Václav Klaus: Völkerwanderung

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Manuscriptum Verlagsbuchhandlung Thomas Hoof KG - Waltrop und Leipzig 2016

Vor unseren Augen wechselt eine Katastrophe die andere ab, und sobald die eine medial ausgeschöpft wurde, wird sie durch die andere ersetzt. Daher kann es ebenso gut passieren, dass eine wirklich ernste Krise fatal unterschätzt wird. (13)

Die fortgesetzte und massenhafte, leider noch lange nicht auf ihrem Höhepunkt angekommene Migrationswelle ist nur mit den früheren Invasionen barbarischer Völker in die antike Welt vergleichbar. (14)

Europa - vor allem das Europa der Integration - ist von lauter weltfremden und heuchlerischen humanistischen Ideen durchdrungen, von denen wir die zwar modischen, in ihren Folgen aber selbstmörderischen Ideologien des Multikulturalismus und des Human Rigthismus für die gefährlichsten halten. Diese Ideen stiften Millionen von Menschen zum Verzicht auf ihr Zuhause an, zum Verlassen ihrer Heimat und ihres Staates, zum Abschied von ihrer Nation. (...) Der zu Recht aus seine Vergangenheit stolze Kontinent wird nicht zuletzt durch jene linke Sozialutopie geschwächt, die aus Europa einen ineffizienten, solidarischen Sozialstaat machen will (...) (16)

Es wäre einfach absurd, die Welt in erfolgreiche und erfolglose Länder (und Regionen) einzuteilen, die aktuelle erfolgreichen Länder mit noch mehr Menschen zu besiedeln, die aktuell erfolglosen Länder dafür zu verlassen und diesen Zustand für immer und ewig zu konservieren. (19)

Selbst im Falle der palästinensischen Flüchtlinge, die infolge des Konflikts mit Israel aus ihrer Heimat vertrieben wurden und auch nach sechs Jahrzehnten noch zu Millionen in Flüchtlingslagern des Nahen Ostens leben, hält keine Gastland diesen Zustand für endgültig. (...) Die aktuelle Migrationswelle unterscheidet sich grundsätzlich von den beiden oben beschriebenen Arten von Migration. Sie hat eher den Charakter einer organisierten Völkerwanderung. (21)

Dieser Zustrom, bei dem es sich ganz bestimmt nicht um eine zufällige synchrone Bewegung isolierter Individuen handelt, wird in vielerlei Hinsicht organisiert oder zumindest mit Vorsatz ermöglicht und erleichtert. (22)

Ja, der Migrantenschmuggel  nach Europa ist ein großes Business. Es ist aber auch wahr, so unser Argument, dass ein einflussreicher Teil der europäischen Eliten diese neuzeitliche Völkerwanderung begrüßt und bereit ist, sie zu ihren Gunsten zu nutzen. (23)

Der erste Fehler besteht darin, dass sie Argumente, die für die individuelle Migration gelten (...), auf die Massenmigration anwenden, obwohl es sich dabei um ein vollkommen anderes Phänomen handelt. (...) Der zweite, durchaus ähnliche Fehler besteht darin, Dauereinwanderer nicht per Definition von früher oder später heimkehrenden Asylanten zu unterscheiden. (29)

Bemerkenswerterweise wurden die Migranten von Anfang an zur Bereicherung Europas erklärt, d.h., man geht mehr oder weniger explizit davon aus, dass die Flüchtlinge, wie sie zugleich heißen, langfristig hierbleiben werden. Trotzdem wird das gesamte aktuelle Migrationsproblem von Politik und Verwaltung als Asylfrage betrachtet und behandelt. Das ergibt keinen Sinn.
Asyl bedeutet, einen Menschen eine vorübergehende Zuflucht zu gewähren, der von politischer Verfolgung bzw. akuter Lebensgefahr flieht. (32)

Ein derart spontaner Sinneswandel - eine stillschweigende Grenzöffnung für Migranten und faktisch das ende von Schengen in seiner bisherigen Form - kann nicht mit einem plötzlichen Altruismus der Bundeskanzlerin Merkel und ihrer europäischen Kollegen erklärt werden. Offenbar sind wir Zeugen eines weitreichenden strategischen Schachzugs, dessen Sinn und Zweck sie vor uns geheimhalten. (34)

All das beweist, dass Europa in Gestalt von Angela Merkel und Jean-Claude Juncker die Migration wünscht, die Bemühungen um eine Reduktion des Flüchtlingsstroms lediglich vortäuscht und bemüht ist, ein Maximum von neuen Europäern aus dem Nahen Osten und den anderen Herkuftsregionen der aktuellen Migranten auf unseren Kontinent zu verschieben. (35)

Für lange Zeit werden die Einwanderer auf die Großzügigkeit der europäischen Sozialsysteme angewiesen bleiben, was auf der Makroebene erhebliche Milliarden summen verschlingen wird.  Dadurch wird die schon heute hohe Verschuldung der dauerhaft auf Kredit lebenden, ökonomisch längst stagnierenden (und demzufolge gegenüber dem Rest der Welt zurückfallenden) europäischen Staaten weiter ansteigen. (49)

Die manifeste Mehrheitsmeinung der normalen Bürger wird im Unterschied zur Meinung der Eliten öffentlich von eben diesen als xenophob, extremistisch und rassistisch, wenn nicht als faschistisch stigmatisiert. (56)

Wenn sich die bislang dominierende Meinung nicht bald bewegt, wenn die europäischen Eliten sich auch weiterhin nicht bemühen, die Ängste ihrer Bürger ernst zu nehmen, (...) werden andere Politiker und andere Parteien auf den Plan treten.  (...)
Diese Leute [Eliten] haben begriffen, dass die Nationalstaaten im Verein mit der parlamentarischen Demokratie zum absoluten Bremsklotz ihrer Visionen von neuen Europa und zum Störfaktor ihrer globalen Machtansprüche geworden sind. (57)

Deshalb verfolgen die europäischen Eliten das Ziel, die nationalen Strukturen zu zersetzen, die nationale Substanz zu verdünnen und die Nationen mit jener fremden Welt zu konfrontieren, die die Migranten - ohne Bezug zu dem europäischen Land, in dem sie angesiedelt werden - mitbringen. (58)

Nicht umsonst findet der Aufbau des europäischen Superstaates ohne demokratisches Mandat nach einer Art Salamitaktik statt - scheibchenweise mittels immer neuer Krisen, die jedes Mal (angeblich) mehr Europa erzwingen. (...)
Die europäischen Spitzenpolitiker geben vor, dass es ausgerechnet jetzt unvorstellbar für sie sei, irgendjemand leiden zu sehen. (...)
Dieselben Politiker, die ohne mit der Wimper zu zucken Kriege geführt, Waffen geliefert, Embargos verhängt und jahrzehntelang ohne jede Anteilnahme den Schicksalen von Hunderttausenden zugeschaut haben (...). (59/60)

Wir weisen die Vorstellung ganz entschieden zurück, dass es eine Planzahl von Menschen  gäbe, die unseren Kontinent zu bevölkern hätten. So etwas kann nur dem weltfremden Denken eines Sozialingenieurs entspringen. (66)