Ernst Wolff: Wer profitiert eigentlich vom Konflikt in Katalonien? [14]
Erst vor kurzem hatte die Großbank Santander 51 Prozent ihres Immobilien-Portfolios zu einem Drittel des Buchwertes an die US-amerikanische Investmentgesellschaft Blackstone verkauft und den amerikanischen Finanzgiganten damit zum größten privaten Immobilienbesitzer Spaniens gemacht (...).
Von den 55 Banken, die während des Baubooms Kredite vergaben, sind nur noch 13 als selbständige Einheiten erhalten. Sechzig Prozent aller Spareinlagen entfallen auf die drei größten Bankengruppen des Landes, (...).
Was kann der Finanzelite in dieser Situation Besseres passieren, als dass eine regionale politische Gruppierung sie aus der Schusslinie nimmt, indem sie die Wut und die Aufmerksamkeit der gesamten Spanischen Bevölkerung (...) auf einen langsam eskalierenden und möglicherweise auf einen Bürgerkrieg hinauslaufenden Konflikt zwischen Separatisten und Nationalisten lenkt ....?
Wolfgang Freisleben: Aufgedekct: Wie die Banken Geld aus der Luft erzeugen [16ff]
Zugleich offenbarte sich, dass weltweit nur 3 % des alljährlich erzeugten neuen Geldes in Höhe von derzeit insgesamt rund 218 Billionen Dollar von Zentralbankgeld stammen. Und 97% oder fast 212 Billionen Dollar von den privaten Geschäftsbanken im Wege der Kreditvergabe aus dem Nichts erzeugt wurden.
Selbstverständlich hat die Bankenwelt aber kein Interesse daran, dass jeder weiß, dass die Banken Geld aus der Luft erzeugen und dafür Zinsen verlangen. Und dann womöglich Kreditkunden exekutieren, ihnen ihre Wohnhäuser und sonstige Wertgegenstände abnehmen und versteigern, um ihr zuvor wertloses Luftgeld in reale Güter umzuwandeln. Debt Asset Swap kann man das nennen.
Thierry Meyssan: Tump und der Sezessionismus
Während des Baus des Panama-Kanals, kurz vor dem ersten Weltkrieg, erfand Washington ein panamaisches Volk, unterstützte dessen separatistische Bewegung gegen Kolumbien und was das erste Land, das Panamas Unabhängigkeit anerkannte. Washington baute einen wichtigen militärischen Stützpunkt auf und eignete sich de facto die Baustelle des Kanals an, vor den Augen der französischen Investoren. Was die Pseudo-Unabhängigkeit betrifft, wird Präsident Omar Torijos, der die Souveränität des Kanals neue verhandelt hatte, sie nie nie sehen und wurde in einem Flugzeugabsturz ermordet.
Der Stabschef, General Manuel Noriega, erlebte sie auch nicht, als Washington beschloss, ihn am Ende des Krieges gegen die Sandinisten (Iran-Contra) loszuwerden. Unter Anklage, für den Tod eines US-Soldaten im Jahr 1989 verantwortlich zu sein, wurde er von von der US-Armee gefangen genommen uns sein Land (...) verwüstet. Washington hat daher keine moralische Autorität in Sachen Völkerrecht zur Selbstbestimmung. (20)
Im Rahmen der Umgestaltung des Erweiterten Nahen Osten hatte das Pentagon seit dem 11. September 2001 vor, den Irak in drei unabhängige Staaten zu zerstückeln, darunter einen für die kurdische Bevölkerung. Eine Variante dieser Idee entstand nach dem Vorschlag des Council on Foreing Relations, im Jahre 2006. (21)
Jens Berger: Die Paradise Papers sind ein weiteres Beispiel für die Erosion der Demokratie
Die populäre Sichtweise (...): Es gibt einige, wenige skrupellose Superreiche, die mit Hilfe dubioser Kanzleien und Beratungsfirmen ihre Ersparnisse in sogenannten Steueroasen verstecken. Dabei werden Schlupflöcher genutzt (...).
Die reale Fabel unserer Welt sieht eher folgendermaßen aus: Wir sind nach wie vor die Herde und die Politik nimmt nach wie vor die Rolle des Schäfers ein; sie ist jedoch ein vom Wolf eingesetzter Schäfer, dem es nicht um das Wohl der Herde, sondern um das Wohl des Wolfes geht. (...)
In der Mitte des Geschehens befinden sich internationale Großkonzerne, die nicht nur mit Hilfe von Steueroasen, sondern auch und vor allem mit tatkräftiger Unterstützung der EU, und der USA ihre Steuerlast minimieren. (...)
Aber im Kern geht es genau darum - Gewinne dort entstehen zu lassen, wo die Steuern am niedrigsten sind. (26)
Es ist viel schlimmer. Es geht um legale Praktiken; (...)
Mitten in der EU gibt es mit Luxemburg, Malta, Irland, Zypern und den Niederlanden gleich fünf Staaten, die mit fragwürdigen Steuergesetzgebungen die groß angelegte Umgehung von Steuern ermöglichen. (...)
Die wohl größte Steueroase der Welt ist Delaware, ein kleiner Bundesstaat mitten im Herzen der USA. (...)
An die Unternehmen für mehr Steuerehrlichkeit zu appellieren, ist ungefähr so sinnvoll, wie einem Wolf vegane Ernährungsweise schmackhaft zu machen. (27)
Werner Rügemer: Varianten des Kapitalismus
Die größten Kapitalorganisatoren der neuen Generation, die mächtiger sind als die immer noch öffentlich im Fokus stehen Banken, also Blackrock, Vanguard, State Street usw. sind in US-Hand. Auch bei den globalen Kapitalorganisatoren der zweiten Liga (...) dominieren (...) solche mit Hauptstandort USA.
Ähnliches gilt für die zivilen Privatarmeen des US-Kapitalismus: Die Big Three der Rating-Agenturen (...), die Big Four der Wirtschaftsprüfungsunternehmen (...), die das globale Kapitalrecht beherrschenden US-Wirtschaftskanzleien (...), die Big Ten der Unternehmensberater (...), die Big Five der PR-Agenturen (...) (28)
Seit 2006 haben die Chinesen ihre Käufe in Europa schrittweise vervierfacht. Die Größenordnung ist aber ganz anders, als es die öffentliche Kritik nahelegt. 8000 deutsche Unternehmen sind in China mit einer Investitionssumme von 60 Milliarden Euro vertreten, während chinesische Unternehmer nur mit 8 Milliarden Euro präsent sind: Das sind nur 0,3 Prozent der Investitionen ausländischer Unternehmen in Deutschland. [Q FAZ]
Bundesregierung und EU betrachten dagegen die ungleich umfangreicheren US-Investitionen bisher als völlig unproblematisch. Auch sie haben ihren Schwerpunkt in Deutschland. Im Jahre 2016 haben allein die Private Equity-Investoren (Heuschrecken) (...) 171 mittelständische deutsche Unternehmen aufgekauft, etwa den schwäbischen Haushaltsgerätehersteller WMF. (...)
Nicht zu den 171 Aufkäufen zählen die Aktienpakete, die Großinvestoren wie Blackrock, (...) in den deutschen DAX- und andern Konzernen übernommen haben, (...)
Chinesische Investoren haben eine langfristige Perspektive, sie wollen unternehmerische Substanz aufbauen, während US-Investoren auf kurzfristigen Gewinn drängen und die unternehmerische Substanz auszehren. (32)
Interview mit Yanis Varoufakis: Perspektiven der Demokratie
Wenn also Leute sagen, es gebe in Brüssel und der EU ein demokratisches Defizit, sage ich Ihnen: Nein, das ist analytisch sehr ungenau. Es gibt hier überhaupt keine Demokratie. Was ist unsere Aufgabe? Wir müssen diesem Kartell entgegentreten und es gnadenlos angreifen, um es zu demokratisieren. (40)