend. Weg mit euch. Ich muß leben, aber ewig wird es ja wohl nicht dauern." (273)
- "Ach was. Eins geht vor."
"Natürlich, eins geht vor; abe was ist das eine?"
"Liebe der Eltern zu ihren Kindern. Und wenn man gar bloß eines hat..."
"Dann ist es vorbei mit Katechismus und Moral und mit dem Anspruch der Gesellschaft."
"Ach , Luise, komme mir mit Katechismus, soviel du willst; aber komme mir nicht mit 'Gesellschaft'."
"Es ist schwer, sich ohne Gesellschaft zu behelfen."
"Ohne Kind auch. Und dann glaube mir, Luise, die 'Gesellschaft', wenn sie nur will, kann auch ein Auge zudrücken." (275)