Aufbau Verlag, Berlin: Romane und Erzählungen in acht Bänden: Band 5
Plot: Zu Beginn sehen wir Baron Botho und Lene als ein glückliches Liebespaar, obwohl Lene aus einfachsten Verhältnissen stammt. Botho findet selbst Gefallen an dem einfachen Zuhause von Lenes Ziehmutter. Die Situation ändert sich, als Botho aus gesellschaftlichen und auch finanziellen Gründen dazu bewegt wird, über eine Heirat mit der gutsituierten standesgemäßen Käthe nachzudenken. Er stimmt schließlich zu und verlässt Lene.
Als seine Frau 3 Jahre später auf einem längeren Kuraufenthalt ist, holt Botho noch einmal die Erinnerung an sein "glückliche" Zeit ein....
"Käthe zog zwischen Berlin und Potsdam schon die gelben Vorhänge vor ihr Kupeefenster, um Schutz gegen die ständig stärker werdenden Blendung zu haben, am Luisen-Ufer aber waren am selben Tage keine Vorhänge herabgelassen, und die Vormittagssonne schien hell in die Fenster der Frau Nimptsch und füllte die ganze Stube mit Licht." (121)
"Botho hatte mittlerweile seinen Platz wieder eingenommen, und der alle die Zeit über mit Glattstreichung seines Hutes beschäftigte Franke sagte ruhig vor sich hin: Ja, so hat sie mir's auch erzählt.
Was nicht anders ein kann, Herr Franke. Denn die Lene - und ich freue mich von ganzem Herzen, auch gerade das noch sagen zu können -, die Lene lügt nicht und bisse sich eher die Zunge ab, als daß sie flunkerte. Sie hat einen doppelten Stolz, und neben dem, von ihrer Hände Arbeit leben zu wollen, hat sie noch den anderen, alles gradheraus zu sagen und keine Flausen zu machen und nichts zu vergrößern und nichts zu verkleinern. Ich brauche es nicht, und ich will es nicht, das hab ich sie viele Male sagen hören. Ja, sie hat ihren eigenen Willen, vielleicht etwas mehr, als recht ist, und wer sie tadeln will, kann ihr vorwerfen, eigenwillig zu sein. Aber sie will nur, was sie glaubt verantworten zu können und wohl auch wirklich verantworten kann, und solch ein Wille, mein ich, ist doch mehr Charakter als Selbstgerechtigkeit " (132)
"Minette beeilte sich und ging, während Käthe vor dem hohen Stehspiegel stehenblieb und sich das in Unordnung geratene Haar arrangierte. Zugleich sah sie im Spiegel auf Botho, der neben ihr stand und die schöne junge Frau musterte.
Nun, Botho, sagte sie schelmisch und kokett und ohne sich nach ihm umzusehen.
Und ihre liebenswürdige Koketterie war klug genug berechnet, und er umarmte sie, wobei sie sich seinen Liebkosungen überließ. Und nun umspannte er ihre Taille und hob sie hoch in die Höh. Käthe, Puppe, liebe Puppe.
Puppe, liebe Puppe, das sollt ich eigentlich übelnehmen, Botho. Denn mit Puppen spielt man. Aber ich nehm es nicht über, im Gegenteil. Puppen werden am meisten geliebt und am besten behandelt. Und darauf kommt es mir an." (156)