Gesehen am 1.2.2014 im Monopol (München)
- Regie/Drehbuch: JIA ZHANGKE
- Kamera: YU LIKWAI
- Darsteller: Xiao Yu (ZHAO TAO) , Dahai (JIANG WU), Zhao San (WANG BAOQIANG), Xiao Hui (LUO LANSHAN)
Plot: Episodenfilm! Zwei Wanderarbeiter auf dem Weg nach Hause kreuzen ihre Wege kurz an einer Unfallstelle (umgestürzter Lastwagen mit Tomaten). Hintereinander werden anschießenden die beiden Episoden der Wanderabeiter erzählt. Der eine, ein Jurist, versucht in seinem Dorf den Bürgermeister für seine Bereicherungen zur Rechenschaft zu ziehen. Als er beim Empfang es Bürgermeisters, der mit seinem Privatchet ankommt, diesen zur Rede stellt, beginnt die Situation zu eskalieren. Er wird im Anschluss an seine Intervention von Helfern des Bürgermeisters niedergeschlagen und misshandelt. Von da an beginnt ein blutiger Amoklauf... Der andere Wanderarbeiter, der nur kurz zum 70igsten Geburtstag seiner Mutter im Dorf erscheint, entpuppt sich als kaltblütiger Räuber, der skrupellos Menschen wegen einer Handtasche erschießt.
Die Dritte Episode ist die Geschichte einer unglücklichen Liebe. Ein höherer Angestellter hat offensichtlich seit Längerem eine Affäre mit einer Frau. Als er sie wieder einmal besuchen kommt, stellt sie ihn vor die Alternative und will ihm ein halbes Jahr für die Entscheidung Zeit lassen. Nach der Verabschiedung am Bahnhof wird sie allerdings kurz darauf von der Frau ihres Geliebten und einem Mann aufgesucht, die sie zur Rede stellen und misshandeln. Als sie durch diesen Überfall bereits merklich angeschlagen ihre Arbeit in einer Art Bordell wiederaufnimmt, nimmt ihr Unglück einen noch gravierenderen Verlauf. Obwohl sie im Hause keine Prostituiertendienste versieht, wird sie beinahe vergewaltigt und weiß sich in ihrer Not nur noch mit einem Messer zu helfen, das ihr ihr Geliebter am Bahnhof geben musste, weil er es im Gepäck nicht mitführen durfte. Blutverschmiert läuft Sie am Ende der Episode davon, macht allerdings noch einen Anruf bei der Polizei, wo sie ihre vermeintlichen Morde beichtet. Dann endet diese Episode. Die Frau erscheint aber in der fünften Episode nochmals kurz.
In der vierten Episoden geht es um einen sehr jungen und gut aussehenden Wanderarbeiter, der von Job zu Job zieht. Als er in einem Luxushotel arbeitet, lernte er eine ebenso hübsches Mädchen kennen. Noch bevor die Beziehung richtig beginnt, heuert er allerdings bereits wieder woanders an: in einer Fabrik! Die Arbeiter hausen in "Plattenbauten" unter erbärmlichen Verhältnissen. Als seine Mutter anruft und fragt, wo das Geld bleibt, erzählt er ihr von seinem Arbeitsplatzwechsel und versucht sich zu rechtfertigen. Völlig unvermittelt stürzt er sich daraufhin aus dem Fenster!
Die fünfte und letzte Episode ist sehr kurz. Sie zeigt nur die Frau aus der 3. Episode, wie sie versucht bei einer Fabrik Arbeit zu bekommen. Das erweist sich allerdings als schwierig. Am Ende sehen wir sie bei einer Art "Opernaufführung" im Freien, wie sie auch mehrmals im Film in andern Episoden vorkommen. Als der Schauspieler etwas über "Schuld" in die Menge ruft, ist der Film zu Ende!
Kommentar: Schockierende und bewegender Film von ZHANGKE! Die Einblicke, die man über das heutige China erhält, sind aus westlicher Sicht schwer zu verstehen. Da der Film scheinbar auf z.T. wahren Begebenheiten beruht, muss man sich die Frage stellen, ob ein Menschenleben in China heute wirklich so wenig wert ist, wie es die Episoden nahelegen.