Roman und Erzählungen in acht Bänden, Aufbau-Verlag, 4. Auflage 1993
Der Graf Petöfy beschließt, sich seine alten Tage mit einer jungen Schauspielerin zu versüßen und heiratet Franziska Franz.
"Ja, Graf, wir Frauen bleiben immer dieselben und wollen schließlich um unseres Ichs willen adoriert werden. Und nur um unseres Ichs willen. Darin bin ich wie andere. Statt dessen erscheint Graf Petöfy mit einem allerschmeichelhaftesten Antrage, der aber alles Schmeichelhaften unerachtet doch schließlich auf nichts anderes hinausläuft als darauf, eine Märchenerzählering, eine Redefrau haben zu wollen, etwas wie Luis Napoleon einen Redeminister hatte." (78)
"Aber wenn es keine Gräfin sein kann, so kommt nach der Gräfin gleich die Schauspielerin, weil sie, dir darf ich das sagen, der Gräfin am nächsten steht. Denn worauf kommt es in der sogenannten Oberschicht an? Doch immer nur darauf, daß man eine Schleppe tragen und einen Handschuh mit einigem Chic aus- und anziehen kann." (81)
"Weil unser Herz ein kompliziertes Ding ist, ein Ding mit vielen und oft widerstreitenden Wünschen, und weil die Freiheit, so hoch ich sie stelle, doch schließlich nicht alles in der Welt bedeutet. Es gibt eben auch anderes noch, Dinge, die gelegentlich noch mehr bedeuten oder wenigstens bedeuten können." (84)
"Ich beginne morgen Ungrisch, uns sind wir im nächsten Sommer wieder hier, so lese ich dir den Pesti Hirlap in der Ursprache vor, oder wohl gar Jokais neuesten Roman.
Im nächsten Sommer, wiederholte Petöfy. Wer weiß, was dann ist. In meinen Jahren hat man gelernt, nach Tagen zu rechnen, und nimmt den Tag, als ob er das Leben wäre.
Beide schwiegen. Ein leiser Zugwind ging und hob ein paar welke Blätter in die Luft, von denen eines auf Petöfys Hand niederfiel. Er nahe es und dagte: Sie die Bestätigung. Es wird Herbst.
Aber nicht Winter. Und von Herbst bis Winter ist eine lange Zeit." (114-115)
"Denn sieh dich vor, Fränzl, ich versteh mich auf Augen, und ein so gutes Herz er hat, so heißes Blut hat er. Er ist ein Feuertopf, und fällt erst mal ein Funke hinein, so haben wir ein Geprassel und einen Krach und Knall. Ich beschwöre dich, hast du mir nichts zu sagen, nicht ein kleines Wort, das mich beruhigen könnte?" (166)
"Bin ich nicht das Kind, das etwas wiederfordert, das es zuvor weggeschenkt hat? Bin ich nicht der Gläubiger, der bis Ultimo warten will und am dritten Tage schon nach Zahlung verlangt? Und wenn ich den Ausgang aus dem Wirrsal nicht finden kann oder wenigstens nicht den, der in Lichte führt, wer ist schuld? Wer? ich, ich allein. An mir ist es, die Konsequenzen eines falschen Exempels auf mich zu nehmen, und ich will es und werde es." (180)
"Während ich sie beständig warnte, das Leben nicht als Märchen zu nehmen, hatt ich mir doch meinerseits ein Märchen ausgedacht, und ihr guter Wille, mir zu Willen zu sein, bestärkte mich in dem Glauben an eine Märchenmöglichkeit." (182)
"Er gab ihr die Hand, was ihr auffiel. Dann ging er auf sein Zimmer zu, darin Andras eben das Fenster schloß.
Ich bin für niemand zu sprechen, Andras. Für niemand. Und diesen Brief gib an die Gräfin, wenn sie zurück ist. Und nun geh. Ich will allein sein." (185)
"Nun denn, so gestatte mir schon heute die Frage: Wirst du Egon deine Hand reichen?
Ich wünsche, daß er sie nicht fordert, aber wenn er sie fordert: nein.Es klingt etwas Herbes in deine Antwort. Verdient er es?
Nein. Aber wir sind allemal hart gegen die, die schuld sind an unserer Schuld. Und um so härter, je schuldiger wir uns selber fühlen." (190)