Boris Nikolai Konrad: Superhirn

Veröffentlicht von

Goldegg Verlag 2013

Leicht verständliches Buch von Konrad über die grundlegenden Mnemotechniken:

"Immer wenn wir uns etwas gemerkt haben, muss es eine Veränderung im Gehirn gegeben haben, da die Information ja physiologisch im Gehirn bleiben muss. Die für eine bestimmte Erinnerung stehende Änderung nennt man "Engramm". (...)  Als Engramm, also Abbild einer gespeicherten  Erinnerung, wird nun eine bestimmte "Erregungsleitung" verstanden. Also eine bestimmte Weiterleitung von Signalen durch verschiedene Neuronen und über mehrere Synapsen." (68-69)

"Bei der langfristigen Speicherung  wird das deklarative Gedächtnis vom prozeduralen Gedächtnis unterschieden. Das prozedurale Gedächtnis beinhaltet Bewegungsabläufe, wie etwa Laufen, Fahrradfahren oder das Spielen von Musikinstrumenten. Wir können solche durchaus komplizierten Bewegungen problemlos ausführen, aber nicht genau erklären. Es handelt sich um implizites Wissen, das durch viel Wiederholungen gelernt wird. (...) Das deklarative Gedächtnis  beinhaltet alles, was wir explizit wissen, also beschreiben und erklären können. (...) Die Inhalte im prozeduralen und deklarativen Gedächtnis werden auch  in anderen Gehirnarealen abgespeichert, sodass etwa auch Amnesien oft nur eines der beiden Systeme betreffen. (...) Beim deklarativen Gedächtnis werden auf der nächsten Stufe das episodische und das semantische Gedächtnis unterschieden. Im episodischen Gedächtnis werden alle Inhalte zusammengefasst, die eine Reihenfolge oder Ordnung haben. (...) Das semantische Gedächtnis beinhlatet dagegen Faktenwissen. Inhalte, die von der Lernsituation getrennt sind. Ich weiß, dass die Hauptstadt von Dänemark Kopenhagen heißt. Aber ich weiß nicht mehr, wann und wo ich das gelernt habe. (...) Die Inhalte in den verschiedenen Merksystemen sind miteinander verknüpft und eine gemerkte Episode beinhaltet immer Referenzen auf Inhalte im semantischen Gedächtnis." (71/72)

"Das Zeitliche ist eine andere Unterscheidungsebene für verschiedene Gedächtnissysteme als die inhaltliche Ebene. (...) Die kürzeste Zeit umfasst das sensorische Gedächtnis, in dem Inhalte nur für Sekundenbruchteile gespeichert werden. Dann folgt das Kurzzeitgedächtnis, aber auch bei dem reden wir nur über deine Sekunden bis maximal wenige Minuten Speicherdauer! Und drittens das Langzeitgedächtnis, das tatsächlich alles beinhaltet, was länger als einige Sekunden gespeichert wird." (74)

"Die Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses ist äußerst begrenzt. Berühmt ist die Millersche Zahl 7 plus/minus 2. Der amerikanische Psychologe George Miller hatte in den 1950er-Jahren das Kurzzeitgedächtnis mit verschiedenen Inhalten untersucht und war immer wieder auf die Zahl 7 gestoßen. Wenn er seinen Probanden Ziffern vorgelesen hat, waren diese in der Lage, sich im Durchschnitt sieben Ziffern in der richtigen Reihenfolge einzuprägen. Genauso war der Durchschnitt sieben Buchstaben. Aber auch sieben Worte. Oder sieben Zeichen." (...) Interessant ist, dass wir uns mehr als sieben Informationen merken können, wenn diese über unterschiedliche Sinneskanäle eintreffen. (75/76)

"Erst durch Wiederholungen prägen sich die Verknüpfungen stärker aus, bilden neue Anknüpfungspunkte und bleiben dauerhaft bestehen. Wenn die Synapsen noch schwach ausgeprägt oder alternative Verbindungswege stärker sind, kann die Erinnerung daher gerade am Anfang trotzdem schnell verloren gehen. (...) Darin unterscheidet sich das Langzeitgedächtnis deutlich von einer Festplatte, in der Inhalte zwar gelöscht werden können aber bis dahin unverändert gespeichert bleiben." (77)

"Unter Enkodierung bezeichnet man die Aufnahme von Informationen im Gedächtnis. Unter bedeutungsvoller (meaningful) Enkodierung versteht Ericsson dabei, dass die Inhalte nicht einfach so aufgenommen werden, sondern schon beim Lernen in einer Form verpackt werden, die für unser Gehirn besser zu verarbeiten und abzuspeichern ist. Abrufstrukturen sind Elemente im Langzeitgedächtnis, mit denen die neu aufgenommenen Inhalte verknüpft werden und über die sie hinterher abgerufen werden können. (...) Die Verbindung zum vorhandenen Wissen muss stets vorhanden sein." (86/87)

"Diese Gedächtnistechniken basieren alle auf dem gleichen Fundament, auf der gleichen zentralen Idee: Anstatt sich die Inhalte direkt zu merken, werden diese in Bilder umgewandelt. Unser Gehirn kann sich Bilder deutlich besser merken als sprachliche Informationen. Unser Gehirn kann sehr gut und schnell Verknüpfungen herstellen. Die Tatsache wird bei den Gedächtnistechniken ausgenutzt. (...) Unsere Erinnerungen sind vor allem bildhaft abgespeichert. (...) Generell verstehe ich unter Bildern auch eher ganze Szenen, wozu auch andere Sinneseindrücke zählen. (...) Von allen Neuronen, die Sinneseindrücke verarbeiten, sind 90% für die Augen zuständig! So dominant ist folglich unser visuelles System." (104/105)

"Nach diesen Überlegungen wird deutlich, dass sich unser Gedächtnis in evolutionären Maßstäben an Sprache noch gar nicht anpassen konnte. Was es ab er gut beherrscht, ist Bilder abzuspeichern, Sprache mit Bildern zu verknüpfen und die Bilder untereinander sowie mit anderen Erinnerungen zu verbinden."   (106)

"Aber wenn wir heute eigenes Denken wirklich fördern und fordern, muss auch eigenes Wissen dazugehören.
Als die Pädagogen dazu übergingen, den Aspekt des Auswendiglernens zu reduzieren, ging es ihnen darum , das Pauken von Gedichten aus der Schule zu verbannen, nicht Wissen abzubauen. Das Ziel kann wohl kaum gewesen sein, dass die Mehrheit der heutigen Jugendlichen nicht weiß, wer eigentlich damals diese Mauer zwischen Ost-. und Westdeutschland aufgebaut hat, wer Willy Brandt war oder wann eigentlich der Weltkrieg zu Ende ging. Kinder benötigen keine zehn Sekunden, die richtigen Antworten mithilfe von Google nachzuschlagen. Weitere zehn Sekunden später haben die meisten dies Informationen schon wieder vergessen. Das hat sehr wohl Einfluss auf ihr Beurteilungsvermögen, wenn sie auf Propaganda stoßen oder heutige politische Fragen verfolgen sollen.
2008 veröffentlichte Nicholas Carr einen sechsseitigen Artikel (und dann auch ein ganzes Buch) über die Frage, ob Google und das Internet uns dumm machen. (...) Carr stellt darin dar, warum es aus seiner Sicht klare Hinweise darauf gibt, dass Internetnutzung unser Konzentration schädigt, unser Fähigkeit, komplizierte Texte zu lesen, negativ beeinflusst und auch das Gedächtnis und das logische Denken beeinträchtigt." (114/115)

"Jedes Medium hat Stärken und Schwächen. Jede Mediennutzung hat Einfluss auf unser Gehirn, erst recht bei Kindern und Jugendlichen. Einige kognitive Fähigkeiten werden verbessert, aber das geht zu Lastgen anderer Fähigkeiten. Schulen und Eltern, ja, die ganze Gesellschaft, muss damit umgehen. Es ist nicht sinnvoll einzelne Medien zu verteufeln. Stattdessen ist eine ausgewogenen Mediendiät, so nennt es Greenfield, empfehlenswert. Dazu gehört es, weiterhin auch auf Papier zu lesen und einfach mal nur jemandem zuzuhören, ohne dabei noch Bilder zu sehen. Dazu zählt ebenso Computer und Tablets zu verwenden, multimediale Formate und auf das Internet samt seiner sozialen Netzwerke zuzugreifen." (117)

"Das Training von Gedächtnisleistungen ermöglicht es also, die Gedächtnisleistung zu verbessern, zu kontrollieren und zu steuern. Es steht der Verständnisbildung nicht im Weg, sonder unterstützt sie. Für mich ist Gedächtnistraining daher absolut aktuell und mit Blick auf erwartbare Entwicklungen externer Gedächtnisformen ein notwendiges Gegengewicht. Wer sich nicht von außen ein sein Gedächtnis hineinreden lassen will, der muss wissen, woher er etwas weiß. Ein starkes, zuverlässiges und selbstkontrolliertes Gedächtnis ist das, was wir benötigen." (123)

  •  Schlüsselwortmethode (S. 125 ff)

Hier geht es in erster Linie um das Lernen von fremdsprachigen Wörtern.

"Das Schlüsselwort stellen Sie sich in einer kleinen Szene zusammen mit einem Bild für die Bedeutung vor.
Ein Beispiel aus dem Spanischen: el cordero - das Lamm. Zuerst das Schlüsselwort suchen. Wenn ich cordero höre, denke ich an Cord-Stoff. Diesen muss ich jetzt mit der Übersetzung verbinden: ich stelle mir ein Lamm vor, das eine Cordjacke trägt.
Diese Bilder müssen keinen Sinn ergeben, sie dürfen absurd und verrückt sein, oft hilft das sogar." (125)

"Wichtig ist, sich klarzumachen, dass wir das zu merkende Wort nicht exakt im Schlüsselwort verpacken müssen. Das Schlüsselwort ist nur ein Impuls, ein Wegweiser, der mich an das richtige Wort erinnern soll. Es ist die sprichwörtliche Eselsbrücke!" (126)

  • Geschichtenmethode (S. 129 ff)

"Wie beschrieben lernt unser Gehirn in Verknüpfungen und ist daher sehr gut darin, Verknüpfungen zwischen Bildern abzuspeichern. Für solche Verbindungen existieren verschiedene Methoden. Die einfachste besteht meiner Erfahrung nach darin, sich eine Geschichte auszudenken. Diese Geschichte muss keinen Sinn ergeben und erst recht nicht spannend sein. Es geht nur darum, jeweils ein Bild mit dem nächsten zu verknüpfen, indem ich mir vorstelle, wie etwas passiert, etwas geschieht. (129)

"Ich möchte lernen, welche Länder zur Region Maghreb gehören. Im ersten Schritt könnte ich mir bereits ein Bild für diesen Namen überlegen.
Ein Beispiel: Ich sitze an einem Tisch in einem Restaurant im Norden Afrikas, während ich mir den MAGEN REIBE) (über den Bauch reibe), weil das Essen, natürlich Couscous, so lecker war.
Auch  diese Situation würde ich bereits als eine Anwendung der Geschichtenmethode sehen, eine kleine Szene zumindest, die ich mir vorstellen kann. Nun kann ich mir eine Geschichte ausdenken, um mir die Länder (Libyen - Tunesien - Algerien - Marokko - Mauretanien) einzuprägen.
Ich schaue auf uns ehe zwei Personen, vielleicht eine Kellnerin und einen Kellner, die sich lieben (Libyen) und ganz verträumt ansehen. Er nimmt sie an die Hand und führt sie mit sich in einen Tunnel (Tunesien). Ich drehe mich wieder zu meinem Tisch und betrachte meine Nachspeise, Algen (Algerien). Meine Begleiterin frage mich: Wollen wir nicht mal zu einem Rockkonzert (Marokko) gehen?  Wir gehen zu einem, doch die Stimmung ist dort ziemlich mau. Retten (Mauretanien) kann den Abend jetzt nur noch die nächste Band.
Wichtig ist wiederum sich die Geschichte auch vorzustellen! Ihnen fallen für die Ländernamen völlig andere Bilder ein als mir? Super! Eigene Bilder funktionieren oft noch besser als die von anderen vorgeschlagenen. Doch wie bekomme ich da jetzt eine andere Dimension in die Geschichte, um mir weitere Informationen zu merken? Lernen wir doch jetzt noch die Hauptstädte dazu:
- Libyen - Tripolis. Ich stelle mir die beiden Verliebten vor, wie sie auf der Stelle trippeln. Oder wie drei Polen vorbeikommen und nach einem Tisch fragen.
- Tunesien - Tunis. Was macht das Pärchen im Tunnel? Na, sie tun es.
Algerien - Algier: Mir schmecken Algen nicht besonders. ich frage meine Begleiterin, ob sie welche möchte. Sie jubelt und reißt den Teller mit Algen gierig an sich.
- Marokko - Rabat: Am Eingang vom Konzertplatz kaufe ich die Tickets, handle aber nur einen Rabatt aus.
- Mauretanien - Nouakchott. Weil die Stimmung mau ist und wir auf die nächste Band warten, die unser Abend rettet, essen wir in der Zwischenzeit Nougat zusammen mit einem Schotten.
(...) Diese Vorgehensweise lässt sich auch fast beliebig fotsetzen: Ein Ansager kommt auf die Bühne, lacht und sagt, die nächste Band sei am Hafen eingetroffen. Laghdhaf heißt der aktuelle Ministerpräsident von Mauretanien." (130-132)

  • Routenmethode

"Wichtig ist also, dass die Reihenfolge der Routenpunkte für Sie Sinn macht. (...) Zu beachten ist des Weiteren, dass die Punkte eindeutig sind. (...) Als weiterer Tipp (...) rate ich Ihnen immer nach exakt zehn Punkten entweder das Zimmer oder die Richtung zu wechseln. (...) Meiner Meinung nach ist es der häufigste Anfängerfehler und das größte Missverständnis, dass die Punkte während des Lernens von Inhalten ausgedacht werden." (145)

"Für alles, was ich während meines Studiums gelernt habe, habe ich nicht mehr als rund 300 Punkte benutzt, die über Jahre entstanden sind und auch mehrfach belegt wurden. (...) Ich überlege mir immer Routen mit 50 Punkten und gebe dieser Route einen Namen."(148-149)

  • Zahlen  merken (156 ff)

"Ein ganz einfaches System, das auch Sie sich sofort merken und anwenden können, besteht darin, den Ziffern von 0-9 jeweils ein bestimmtes Bild zuzuordnen. (...) Hier finden Sie eine Beispielliste:

0 = Ei
1 = Kerze
2 = Schwan
3 = Dreizack
4 = Auto
5 = Hand
6 = Würfel
7 = Sense
8 = Schneemann
9 = Blume

Wenn Sie sich die zugeordneten Bilder für alles Ziffern eingeprägt haben, können Sie damit mit Hilfe der Routenmethode sofort nicht zu lange Zahlenfolgen lernen." (156/157)

"Wenn die Folgen etwas länger werden, können Sie die Routenmethode zusätzlich benutzen und die Bilder für die Ziffern auf den Routenpunkten ablegen. Doch wenn Sie sich wirklich viele Zahlen merken wollen, reicht das nicht aus. Zumindest funktioniert es mit einem anderen System besser: dem Major-System. (...) Die Grundidee ist, dass den Ziffern zunächst statt Bildern Laute zugeordnet werden. (...) Die im europäischen und auch im deutschen Raum am meisten verwendete Zuordnung stammt von Gregor von Feinaigle, einem deutschen Mönch, der sich Anfang des 19. Jahrhunderts intensiv mit Gedächtnistraining beschäftigte:

Ziffer - Lautzuordnung - Merkhilfe

0 - s/z - Englisch: 0 = zero
1 - t,d - Ähnlichkeit von t mit 1
2 - n - 2 Striche!
3 - m - 3 Striche!
4 - r - Vier
5 - l
- Römisch L = 50
6 - ch/sch/j - Sechs
7 - k/ck/g/c - Ähnlichkeit von k mit 7
8 - f/v/w/ph - Das f kann man sich in der 8 vorstellen
9 - p/b - Ähnlichkeit von 9 mit einem gespiegeltem p

Wichtig ist, dass Worte nach ihre Klang kodiert werden und nicht nach ihrer genauen Schreibung. Im Wort Sonne klingt nur ein S und ein N, daher ist die Zahl für Sonne 02 und nicht 022. (...) Gerade wenn Sie etwas langfristig lernen wollen, Kontonummern zum Beispiel, bietet es sich an, möglichst lange Worte zu suchen, die als Bilder fungieren. "(158-160)
vgl. auch: www.zahlen-merken.de

"Vereinfacht gesagt organisiert das Gehirn auch in Ruhephasen, insbesondere auch im Schlaf, Erinnerungen und Gedächtnisspuren ständig um, es sortiert, räumt auf. So ganz genau wissen auch wir Gedächtnisforscher nicht, wie das Gehirn dabei vorgeht. Studien haben gezeigt, dass die Gehirnregion Hippocampus bei den Gedächtnisprozessen jedenfalls eine große Rolle spielt." (197)

  • Namen merken

"Zweitens  ist es nunmehr ausreichend, wenn Sie ein Bild nehmen, das Sie nur an den Namen erinnert, anstatt den Namen vollständig darzustellen. Wenn Sie als den Stein als Bild nehmen, reicht das völlig aus, um auf Steinke zu kommen, genau wie die Vorstellung vom Ball in Koffer für den Namen Balnikov genügt." (189)

"Im dritten Schritt muss ich ein Bild für die Person finden, im vierten die Bilder für den Namen und die Person verknüpfen. (...) Ich empfehle stattdessen folgende Vorgehensweise, wenn eine neue Person vor Ihnen steht und Ihnen vorgestellt wird: Lassen Sie sie vor Ihrem geistigen Auge etwas tun, das mit ihrem Nachnamen in Zusammenhang steht. Wenn Sie auf diese Weise vorgehen, wird in Ihrer Vorstellung automatisch der Gesamteindruck, den Sie von einer Person haben, mit abgespeichert. Dieser verändert sich selbst nach einem Friseurbesuch oder mit anderem Make-up nur gering. Die Gesamtimpression fließt also in die Verknüpfung von Namensbild und Personenbild gleich mit ein. (...) Herrn Stein sehe ich interessiert einen Stein betrachten oder gar Steine jonglieren, ja nachdem, was zu ihm passt, sodass ich wieder den Gesamteindruck aufnehme." (192-193)

"Es macht auch nichts, wenn ich mehrere Personen mit gleichen Nachnamen kennenlerne. Da ich mir jede einzelne in Aktion vorgestellt habe, werden mir später auch die passenden Bilder einfallen, sobald ich die Person wiedersehe." (194)

"Denn Wiederholen ist etwas anderes als Neulernen. Es reicht, wenn wir uns noch einmal an Person und Namen erinnern. Ich lege Ihnen daher nahe, sich jeden Abend zu überlegen, wen Sie an diesem Tag kennengelernt haben. welche Bilder Sie mit dieser Person verknüpft haben und wie die Person heißt." (195)

***

"Daraus lernen wir einerseits, dass Wiederholung für die Verbindung ins Langzeitgedächtnis wichtig ist, und andererseits, das sich neue gelerntes Wissen in vorhanden Wissensnetze erheblich schneller einbindet als Inhalte, die ohne solche Netze frei gelernt werden." (199)

"Enkodierung, Konsolidierung und Abruf sind drei getrennte Schritte und auch der Abruf selbst beeinflusst die Gedächtnisinhalte. Wenn der Computer Daten von einer CD oder Festplatte liest, ändert er diese nicht. Beim Gedächtnis ist das anders. Jeder Abruf ändert die Verknüpfung der Gelernten auch selbst wieder." (204)

"Ein paar Dinge können Sie trotzdem tun, um das prospektive Gedächtnis zu verbessern. Verwenden Sie Bilder! Das ist eine Technik, die zum Beispiel in der Seniorenarbeit eingesetzt wird, da gerade diese Art der Gedächtnisleistung im Alter nachlässt. Stellen Sie sich mehrfach - Wiederholung ist wichtig! - bildlich die Situation vor, in der Sie sich an eine Aufgabe erinnern müssen, und bauen Sie ein ungewöhnliches Bild ein. Denken Sie beispielsweise an die Innenseite Ihrer Haustür und stellen sich vor, wie Sie die Türklinke hinunterdrücken, um die Haustür zu öffnen. Dabei zucken Sie zurück, weil die Klinke ganz heiß ist! (...) Dann werden sie demnächst, wenn Sie die Wohnung tatsächlich verlassen an dieses Bild denken - und können schnell noch überprüfen, ob Herd oder Bügeleisen wirklich ausgeschaltet oder noch heiß sind." (210)

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