Campus Verlag, Frankfurt 2017
Unser Hirn suchte einst nach der Wahrheit, es grübelte, forschte, suchte, diskutierte und stritt. Es gab, sagt man, noch die Geduld, neue Gedanken sacken und reifen zu lassen. Heute hat unser Hirn die Möglichkeit, alles einfach nur genießend zu konsumieren. Die Ernsthaftigkeit zur wirklichen Auseinandersetzung bleibt auf der Strecke. (...)
Da ging der Wolf ein Weilchen neben Rotkäppchen her, dann sprach er: »Rotkäppchen, sieh einmal die schönen Blumen, die ringsumher stehen. Warum guckst du dich nicht um? Ich glaube, du hörst gar nicht, wie die Vöglein so lieblich singen? Du gehst ja für dich hin, als wenn du zur Schule gingst, dabei ist es so lustig draußen in dem Wald.« Rotkäppchen schlug die Augen auf, und als es sah, wie die Sonnenstrahlen durch die Bäume hin und her tanzten und alles voll schöner Blumen stand, dachte es: Wenn ich der Großmutter einen frischen Strauß mitbringe, der wird ihr auch Freude machen; es ist so früh am Tag, dass ich doch zu rechter Zeit ankomme, lief vom Wege ab in den Wald hinein und suchte Blumen. Und wenn es eine gebrochen hatte, meinte es, weiter hinaus stände eine schönere, und lief danach und geriet immer tiefer in den Wald hinein. (...)
Im bunten Leben gibt es wundervolle Blumen, giftige Beeren, manchmal essbare Pilze und viele, viele Wölfe mit speziellen Absichten, die Rotkäppchen auf ihre speziellen Abwege führen wollen. (...)
Unser Wald ist das Internet, und die Wölfe und Blumen des 21. Jahrhunderts sind die Werbetreibenden, die Propagandisten, Netzbanditen oder Wahlkampfpolitiker, die uns locken wollen, ihnen unsere Aufmerksamkeit für ihre in Blüten gepackten Absichten zu schenken. Es gibt immer mehr und so vieles, dem wir unsere Aufmerksamkeit schenken wollen und sollen. Leider ist unsere Aufmerksamkeit ein Gut, das wir nur begrenzt zur Verfügung haben und das deshalb umso gieriger umworben wird. Um unsere Aufmerksamkeit einzufangen, sammeln sie Kenntnisse über uns – sie wollen unsere Daten, damit sie uns leichter in ihrem Sinne ablenken können. Wer diese Daten über uns hat, ist im Vorteil. Längst sind die Daten gutes Geld wert, viele sagen, gute Daten seien wie das Erdöl des 21. Jahrhunderts. Denn wer etwas Interessantes zu zeigen hat, kann mit einem bunten Strauß von Werbung drum herum sofort mit dem Verdienen loslegen. Aufmerksamkeit ist die neue Währung unserer Zeit, und die Daten helfen, mehr Aufmerksamkeit zu ernten – so wie gute Siebe wichtig zum Goldwaschen sind.
Wir leben in einer Welt des Überflusses, in der es trotzdem und gerade deswegen gilt, sich selbst und alles andere gut zu verkaufen. Wir selbst ringen um Aufmerksamkeit. Wer bekommt die Mietwohnung in Schwabing? Wir müssen bei der Wohnungsbesichtigung mit dem Immobilienmakler zwanzig andere Familien ausstechen, die sich mit uns um die schön teure Wohnung bemühen. Wir wollen der beste Bewerber unter hundert sein, der diese eine tolle Top-Stelle bekommt. Wir wollen eine Bewerbung einreichen, die so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, dass sie der Personaler nach kürzestem Überfliegen auf den richtigen Stapel der engeren Wahl legt. Auch wir wollen händeringend Aufmerksamkeit!
Heute gewinnt meist derjenige, der es versteht, starke positive Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – sofort und auf der Stelle! (10-11)
Ein Blick in eine Welt, die mit Wissenschaft und Algorithmen hinter uns her ist, um uns zu Klicks und Wahlentscheidungen zu bringen, (...).
Verantwortungslose Aufmerksamkeitsprofis spekulieren und zocken also in einer neuen Aufmerksamkeitsökonomie. (12)
All das kalkuliert Flache, Sensationelle, Emotionale, Scharfmachende, Niederziehende, Hetzende, Übertreibende, Lärmende und Verführende zum Zweck der Aufmerksamkeitsverwertung will ich hier im Buch Flachsinn nennen. (13)
Die Kunden informieren sich bei eBay, Google oder Amazon, sie werten Rezensionen und Urteile auf Vergleichsplattformen aus. Die Anbieter aber versuchen, den Kunden »hinter dem Teleskop« zu beobachten und aus den Bewegungen des Fernrohrs heraus über mathematische Algorithmen zu berechnen, wer das wohl ist, der in die Runde schaut. Beide Seiten werden nun berechnend. (...)
Die nach Aufmerksamkeit dürstenden Anbieter müssen unbedingt wissen, was der »König Kunde« hinter dem Teleskop will, was ihn anturnt, wonach ihn gelüstet! (29)
Zurück zur Sache: Analytics – das ist ein Sammelbegriff für Versuche, aus den Daten im Internet Nutzen zu ziehen. (31)
Wenn alle unsere ungeteilte Aufmerksamkeit wollen – alle zugleich – dann werden wir zugemüllt. Das wissen die Werbenden natürlich selbst auch. Sie wissen, dass es darauf ankommt, aus der Masse der anderen hervorzustechen. Nur der Beste kommt durch! (...)
Die schiere Masse an Flachsinnigem, das Millionen Menschen jeden Tag so leicht aus der Tastatur fließt, überdeckt alles Wichtige und Wahre immer mehr. (...)
Ich wiederhole mich: Wir brauchen neue Kompetenzen für das Dasein im Attracticon. Im Panopticon kommt man mit Gehorsam, Leidensfähigkeit und Bravheit durch. Im Trubel des überbordenden Attracticons aber brauchen wir neue Kompetenzen, (...). (35)
Die junge Generation braucht aber die Fähigkeit, das Wichtige und Ernsthafte selbst zu erkennen, ohne dass es vorgegeben ist. Das Wichtige und das Ernsthafte können heute nicht mehr vorgegeben sein, weil sich die Welt zu sehr und zu schnell verändert. Unsere Zeit des starken Wandels verlangt von uns, eine längere Weile in einer Art Versuchsmodus zu leben. (38)
Vorrangig entscheidet jetzt der Empfänger, was beachtet wird, und weniger der Sender. Genau darin liegt der Übergang vom System des Panopticons zum Attracticon. (55)
Dieses Vergröbern hin zu kurzen »Eilnachrichten« wird heute eifrigst betrieben. Es geht eben einfach: Man sagt es »so kurz, dass es jeder Dumme sofort versteht« (dumb down).
Dagegen ist es sehr, sehr schwer, etwas Wichtiges und Ernsthaftes kurz so genial auf den Punkt zu bringen, dass es in uns tiefere Wirkungen auslöst. (...)
Im Attracticon wendet sich unsere Aufmerksamkeit tendenziell vom Komplexen ab. Dumm Einfaches, Banales, Nacktes, Blutiges, Beleidigendes, Prolliges und Plattes wird willig oder unwillkürlich sofort aufgenommen, bei genial Einfachem, Inspirierendem, Bewegendem und Berührendem setzt beim Zuhörer eine große Faszination ein. (61)
Wie kann man unter solchen Umständen noch das Wichtige und Wahre, das Ernsthafte und Große in die Welt tragen? Es muss sich – das sage ich hier immer wieder – viel mehr Mühe geben, weil es nicht mehr die Autorität hat, unsere Aufmerksamkeit als Pflicht verlangen zu können. Es muss so genial gut dargebracht werden, dass wir uns für das Ernsthafte aus Neigung interessieren. (62)
Im Management und besonders im Marketing übt man die sogenannten Elevator Pitches. Wir stellen uns dabei vor, ein höherer Chef oder ein wichtiger Investor tritt mit uns in denselben Aufzug ein und fährt mit uns ein oder zwei Stockwerke mit nach oben. Er murmelt Ihnen ein knappes »Wie geht’s?« zu – und das ist Ihre einmalige Chance! Jetzt können Sie ihm für ein paar Sekunden etwas besonders Knackiges mitteilen: »Ich arbeite am Projekt XY, sehr wichtig, kennen Sie das?« Sind Sie auf eine solche Zufallschance stets gründlich vorbereitet? Oder starren Sie den Vice President verlegen an, verlassen den Aufzug ganz verdattert und denken melancholisch bei sich, dass Sie eigentlich gerade eine Großchance hatten? »Ich hätte ihn ansprechen sollen, aber das macht man doch nicht?!« Solch ein Gedanke zeigt, dass Sie noch im Panopticon leben. (65)
Die Kommentare sagen nur sinngemäß »Hallo, ich bin bei dir«, so wie »Guten Morgen« auf der Straße. Und wenn meine Freunde nur einen Smiley schicken, dann ist das wie »winke-winke«, wie ein kleiner Herzensstrahl. (73)
Das reine Kommunizieren zum Erinnern und zum Aufrechterhalten der Beziehung gab es schon immer. Nur eben mit Standardpostkarten und ohne Smileys. (74)
Auch wenn jemand zuverlässig, glaubwürdig und vertraut ist, vertrauen wir ihm nicht wirklich, wenn er gleichzeitig zu offensiv seine eigenen Interessen in den Vordergrund stellt. Selbstorientierung steht im Nenner des Bruchs, sie mindert das Vertrauen. (76)
Die Piratenpartei hat so etwas wenigstens auf ihren Parteitagen versucht, die aber immer mehr im Chaos versanken. Wenn jeder alles sagen darf, sagen viele Leute ziemlich viel Seichtes, Dummes, Vorurteilsbelastetes oder eben Selbstorientiertes.
Es wäre nun gut, man würde über ein Thema oder ein Problem in einen ernsthaften Diskurs eintreten und zu einer Entscheidung kommen, die dann alle bis zur Umsetzung mittragen.
Das geht in einem offenen Kreis im Internet einfach nicht. Die Mitdiskutierenden kommen und gehen. Vorbeiziehende werfen kurz ihre Empfindungen ein, Parteiische wiederholen stereotyp dieselben Forderungen, am besten werben noch Unternehmen dazwischen. (77)
Noobs sind Leute, die absolut nichts dauerhaft lernen (wollen) und immer neu aufgefrischt werden müssen. Sie merken nicht, dass dies die »Experten« ungeheuer nervt. (...)
Und ich fühle, dass das arglos-schamlose Noob-Sein immer ärger um sich greift. Immer mehr Personen ganz da oben gebärden sich wie Noobs. Sie scheinen nicht zu lernen und vor allem nicht lernen zu wollen – die Politiker und Manager. »Klären Sie mich kurz auf. Worum geht es hier? Bitte ganz, ganz kurz, nur so viel, dass ich schnell entscheiden kann. Es müssen ja auch viele andere dazu nicken, es ist fast egal, was oder wie ich entscheide.« Wenn sich unsere Oberen immer nur nach Kurzbriefings zu etwas äußern können und wegen der Aufmerksamkeit auch gerne äußern wollen, dann steigt der Flachsinnspegel enorm. Oberflächenmenschen reden zu uns und entscheiden über uns – ohne jede erkennbare Anstrengung, aus dem Oberflächendasein heraustreten zu wollen. (81)
Im Business spricht man von SABTA-Menschen: »Sicheres Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit.« (...)
Die Kakophonie und das dumm-einfache ständige Dagegensein erzeugt Noobs, die nie tiefer in etwas einsteigen wollen. (82)
Wir akzeptieren den Schmutz, wir kämpfen nicht mehr gegen ihn an. Wir leben jetzt im Schmutz, wir sind es gewöhnt. Wir machen zögernd mit und schummeln auch. Irgendwie geht es schon weiter. Es muss doch weitergehen, oder?
Die öffentlichen Debatten werden durch die Medien absolut verzerrt und dabei unendlich verflacht. Die komplexere Wirklichkeit passt nicht mehr zwischen die Werbung auf den Webseiten, sie bringt keine Quote, keinen Kick und damit keinen Klick.
Wir kommen vor lauter Bashing, Wrestling und Empörung nicht mehr dazu, die Realität zu verstehen.
Noch schlimmer, wir finden das Irreale und Aufgebauschte langsam besser. Es belastet nicht, fordert nicht und unterhält bestens. (84)
Eines der meistgebrauchten Hype-Wörter dieser Zeit ist »Algorithmus«. Es handelt sich um mathematisch-statistische Verfahren, die aus Informationen Werturteile oder Bewertungen für Entscheidungen berechnen. Algorithmen werten unsere Daten in großem Stil aus (»Big Data«), erstellen Profile und Klickstatistiken. (87)
m Netz boomt der neue Geschäftszweig »People Analytics«. Man surft einfach über Sie im Internet und stellt anhand von vielen möglichen Kennzahlen fest, ob Sie wahrscheinlich ein guter Bewerber, ein zuverlässiger Zahler oder ein nur kleines Risiko sind. Ein People-Analytics-Programm saust eine Zehntelsekunde in Ihrem Fall durch das Netz und urteilt, ob Sie zur Kundenklasse A (gut), B (mittel), C (schlecht) oder X (nichts gefunden oder inaktiv) gehören. (89)
Die Medien im Netz werden den reinen Klickzahlen hörig wie das Fernsehen den Einschaltquoten. Der Inhalt der Sendungen ist an sich vollkommen egal. Er ist nur insoweit relevant, wie er Klicks oder Quote macht. Viele Medien benehmen sich heute in dieser Hinsicht stark berechnend. Sie prostituieren sich zunehmend flachsinnig für Werbeeinnahmen – so wie die Politik für Stimmen und das Management für gute Zahlen. (...)
Die sogenannten Web-Inhalte (»Contents«) werden immer öfter vorrangig als Magnet für Aufmerksamkeit produziert und dafür ausgenutzt und im Extrem sogar missbraucht, um an der Werbung rund um die Inhalte zu verdienen. Immer häufiger »erstellt man etwas«, nur um Sie und mich zu einer Netz-Litfaßsäule zu locken. Web-Inhalte sollen »Werbe-Schleuser« sein. (99)
Menschen, die ihr Interesse oder eben ihre Aufmerksamkeit auf spezielle Gebiete lenken, empfinden die heutige Zeit des Internets als unendliche Wohltat. Sie gründen hier neue Heimaten und leben in ihrem Interesse weltweit miteinander. Das ist ein Segen für sie, wenn sie nicht gerade ganz und gar vor dem Bildschirm sitzend in ihrer virtuellen Heimat verschwinden. Menschen, die ihre Aufmerksamkeit auf ein Thema, eine Technologie, einen Glauben, eine Aktionsform oder ein Hobby richten, finden sich zusammen. Die gemeinsame Aufmerksamkeit auf dieses Gemeinschaftskonstituierende bildet das Zentrum dieser Gesinnungsgemeinschaften. Es zählt nicht so sehr die menschliche Verbindung, sondern die Idee.
Das Internet führt nicht – wie viele erhofften/erträumten und die meisten erwarteten – zu einer Ausbildung einer einzigen großen Gemeinschaft, sondern zur Gründung unendlich vieler kleinerer Teilgemeinschaften und Interessengruppen. (115-116)
Die Möglichkeit für praktisch jeden, alles vollkommen zerstörerisch zu kommentieren, macht es immer schwerer, gemeinsam zu denken geschweige denn zu handeln. (...)
Schon immer war es der schwierigste Teil einer Debatte, sie konstruktiv in einem gemeinsamen Sinn zu beenden. Das Netz verschlimmert dieses Problem um Größenordnungen. (120)
Es ist alles »scripted reality«, also per Drehbuch Erfundenes, das dann mit realen Darstellern möglichst wie real vorgespielt wird. Man sucht also seltsame Menschen mit speziellen Eigenarten, übertreibt das Ganze noch »künstlerisch« und macht eine schöne billige Sendung daraus. Je extremer, umso mehr Zuschauerquote. (141)
Es ist nicht gut, etwas ohne Druck zu tun, weil es dann ja nicht ernst ist. Wenn man aber etwas unter Druck erledigt, muss es nicht wirklich gut sein, weil man unter Druck kaum Zeit hatte, etwas Vernünftiges auszuarbeiten. Ohne Druck sollte man also gar nichts tun, unter Druck Entstandenes darf immer halber Murks sein. Deshalb ist in heutigen Unternehmen stets alles halber Murks. (154)
Die echte harte Arbeit findet nach dieser Sicht von Gartner in der Phase zwischen der Desillusion und dem langsamen Erkennen statt, wie sich das Neue wirklich gut in unser Leben einpassen lässt. (187)
Die Börse ist eigentlich dafür gedacht, dass man als Anleger Besitztitel kaufen und verkaufen kann. Jetzt aber verkommt sie zu einem Wettbüro. Die Käufer setzen auf Sieg, die Leerverkäufer auf Niederlage. Die Käufer setzen darauf, dass es dem Unternehmen gut geht. Sie fühlen sich oft dem Unternehmen verbunden und empfinden im Herzen, dass sie »an dem Unternehmen beteiligt sind«. Die Leerverkäufer gewinnen Geld, wenn das Unternehmen Probleme hat oder durch Meldungen in den Medien welche bekommt. Leerverkäufer haben also Interesse daran, dass es Negativschlagzeilen über das Unternehmen hagelt. (...)
Die Profis aber leben von dem Auf und Ab. Mal jubeln sie die Kurse als Käufer irre hoch, und dann machen sie Kasse, schlagen sich als Leerverkäufer auf die andere Seite und helfen mit allen Kräften, die Kurse in den Boden versinken zu lassen. Die Profis wollen Schwankungen, der Computerhandel auch. Die Profis sind die Kriegsgewinnler im Börsenchaos. Sie surfen auf den Wellen – auf und ab. Und die Privatanleger wundern sich über ihr »mangelndes Glück«. (134)
Die Medien verlassen die Rolle, unsere Kultur konstruktiv zu befruchten. So wie die Spekulanten durch Hochjubeln und leerspekulatives Niederziehen den Objekten der Spekulation (den Unternehmen) schaden, so schaden die Medien der Gesellschaft durch das Hypen und die Shitstorms danach.
Wenn das Hochjubeln und Niederziehen Jungstars betrifft, werden dadurch mutwillig Seelen zerstört – egal, es muss grelle Meldungen geben. (199)
Dieses Börsenphänomen sehen wir nun überall. Es wird mit Aufmerksamkeit an sich gezockt. Die Medien und die Politik adaptieren die Strategien der Unternehmenspressesprecher, der Aktienempfehlungsbriefe und dergleichen. Sie jubeln Themen hoch, kümmern sich nicht um die Folgen und ziehen weiter. (202)
Die Voraussetzung, dass sich jeder um etwas für sich bemüht, das der Gesellschaft nicht direkt schadet, ist falsch. Solange es erlaubt ist, der Gesellschaft zu schaden, ist die ganze Wirtschaftstheorie schlicht Murks. (203)
Heute muss man die Vernunft fast schon immer neu suchen und finden, weil sie zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Die Vernunft wird nicht mehr unterdrückt, sondern durch Spektakel überlagert. Diesen Zustand muss sie überwinden und sich dazu wohl viel besser in Szene setzen. (207)
Die Freiheit, heute im Internet zu publizieren, bringt auch eine Verantwortung mit sich. Freiheit ist nicht grenzenlos, sondern schließt ihren verantwortlichen Gebrauch ein. (208)