Ingrid Noll: Der Hahn ist tot

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Axel Springer AG, Berlin 2009

Rosemarie Hirte ist eine Versicherungsangestellte Anfang 50. Als sie per Zufall den Lehrer und Autor Rainer Engstern kennenlernt, verliebt sie sich in ihm. Ingrid Noll erzählt dann mit permanent gegenwärtigen ironischen Unterton, wozu Frauen in diesem Alter fähig sind, wenn sie zu lieben beginnen. Bis zum Ende des Buches wird Rosemarie dann 4 Menschen aus dem Weg räumen, um Rainer nahe zu sein. Allein es hilft alles nichts. Beim Showdown am Ende erleidet Rainer einen "tragischen" Unfall. Rosemarie hingegen bleibt unverletzt und unbehelligt!

  • "Als junger Hund war der Dieskau ein großer Katzenjäger. Überhaupt fegte er hinter allem her, was sich bewegte, auch inter Vögeln. Bei zunehmedender Erfahrung hat er das wenigstens aufgegeben. Sie lachte vor sich hin.
    Einmal als er noch sehr jung und dumm war, nahm ich ihn mit aufn einen Segel- und Sportflugplatz. Von weitem konnte man sehen, wie so ein Riesenvogel auf die grüne Wiese zuflog und sanft landete. Der Hund war nicht and er Leine und schoß davon, um diese Beute zu fangen. Ich natürlich hinter ihm her, denn er war unter der Absperrung durchgewitscht. Mit viel Geschrei und Gerufe gelang es mir, ihn zurückzukommandieren.
    Na, sagte ich, was hättest du denn mit diesem Vogel gemacht, du kleiner Hund, wenn du ihn erwischt hättest?

    Ich lachte auch ein wenig pflichtgemäß.
    Frau Römer fuhr fort: Später kam mir dieses Bild oft wie ein Symbol vor. auch ich, beziehungsweise alle Menschen, rasen hinter einem großen Ziel her, wollen unbedingt alles haben und erkennen ebensowenig wie der kleine Hund, daß diese Beute das falsche Kaliber hat und wir gar nichts damit anfangen können." (180)
  • "Ein grenzenloses Heimweh nach menschlicher Gesellschaft und Zugehöigkeit  überkam mich. Mein Ausgeschlossensein von jeglichem familiärem Leben würde erst mit meine Tod enden, das wurde mir klar. Und wieder fiel mir der Revolver ein, der inzwischen in meinem Badezimmer versteckt war. Er lag in einem ausgedienten Kulturbeutel ganz oben auf dem Medizinschränkchen. Vielleicht sollte ich ihn bald an den eigenen armen Kopf setzen." (189)

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