Martin Mosebach: Der Mond und das Mädchen

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Der 2007 im Hanser Verlag erschienene Roman beginnt sehr stark.  Auf den knapp 10 Seiten des ersten Kapitels erleben wir Hans bei der Wohnungssuche. Gleichzeitig erfahren wir auf diesen wenigen Seiten jede Menge über die noch junge Ehe, die "böse" Schwiegermutter und den Charakter der jungen Eheleute! Mosebach schreibt hier brilliant und erinnert manchmal sogar an Kafka, vor allem, wenn er in erlebter Rede Hans laut denken lässt: "Meine Frau zu sagen, ging ihm noch nicht glatt von den Lippen. Meine Frau - wäre das nicht eher eine Matrone? Um meine Frau zu werden, müsste das Mädchen, das er geheiratet hatte, alles verlieren, was jetzt zu ihm gehörte: Kindlichkeit, Schmetterlingszartheit, Elfenleichtigkeit." (5)

Leider überspannt Mosebach manchmal den Bogen etwas bei seinen sprachlich äußerst präzisen Schilderungen der Gedanken seiner Protagonisten. Nicht wirklich alles überzeugt und kann man ihm abnehmen. Manches wirkt wie eine stillistische Übung! Insgesamt aber ein hochinteressanter Roman, der Mosebachs Ausdrucksfähigkeit auf hohem Niveau vor Augen führt.

  • "Als er wieder auf der Straße stand, war der Mond auf dem immer noch blaßblauen Himmel aufgegangen. Zum Vollmond fehlte noch soviel, als habe man mit einer Nagelschere von der runden Scheibe eine hauchzarte Sichel weggeschnitten. Dies Straße war immer noch schön, aber diese Schönheit hatte jetzt etwas Kulissenhaftes angenommen." (15)
  • "Am nächsten Morgen sollte Ina mit ihrer Mutter am Flughafen eintreffen. Frau von Klein hatte nur zwei Stunden Aufenthalt, dann würde sie nach Hamburg weiterfliegen. Es war gut zu wissen, daß sie bei der ersten Wohnungsbesichtigung nicht dabei sein würde. Hans vertraute Ina, aber er fühlte sich der Lage nicht gewachsen, ihre seine Wohnung vorzuführen und sie dafür zu gewinnen, wenn gleichzeitig die mit Gewißheit zu erwartenden galligen Kommentare der Schwiegermutter zu bekämpfen wären." (47)
  • "Jetzt hätte die Einweihung der Wohnung gefeiert werden können. House-Warming-Party wurden solche Feste in Hans' amerikanischer Bank genannte, aber die Vorstellung, den heimischen Herd mit Fest und Opfer zu installieren, ist uralt. Den kleinen Geistern, die mit einem bestimmten Ort verbunden waren, mußte auf eine ihnen verständliche Weise mitgeteilt werden, wer jetzt hier wohnen werde und wer dabei nicht gestört, sondern geschützt und gefördert werden solle." (58)
  • "Als Hans und Ina gebadet und erfrischt in leichten sommerlichen Kleidern, rundum appetitlich und erfreulich aussehend, das bereits erwähnte schöne Paar eben, bei Lilien und Wittekind klingelten, war dies überzeugend schöne Aussehen, das die Gastgeber sichtlich wahrnahmen, nur die Fassade, hinter der sich eine ernste Verstimmung verbarg. Man hatte keine Zeit gehabt, sich zu versöhnen, war dazu auch nicht geneigt und hatte in frischem Zank die Wohnung verlassen." (95)
  • "Der Ehering war weg. Hans trug den Ehering immer noch ungern. so schal der rotgoldene klassische Reif war, er belästigte ihn. Ihm war, als sitze eine dicke Fliege auf der Hand und er spielte mit mit dem nicht sehr festsitzenden Ringe gern herum, um den kleinen störenden Druck an immer derselben Stelle vergessen zu machen. Aber ablegen tat er ihn nicht mehr." (135)
  • "Daß es Neumond war, die Nacht, in der das schwarze Loch des Weltalls den letzten feinen Rand des Mondes aufschluckte, mußte jedem entgehen, der damit die Vorstellung einer vollständigen Lichtlosigkeit verband, wie sie im Westen Deutschlands aber kaum mehr zu erleben ist, denn das echte Nachtschwarz ist aufgeweicht im Neonschein der Städte und der Dörfer, die längst Vorstadtcharakter angenommen haben." (178)

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