Kurt Tucholsky: Schloß Gripsholm

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Nach einem kurzen Briefwechsel mit seinem Verleger, fährt der Autor mit seiner Prinzessin (Lydia) in den Sommerurlaub. Im Schloss Gripsholm untergekommen beginnt für beide eine sehr entspannte Zeit, sie erhalten Besuch von Freunden und es könnte eigentlich kaum perfekter sein, wäre da nicht ein Jugendgästehaus in der Nähe, in dem eine machtversessene Deutsche Erzieherin Kinder malträtiert. Klarer Fall, dass hier gehandelt werden muss. Die Sommerfrischler befreien schließlich ein junges Mädchen aus den Klauen der Tyrannin und genießen noch die letzten Tage ihres Urlaubs...

  • "Ich legte meine Hand hinüber, auf die Schlafende. Sie seufzte leise und veränderte ihre Lage. Schön ist Beisammensein. Die Haut friert nicht. Alles ist leise und gut. Das Herz schlägt ruhig. Gute Nacht, Prinzessin." (S. 31, Pos. 431)
  • "Mir stiegen aus dem braunen Whisky drei, vier rote Gedanken durchs Blut... unanständige, rohe, gemeine. Das kam, huschte vorbei, dann war es wieder fort. Mit dem Verstand zeichnete ich nach, was das Gefühl vorgemalt hatte. Du altes Schwein, sagte ich zu mir. Da hast du nun diese wundervolle Frau... du bist ein altes Schwein. Kein Haus ohne Keller, sagte das Schwein. Mach dir doch nichts vor! Du sollst das nicht, sagte ich zu dem Schwein. Du hast mir schon so viel Kummer und Elend gemacht, so viele böse Stunden... von der Angst, daß ich mir etwas geholt hätte, ganz zu schweigen. Laß doch diese unterirdischen Abenteuer! So schön ist das gar nicht - das bildest du dir nur ein! Höhö, grunzte das Schwein, das ist also nicht schön. Stell dir mal vor... Still! sagte ich, still! Ich will nicht. Oui, oui, sagte das Schwein und wühlte schadenfroh; stell dir vor, du hättest jetzt... Ich schlug es tot. Für dieses Mal schlug ich es tot - sagen wir: ich schloß den Koben ab. Ich hörte es noch zornig rummeln... dann sangen wieder die Gläser, ganz, ganz leise, wie wenn eine Mücke summte. Daddy, sagte die Prinzessin, kann man hier eigentlich das blaue Kostüm tragen, das ich mitgenommen habe.
    Ich war wieder bei ihr; wir saßen wieder auf demselben Trabanten und rollten gemeinsam durch das Weltall." (S. 50, Pos. 722)
  • "Eine richtige Männerfreundschaft... das ist wie ein Eisberg: nur das letzte Viertel sieht aus dem Wasser. Der Rest schwimmt unten; man kann ihn nicht sehen. Klamauk - Klamauk ist nur schön, wenn er auf  Ernst beruht." (S. 65, Pos. 962)
  • "Sie atmeten hastig, der wildeste Strom war aus ihnen heraus, nun ergoß sich der Rest in lauten, lärmenden Gesprächen, in Zurufen und in Zeichen, die sie über die Köpfe hinweg einander gaben, die Daumen nach unten gesenkt; tausend Stimmen, sprechende und rufende, ertönten, und nur hier und da stieg aus der Arena ein Schrei auf wie ein Signalpfiff des Schmerzes. Hier floß ab, was an verbrecherischer Lust in den Menschen war - nun würden sie so bald keinen mehr ermorden; die Tiere hatten es für sie getan." (S. 77, Pos. 1140)
  • "Ich kannte den Mechanismus dieser Lust: sie war doppelt gefährlich, weil sie ethisch unterbaut war; quälen, um ein gutes Werk zu tun... das ist ein sehr verbreitetes Ideal." (S. 77, Pos. 1150)
  • "Da steht Gripsholm. Warum bleiben wir eigentlich nicht immer hier? Man könnte sich zum Beispiel für lange Zeit hier einmieten, einen Vertrag mi der Schloßdame machen, das wäre bestimmt gar nicht so teuer, und dann für immer: blaue Luft, graue Luft, Sonne, Meeresatem, Fische und Grog - ewiger, ewiger Urlaub.
    Nein, damit ist es nichts. Wenn man umzieht, ziehen die Sorgen nach. Ist man vier Wochen da, lacht man über alles - auch über die kleinen Unannehmlichkeiten. Sie gehen dich so schön nichts an. Ist man aber für immer da, dann muß man teilnehmen. Schön habt ihr es hier, sagte einst Karl der Fünfte zu einem Prior, dessen Kloster er besuchte. Transeuntibus! erwiderte der Prior. Schön? Ja, für die Vorübergehenden."  (S. 116, Pos.1762)

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