Dirk Müller: Machtbeben

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München 2018 (Heyne Verlag)

Die amerikanische Notenbank FED (...) hat über 3,5 Billionen US-Dollar in die Märkte gepumpt. (...) Die Notenbank hat am Kapitalmarkt Anleihen des amerikanischen Staates gekauft wie auch jene immobiliengedeckten Anleihen, die in der Krise keiner mehr haben wollte. Mit welchem Geld, fragen Sie sich? Mit dem Geld, das die FED genau zu diesem Zwecke aus dem Nichts selbst geschöpft hat. Somit sind mal eben 3,5 Billionen neue US-Dollar in Umlauf gekommen. (27)

Das Ergebnis können Sie persönlich dann auf den Kurszetteln der Börse sehen. Wenn dort eine Anleihe eines spanischen Bauunternehmens sieben Prozent Zinsen bringt und einen Anleihe eines amerikanischen Pharmakonzerns drei Prozent Zinsen abwirft, dann wissen sie sofort: Aha! Der Spanier ist gefährlicher ... da muss man aufpassen, ob man sein Geld noch zurückbekommt. (28)

Die USA sind fast ausschließlich in US-Dollar verschuldet. Da ihre Notenbank FED jederzeit und in beliebiger Menge US-Dollar drucken kann, kann sie mit den frisch gedruckten Geldscheinen (im übertragenen Sinne, denn das findet heute alles elektronisch statt) sämtliche US-Staatsanleihen der Welt kaufen, und somit wäre alle Gläubiger befriedigt, jeder hätte sein Geld zurück. (29)

Die USA können daher nicht pleitegehen, es sei denn, die private Notenbank FED verweigert den Gehorsam. (30)

Ein deutscher Bauherr durchschnittlicher Intelligenz und Schaffenskraft bekommt seinen Kredit zur Hälfte der Zinsen, die die Vereinigten Staaten von Amerika bezahlen. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, das Erwin durch Jobverlust, Ehebruch, Alkoholexzess, Sexsucht oder Börsenzockerei innerhalb jener zehn Kreditjahre in finanzielle Bedrängnis gerät und seiner Verpflichtung nicht nachkommen kann, um ein vielfaches höher, als dass die USA ihre Gelddruckmaschine nicht mehr finden.
Wie soll die Bank mit einem Zinssatz von 1,3 Prozent ihre Kosten decken, evtl. Ausfallrisiken absichern und auch noch Gewinn machen? Nahezu unmöglich. So kommen die heimischen Banken in immer größere Schwierigkeiten und müssen immer größere Risiken eingehen, um zu überleben.
Die Finanzwelt hat mit der faktischen Abschaffung des Zinssatzes ihre Orientierung verloren. (...) Die Investoren holen sich Risiken in die Depots, die sie nicht mehr abschätzen können. (31)

Je länger die Niedrigzinsphase anhält und je schneller die Zinsen danach steigen, umso mehr Banken werden den Lehmann machen. (32)

Je tiefer die Zinsen fallen, umso wertvoller werden die alten Schuldscheine (Anleihen) mit hohem Zinssatz. (...) je niedriger die Zinsen, desto höher die Kurse der alten Anleihen. (...) bedeutet dies im Umkehrschluss, dass die Kurse der Anleihen heute lächerlich hoch sind. Eine absolut brutale und noch nie da gewesene Überbewertung. Gemeinhin sprechen wir hier von einer Blase. (34)

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, sprach im Dezember 2017 in diesem Zusammenhang von der größten Anleiheblase in der Geschichte der Menschheit und bezweifelte, dass diese Blase ohne eine erneute Finanzkrise gelöst werden könne. (34-35)

Sie bekommen sämtliche Unternehmen des amerikanischen Dow-Jones-Indexes inklusive Apple, Microsoft und McDonalds für fünf Billionen US-Dollar.
Der weltweite Anleihemarkt hingegen hat ein Volumen von über 150 Billionen Dollar. (35)

Paid Content - also Inhalt, für den der eigentliche Nutzer, der Leser, bezahlt - war auf einmal out, es gab nur noch Werbeklickgelder. Und diese Werbung wird von jenen Konzernen geschaltet, die den Plutokraten gehören.
Zehn schnelle Meldungen bringen mehr Klicks als ein langer tiefgründiger Artikel. Dazu muss ein investigativer Journalist Wochen oder Monate recherchieren und Kosten verursachen, (...). (58)

Das kostenlose Internetangebot hat die Krise des unabhängigen Journalismus und somit das Ende eines der wichtigsten Kontrollmechanismen dieser demokratisch ein wenig eingedämmten Plutokratie stark befördert. (59)

Die Einzigen, die Inzwischen noch Journalisten einstellen, sind Parteien, parteinahe Stiftungen oder Industriekonzerne für ihre jeweilige PR-Arbeit. (60)

Es bleibt die nüchterne Erkenntnis, dass das als demokratische Revolution gefeierte freie Internet mit seinen für jedermann zugänglichen kostenlosen Nachrichten zum Totengräber des letzten bisschen demokratischer Kontrolle der Bürger über die Plutokratie geworden ist. (62)

Diese Netzwerke der Macht haben ein großes Interesse daran, dass die weltweiten Eliten Apple-Handys quasi als Wanzen in der Hosentasche tragen, denen sie ihre intimsten Geheimnisse anvertrauen, über Google-Suchmaschinen ihren Begierden nachgehen und ihre geschäftlichen Geheimnisse der Microsoft-Cloud anvertrauen. (67)

(...) Studie der Princeton Universität von 2005 (...), die herausfand, dass die sogenannten Eliten oder Experten den gleichen Irrtümern und Fehlern unterlagen wie die Masse der normalen Bürger. [https://press.princeton.edu/books/hardcover/9780691178288/expert-political-judgment] (71)

Mark Zuckerberg (...) am 16. Februar 2017: (...)
Die derzeitigen Systeme reichen nicht aus, um diese Probleme [Virus, Flüchtlingsströme, Umweltverschmutzung] anzugehen .... Der Aufbau einer integrativen globalen Gemeinschaft erfordert die Einführung eines neuen Prozesses, in dem die Bürger weltweit an der Verwaltung der Gemeinschaft teilnehmen können. (98)

Bereits heute sind von den 22 Millionen Amerikanern, die einen solchen Studentenkredit aufgenommen haben, 43 Prozent mit ihren Zahlungen in Rückstand. 3,6 Millionen sind bereits im Status Ausfall, da sie seit über einem Jahr nicht mehr bezahlt haben. (127)

Verbriefung bedeutet, dass die Kredite gebündelt und als Gesamtpaket an einen Investor verkauft werden. Der bekommt die Zinszahlungen und hat nun aber auch das Risiko der Ausfälle; die Bank ist das Risiko los. Daher hat die Bank auch keine Problem damit, riskante Kredite zu vergeben; sie gibt sie einfach schnell mit einem kleinen Gewinnaufschlag weiter. (...)
Mit jedem Punkt, den die US-Zinsen nach oben gehen, fallen mehr Kredite aus, das die Schuldner sich die Zinsen nicht mehr leisten können. (128)