Werner Rügemer: Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts

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Köln 2018 (Papyrossa)

Zum neuen Kapitalismus, der sich seit den 1980er Jahren herausgebildet hat und seit der Bankenkrise von 2007 dominiert, gehören verschiedene Klassen und Gruppen von global agierenden Finanzakteuren.
1. Die mächtigsten unter ihnen sind die Kapitalorganisatoren von Typ BlackRock.
2. Die zweite Liga besteht bisher aus den Investoren vom Typ Private Equity (Heuschrecken), Hedgefonds und Wagniskapitalisten.
3. Unterschiedliche Rollen spielen elitäre Investmtbanken, Privatbanken und die traditionellen Großbanken.
4. Von diesen Finanzakteuren gefördert und mitgestaltet werden die fünf apokalyptischen Reiter des Internets: Google, Apple, Microsoft, Facebook, Amazon (GAMFA).
5. Schließlich die jüngste Generation, die noch schneller aufsteigenden Unternehmen der digitalen Plattform-Ökonomie vom Typ Uber, Deliveroo, Parship/Elite-Partner, Upwork, FlixBus. (12)

Im transatlantischen Kapitalismus wird der Anteil der Einkommen aus abhängiger Arbeit seit etwa 1990 stetig und seit 2007 beschleunigt abgesenkt. Die abhängig Beschäftigten stehen unter dem Zwang entweder der Über- oder der Unterbeschäftigung und eines Zustands von working poor, arm trotz Arbeit - oder gehetzt mit guter Bezahlung. (13)

BlackRock & Co setzen ständig Teile ihrer Aktien von Lufthansa, Daimler, Siemens, Coca-Cola, Goldman Sachs usw. zur Spekulation ein. (...)
Zum Geschäft von BlckRock gehört es, (...), Aktienpakete ihrer Unternehmen täglich zu kaufen und zu verkaufen, Derivate daraus zu bilden und Kursunterschiede zwischen den Börsen der Welt auszunutzen. Dafür sind zu späte und falsche öffentliche Mitteilungen gewinnrelevant. (15)

BlackRock ist zusammen mit anderen Kapitalorganisationen dieses Typs (...) gleichzeitig Miteigentümer der wichtigsten Börsen der westlichen Welt, (...).
So kombiniert Black Rock die größte Datenverarbeitungs-Kapazität der westlichen Finanzbranche mit der Funktion als größter Finanz- und Wirtschafts-Insider. Mittlerweile erledigt Aladin auch die Risiko- und Beeinflussungs-Analysen für über 150 kleinere Finanzakteure, aber auch Stiftungen, Staatsfonds, Versicherungen, Pensionskassen und sogar für 50 staatliche Zentralbanken, auch für die Zentralbank der USA und die Europäische Zentralbank. (17)

BlackRock wurde 1988 von Lawrence Fink gegründet. Er hatte an der Wall Street bei der Investmentbank First Boston gearbeitet. (...) Die US-Regierung unter Präsident Obama beauftragte Fink, die Finanzkrise zu managen. (22, 23)

BlackRock macht viele bankähnliche Geschäfte, ist aber rechtlich keine Bank. Zunächst war BlackRock ein Hedgefonds. Danach ging er an die Börse und mauserte sichzu einer Aktiengesellschaft. (24)

Schätzungsweise fanden im Jahre 2014 schon 40 Prozent aller Aktiengeschäfte in den USA außerhalb der traditionellen, regulierten Börsen statt. (...) Die allermeisten Einzelfonds von BlackRock (...), haben ihren rechtlichen Sitz in einer der zahlreichen Finanzoasen. (27)

BlackRock selbst hat den operativen Hauptsitz in New York, den rechtlichen Sitz aber in der größten Firmen-Finanzoase der Welt, in Delaware. (28)

Die Honorare für Kanzleien wie Freshfields, Wirtschaftsprüfer wie PwC und Pr-Agenturen wie Finsbury belaufen sich bei einer Fusion wie Bayer-Monsanto auf etwa zwei Mrd. Dollar. (29)

Sie wollen möglichst viele menschliche Bedürfnisse zur monopolistisch und privat handelbaren Ware machen. (...)
BlackRock verdankt seinen Aufstieg zum einen der Privatisierung der Altersversorgung, wodurch Versicherungen und Pensionskassen hohe Zinsen suchten und ihre Milliarden zu BlackRock trugen.
Auch Wohnungen sind Objekt der Begierde. (31)

Norges [Norwegische Staatsfonds] verantwortet als Miteigentümer von BlackRock und zusätzlich als Miteigentümer von dessen Hauptaktionär PNC die Praktiken von BlackRock mit. So nutzt Norges für seine Aktien etwas von Allianz, VW, Vonovia, Deutsche Post DHL, Fresenius und Siemens Briefkastenfirmen in den Niederlanden. Auch Norges organisiert für seine Kunden weltweit die Steuerflucht. (34)

Das ist die Norges-Ethik: Angestellten in einem anderen Staat werden Löhne und damit Tentenanteile weggenommen, und mit dem Gewinn daraus werden großmütig die Renten der Rentner in Norwegen finanziert. (35)

In den Jahren 1999 bis 2003 stand Schröder (...) im engen Kontakt mit der Wall Street. (37.)

Für die Umgestaltung der Arbeitsämter wurden die Beraterfirmen Accenture, Ernst & Young (heute: EY) und Bearing Point herangezogen. (38)

Mitte der 90er Jahre gehörten lediglich 20 Prozent aller Aktien der 30 DAX-Unternehmen ausländische Investoren. Der Anteil stieg kontinuierlich an: auf 33 Prozent im Jahre 2001, auf 44 Prozent in 2005, auf 53 Prozent in 2007 und auf 58 Prozent in 2012. (39)

BlackRock & Co sind die bei weitem größten Privateigentümer von Mietwohnungen.
(...) Der größte Mietwohnkonzern in Deutschland ist Vonvia. Ihm gehören 355.000 Wohnungen in allen größeren Städten. (43)

Nach dem Börsengang 2015 wurde BlackRock mit gegenwärtig 8,3 Prozent der größte Vonvia-Aktionär, gefolgt von Norges mit 7,3 Prozent. (...) Die neuen Eigentümer gründeten Vonovia aus einer deutschen Aktiengesellschaft in eine europarechtliche SE (Societas Europaea) um. (...)
Deutsche Wohnen war zunächst eine 1998 gegründete Tochtergesellschaft der Deutschen Bank, (...). Nach verschiedenen Zukäufen ging Deutsche Wohnen an die Börse. Das Unternehmen mit 160.700 Wohnungen, (...), ist heute im Eigentum von Sun Life Financial mit 9,94 Prozent der Aktien, BlackRock hat 8,6 Prozent und Norges 6,93. (...)
Die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) des Landes Nordrhein-Westfalen mit 91.000 Wohnungen wurde 2008 von der CDU/FDP-Landesregierung an zwei Hedgefonds verkauft. Dann folgte der Einstieg von BlackRock & Co. (44)

Selbst da, wo der Staat der Hauptaktionär eines Unternehmens ist wie im Konzern Deutsche Post DHL, überlässt, (...) die Bundesregierung alle unternehmerischen Entscheidungen den weiteren Aktionären, nämlich BlackRock, (...). (46)

Auch in Frankreich, wo immer noch das Bild vorherrscht, das die französische Wirtschaft französisch und vielfach staatlich sei, hat es es sich ähnlich entwickelt wie in Deutschland, mit einem Jahrzehnt Verzögerung. (...)
So war Ende 2016 BlackRock Großaktionär von 18 der 40 Konzerne Frankreichs, die im Börsenindex CAC 40 gelistet sind, (...). (48)

BlackRock gehört zu den drei Investoren, die das meiste Eigentum an den 100 wichtigsten britischen Unternehmen des Börsenindes FTSE bei sich versammeln. (51)

Vergleichsweise wenig ist BlackRock & Co in Italien präsent: Hier sind noch einige Reste des alten Filzes mit Staat und reichen Familien vorhanden. (53)

Private-Equity-Investoren: Die Verwerter
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Gekauft werden nicht die großen Aktiengesellschaften, sonder lukrative Mittelstands- und Familienunternehmen. (...)
Es geht diesen Investoren nicht darum, marode Firmen auszuweiden oder zu sanieren, sondern sie suchen sich Schmuckstücke heraus, um sozusagen aus Silber Gold zu machen. (63)

Seit der Privatisierung der Deutschen Telekom 1995 hatte der Staat schrittweise Aktien an ausländische Investoren verkauft. Streubesitz hieß das. (79)

Wiederholt hat McKinsey den Gesundheitsbereich in Europa als goldene Gelegenheit für Privat Equity angepriesen. (...)
Seit 2011 kauft Waterland in Deutschland Kliniken verschiedener Träger. Die Kliniken sind auf Rehabilitation und Psychiatrie spezialisiert. Waterland fasste sie unter dem Name Median zu einer Kette zusammen. (94)

Über das Vermittlungsprogramm Expert Migration Healthcare der Unternehmensberatung DEKRA lässt Median NIedriglöhner/innen aus Albanien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Ukraine und Serbien heranschaffen. Die bekommen im Schnellbleiche von der DEKRA-Akademie das Zertifikat Deutsch B2 + Pflege mit den nötigsten deutschen Formeln und einer kurzen Pflegeeinweisung. (98)

Zwischen 40 und 70 Prozent des für den Kauf der Unternehmen notwendigen Kapitals stammt aus Krediten, die auf die gekauften Unternehmen übertragen werden. (114)

In Deutschland wurden Hedgefonds 2004 von der SPD/Grünen-Regierung zugelassen (...). (119)

Die Produktion der in Silicon Valley designten Luxuscomputer (...) wurde und wird in arbeits- und umweltrechtlich dubiose Regionen ausgelagert. Mittlerweile schuften etwas eine Million Menschen in 12-Stunden-Schichten in Niedriglohnstaaten rund um den Globus.
Eine ehemalige Beschäftigte in der Europa-Zentrale von Apple in Cork/Irland hat ihre Erfahrungen zusammengefasst: 5000 niedrig bezahlte Telefonberater, eingeteilt in Großgruppen à 500, werden ständig durch Vorgesetzte geratet und haben pro Tag 8 Minuten Zeit für Toillettengänge, deshalb trinken sie möglichst wenig. Die Selbstmordrate liegt sechsmal höher als in der übrigen irischen Bevölkerung. (153)

Die größten Aktionäre von Apple sind Vanguard, BlackRock (...). (154)

So zahlt das Zimmerbuchungsunternehmen Booking.com jährlich 2,3 Milliarden Dollar, um durch Google bei Suchanfragen ganz oben platziert zu werden. (170)

Für den ausufernden Konzern [Google] wurde 2015 die Holding Alphabet Inc. gegründet, die 2017 in XXVI Holdings Inc. überging. Die römische Ziffer XXVI symbolisiert die 26 Buchstaben des lateinischen Alphabets. (...)
Aber Google wurde von der Börse genommen und wie die anderen Tochterunternehmen in eine LLC, ähnlich wie eine deutsche GmbH, verwandelt. (...)
XXVI/Alphabet umfasst 75.00 Beschäftigte, agiert in 173 Sprache, generiert vor allem mit Werbung einen Umsatz von 120 Mrd., einen Nettogewinn von 23 Mrd. Dollar und beherrscht mit täglich 3 Mrd. Suchanfragen den Markt der EU zu 92 Prozent (Stand: 2017). (171)

Mit dem Bertelsmann-Konzern gründete Google 2016 die digitale Lernplattform Udacity. (...)
Google will auch die Medien In Europa günstig stimmen. Deshalb richtet der Konzern 2015 die mit 150 Millionen Dollar bestückte Digital News Initiative (DNI) ein. (172)

Fünf Medien in Deutschland erhielten über 300.000 Dollar: Correctiv, Rheinische Post, Spiegel Online (...), Schwäbischer Verlag, Der Tagesspiegel. Weitere Empfänger waren u.A. WiWo, Deutsche Welle (staatlich), taz und Mittelbayerische Verlag. Mithilfe von Algorithmen präsentiert Google ausgesuchte Artikel etwa aus der FAZ unter Faktencheck als HIntergrundmaterial. (...)
Die Täuschung besteht darin, dass man das, was man im partikularen Unternehmensinteresse sagen und verbreiten möchte, durch bezahlte Veröffentlichungen mit wissenschaftlichen Image erstellen lässt. (...)
Google finanziert Think Tanks, Lehrstühle und Studien je nach Bedeutung der Marktes und je nachdem, wo Kritik aufkommt. Das kritische Google Transparency Project dokumentiert unwidersprochen: Zwischen 2005 und 2017 wurden 330 wissenschaftliche Veröffentlichungen finanziert. (...)
Das Berliner Humboldt-Institut erhält 11,25 Millionen Euro bis 2019, das sind 65 Prozent des Haushalts, der Rest kommt von Cisco, Deutsche Bank und anderen, an denen BlackRock ebenfalls Miteigentümer ist. (173)

Google überholte traditionelle Großspender wie den Rüstungskonzern Lockheed und den Konkurrenten Microsoft. 2017 stand Google dann ganz an der Spitze derer, die in Washington mit Geld politische Entscheidungen zu beeinflussen suchten. (175)

Amazon, Facebook, Microsoft, Google, Apple kaufen in Israel laufend Start-ups auf, (...)
Das Militär ist der Innovationstreiber. (...) Seit dem Einsatz ferngelenkter Tötungs-Drohnen gegen die Intifada entwickelt der militärisch-industrielle Komplex Israels immer neu und bessere Technologien, um alle Arten von Daten, die mit Menschen verbunden sind (...) zu erfassen und nach Zieleingaben integriert und in höchster Geschwindigkeit auszuwerten. (...) Google unterhält auf dem Universitäts-Campus des Stanfort-Imitats in Tel Aviv eine eigene Start-up-Area. Kein Staat sonst subventioniert die digitale Forschung und Entwicklung so hoch wie Israel. Die Produkte und Dienstleistungen gehen vor allem in den Export, in die USA und die EU. (185-186)

Die Wikimedia Foundation Inc. beschäftigt gegenwärtig über 300 Angestellte und verfügt über 91 Millionen Dollar Einnahmen jährlich (2016/17). Die Hauptfinanziers (...) sind Unternehmensstiftungen und Unternehmer: Apple, Google und Microsoft; (193)

Die Menschenmassen können umso leichter und lukrativer manipuliert werden, je vereinzelter die Individuen in ihren Körpern und Zimmern digitalisiert vernetzt herumhocken. (195)

Im englischen und französischen Sprachraum hat sich der Begriff uberisation durchgesetzt, (...). Er bezeichnet Unternehmen, die mithilfe Internet, Smartphone, Tablet den Kontakt zwischen Verbrauchern und Anbietern von Produkten und Dienstleistungen vermitteln. [Uber, AirBnB, Deliveroo, Spotify, Netflix, Booking.com, Parship/Elite Partners, Flixbus].

Uber betreibt in der zweitgrößten Finanzoase der EU, den Niederlanden, 10 Firmen (...) Der komplizenhafte Staat Niederlande hat dieses Arrangement im Intangible Property License Agreement legalisiert. Er verdient mit, weil er schließlich etwa 1% Steuern kassiert. (198)

Uber ist in wenigen Jahren in die globale Finanz-Topliga aufgestiegen. Der Konzern hatte 2017 einen Marktwert von 70 Milliarden, als mehr als das Doppelte der Deutschen Bank und das Zehnfache der Deutschen Lufthansa. (200)

Die meisten begeisterten Uber-Kunden wissen nicht, dass das Unternehmen jede einzelne Fahrt bezuschusst. Wer in einen Uber-Wagen steigt, zahlt nur die Hälfte der Kosten. Die andere Hälfte wir von Ubers reichen Risikokapitalgebern getragen. (...) In den Großstädten Boston, NewYork, San Francisco und London gibt es inzwischen doppelt bis dreimal so viel frei Fahrer im Vergleich zu den professionellen Taxis. (...) Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel in den Uber-Städten geht seit 2010 zurück. (201)

Der Autokonzern Daimler schloss ein Kooperationsabkommen mit Uber, um Autos ohne Fahrer zu entwickeln. Die US-Weltraumbehörde NASA will mit Uber fliegende Taxis entwickeln. Uber versäumt nicht den Hinweis, dass dies umweltfreundlicher sei als der städtische Taxitransport. (203)

Inzwischen ist Deliveroo weltweit in 150 Großstädten (...) präsent: 1.500 Beschäftigte, Bestellungen bei 23.000 Restaurants, Essenstransporte durch zehntausende Fahrradkuriere, viele Millionen Kunden. (205)

Netflix erreicht mit 100 Millionen Abonnenten in 190 Staate mehr Haushalte als traditionelle TV-Sender. (...) Die menschheitsverbessernde Vision hat das Ziel, die Abonnenten als Stubenhocker in ihren Wohnungen festzuhalten uns süchtig zu machen, (...) Binge Watching heißt das in der Werbeszene, zu Koma-Gucken. (210-211)

AirBnB ist als Aktiengesellschaft schon mehr wert als die größten Hotelketten Hilton und InterConti, deren Zimmer man vermittelt. Dabei besitzt AirBnB kein einziges Privat- und Hotelzimmer. (211)

Mechanical Turk (MT) von Amazon vermittel jede Arbeit, von Minitätigkeiten, (...) bis zum aufwendigen Webdesign-Auftrag.

FlixMobility GmbH, kurz FlixBus genannt, entstand durch Aufkauf kleiner Busunternehmen. (...). Daimler Mobility Services und die Verlagsgruppe Holzbrinck stiegen ein. (...) So konnte Flixbus schon nach wenigen Jahren fast 90 Prozent des Marktes in Deutschland beherrschen - und schon wurden die Preise um 40 Prozent erhöht.
Auch Flixbus vermittelt nur, besitzt keinen einzigen Bus und hat keinen einzigen Fahrer angestellt. Vielmehr werden nach dem Franchise-System gegenwärtig 250 mittelständische Busunternehmen lizenziert und koordiniert. (213)

In Deutschland haben die Plattform-Konzerne etwas eine Million Beschäftegte - die Arbeitsämter wissen es nicht. Den Sozialversicherungen entgehen dabei jährlich Milliarden Euro. (...) Das Geschäft konzentriert sich auf individualisierte Dienste in den Ballungsräumen. Das fördert die Überfüllung und Vergiftung der ohnehin schon überstrapazierten Großstädte. (215)

Zur Finanzkrise haben auch die Wirtschaftsprüfungs-Firmen beigetragen: PwC, KPMG, EY und Deloitte. Diese Big Four aus den USA mit Hauptsitz in London und der Schweiz (KPMG) sind Weltkonzerne mit insgesamt 943.00 Profis und beherrschen den Weltmarkt. (217)

Während die Big Four den Konzernen helfen, die EU-Staaten um mindestens 50 Mrd. Euro jährlich zu betrügen, lässt sich die Europäische Kommission von den Big Four jährlich für etwas 50 Millionen Euro in Steuerfragen beraten. (218-219)

Wirtschaftskanzleien (...)
Unter den 10 größten Kanzleien, die in Deutschland dieses Geschäft betreiben [Beratung von PE Investoren], war im Jahr 2011 nur eine einzige deutsche Kanzlei: Hengeler Müller. Die anderen neu sind US-Kanzleien, (...). (219)

Die heute fünf internationalen Schiedsgerichte - neben Washington die kleineren in Paris, London, Den Haag und Stockholm - sind wesentlich in der Hand von einem Dutzend US-Wirtschaftskanzleien. (221)

Die Privatisierung des Staates und der Politik nimmt auch weitere Formen an. so stellt McKinsey in Deutschland Staatssekretäre, etwa im Ministerium für Verteidigung und Entwicklungshilfe. (....)
Die Top-Ten-Liste der Unternehmensberater in Deutschland sieht so aus, in der Reihenfolge des Umsatzes (Stand 2016): Accenture, McKinsey, Boston Consulting Group (BCG), (...).
(222)

Dieses Beratungsunternehmen [Accenture] mit 420.000 Beschäftigten weltweit hat McKinsey überholt. Der rechtliche Sitz wurde von den Bermudas in die andere Finanzoase, Dublin/Ireland, verlegt. Und wem gehört der größte Beratungskonzern? Es wird nicht überraschen. In der Reihenfolge ihrer Aktienanteile: Vanguard, BlackRock, (...). (223)

CHINA

Zum Anfang 2018 wurde die Produktion von 553 Automodellen verboten, die besonders viel Benzin verbrauchen; darunter waren Modelle chinesischer und europäischer Autokonzerne wie VW und Daimler. (266)

99 Prozent aller weltweit 385.000 Elektrobusse fahren in China. (267)

1994 gründete die chinesische Zentralbank eine eigenen Rating-Agentur, Dagong (Große Arbeit). Sie ist die Alternative zu den Big Three der US-Rating-Agenturen. Dagong ist ein Privatunternehmen und untersteht der Aufsicht der Zentralbank. (271)

Obwohl es offiziell kein Streikrecht gibt, finden nirgendwo auf der Welt mehr Arbeitskämpfe statt. (...) 2011 trat das Sozialversicherungsgesetz in Kraft, das eine Altersgrundsicherung auch für ländliche Bewohner beinhaltet. (275)

So wurden die durchschnittlichen Stundenlöhne der chinesischen Arbeiter seit 2005 bis 2016 inflationsbereinigt verdreifacht - von 1,20 auf 3,60 Dollar. Damit hat die Volksrepublik die klassischen Schwellenländer (....) überholt, (...).
China übertrifft damit auch die Mindestlöhne in den EU-Staaten Bulgarien, Litauen, Rumänien, Lettland, Ungarn, Kroatien, Slowakei, Tschechien und Polen. (276)

Einige Stadtverwaltungen, etwa die der mit 30 Millionen Einwohnern größten Stadt Chongqing, haben die Viereinhalb-Tage-Woche eingeführt.
Die Volksrepublik ist somit der einzige Staat der Erde, in dem Einkommen, Lebensstandard, Lebensqualität und Lebenssicherheit der Bevölkerungsmehrheit, auch der Ärmsten, über Jahrzehnte nachhaltig wachsen und die Voraussetzungen gegeben sind, dass dies auch weitergeht. (277)

Auch chinesische Konzerne nutzen wegen der Wettbewerbsgleichheit teils dunkle Praktiken, die systemisch zum westlichen Kapitalismus gehören. So laufen nicht wenige Auslandsinvestitionen über die Finanzoasen (...).
Aber, wie am Beispiel der Rating-Agentur gezeigt, werden diese Instrumente umgestaltet und in eine andere Entwicklungslogik eingebaut. (...)
Aber der kommunistisch geführte Kapitalismus wird von der KP gar nicht als Sozialismus ausgegeben. Er ist, auch im Unterschied zur Gründungszeit mit Mao Tse-tung, erst ein Ziel für die mittlere Zukunft. (281)

Von 2012 bis 2016 wurden etwa eine Million Manager, auch ausländischer Firmen, sowie Parteifunktionäre abgesetzt, verhaftet, wegen Bestechlichkeit, Bestechung, Amtsmissbrauch und Vetternwirtschaft vor Gericht gebracht. (282)

Zur Souveränität gegenüber dem privaten Kapital gehört, dass der Staat bei allen Pragmatismus keinen Quadratmeter Boden weder an ausländische noch einheimische Unternehmen oder Spekulanten verkauft. Stadt- und Betriebsflächen, Wälder, Seen, auch Wüsten wurden nicht dem kapitalistischen Privateigentum unterworfen. Der Staat vergibt nur zeitlich begrenzte Nutzungsrechte. (285)

Der einzige militärisch ergänzte Stützpunkt Chinas außerhalb der umittelbaren Umgebung liegt im ostafrikanischen Staat Djibuti. Dort verläuft eine der wichtigsten Seehandelsrouten. (...) So stehen dem einzigen Militärstützpunkt Chinas im Ausland, von zudem keine militärische Operationen ausgehen, etwa 1000 US-Militärstützpunkte gegenüber, die rund um die Welt auf etwas 60 Staaten und US-eigene Territorien und Inseln verteilt und in weltweite militärische Operationen integriert sind. (292)

Der Umfang dieser chinesischen Investitionen im Zentrum des westlichen Kapitals ist allerdings bis heute ungleich niedriger, beträgt in Deutschland 0,3 Prozent aller Ausländischen Investitionen, verursacht aber ein Tausendfaches an öffentlicher Aufregung. (296)

Für Ende 2016 wird der deutsche Investitionsbestand in China mit 60 Mrd. Euro, der chinesische Investitionsbestand in Deutschland mit 7,55 Mrd. angegeben. In China waren 8.000 deutsche Unternehmen präsent, in Deutschland gut 2.000 chinesische - von 16.000 ausländischen Unternehmen insgesamt. Der US-Investitionsbestand in Deutschland beträgt mehr als das Hundertfache. (298)

McKinsey muss feststellen: Die etwa 10.000 chinesischen, mesit privaten Unternehmen auf dem Kontinent [Afrika] tragen zur Verbilligung von Produkten und zur gezielten Ausbildung von Managern und Arbeitern bei. Chinas Investitionen sind äußerst positiv für die Volkswirtschaften Afrikas, für Regierungen und Arbeiter. (307)

So entwickeln in Afrika einheimische Doktoren zusammen mit chinesischen Barfuß-Ärzten die Verbindung mit afrikanischer Heilkräuter-Behandlung. (313)