Silvio Gesell: Die Natürliche Wirtschaftsordnung

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Kindle eBook - Printausgabe (9. Auflage): Rudolf Zitzmann Verlag, 1949

"Muß das Geld als Ware besser sein als die Waren, denen es als Tauschmittel dienen soll? (...) Das Geld soll also,  wenn es den Waren gegenüber keine Vorrechte haben darf, wie die Waren verrosten, verschimmeln, verfaulen." (193, 197)

"Wir sagen: die Besitzer der Waren erleiden durchweg während der Lagerzeit einen Verlust an Menge und Güte der Waren. Daneben sind die Lagerkosten (....) zu zahlen. Wieviel macht das aufs Jahr berechnet und im Durchschnitt? Sagen wir einmal 5% (...).
Wieviel hat aber ein Bankhaus, ein Kapitalist, ein Sparer von seinem Gelde abzuschreiben, das er zu Hause oder in der Sparkasse aufbewahrt?"  (201)

"Antwort auf unsere Frage: wir hängen dem Geld den gleichen Verlust an, den die Waren auf Lager erleiden. Dann ist das Geld  nicht mehr besser als die Ware, dann ist es für jeden einerlei, ob er Geld oder Waren besitzt oder spart, dann sind Geld und Ware vollkommen gleichwertig, (...)." (206)

"Unmittelbar gewinnt und verliert niemand durch den Rückkauf des Grundbesitzes. Der Grundeigentümer zieht aus den Staatspapieren an Zins, was er früher an Rente  aus dem Grundeigentum zog, und der Staat zieht an Grundrente aus dem Grundeigentum, was er an Zins für die Staatspapiere zahlen muss." (1676)

"Also das Privatgrundeigentum bedarf zu seiner Erhaltung der Politik, schon weil es an sich bereits eine Frucht der Politik ist. Mann kann sagen, daß der Privatgrundbesitz die Politik verkörpert; daß Politik und Privatgrundeigentum eins sind. Ohne Politik kein Privatgrundbesitz, und ohne Sonderreigentum an Boden keine Politik. Mit der Bodenverstaatlichung ist die Politik im wesentlichen erschöpft und erledigt." (1813)

"Das Geld ist Voraussetzung der Arbeitsteilung, sobald der Umfang, den sie angenommen, den Tauschhandel ausschließt." (2650)

"Darum wiederhole ich: Das Streben, für eine möglichst geringe Leistung eine möglichst große Gegenleistung herauszuholen, das ist die Kraft, die den Austausch der Güter leitet und beherrscht." (2957)

"Zum Wesen des Geldes gehört es aber, (...) daß es nicht verbraucht, sondern nur als Tauschmittel gebraucht werde. Das Gels beschreibt einen Kreis, den es ewig durchläuft; es kehrt zum Ausgangspunkt zurück." (2999)

"Man verfertigt die Ware zum Verkauf, aber man kauft sie zum Verbrauch. Man verkauft Ware, man kauft Gebrauchsgüter. Nur das Geld allein kauft jeder als Ware. Nur allein das Geld ist uns bereits als Ware ein nützliches Gebrauchsgut (nämlich als Tauschmittel); das Geld, und vornehmlich das Papiergeld, ist also überhaupt die einzige nützliche Ware. " (3153)

"Das Geld braucht den Staat; ohne Staat läßt sich kein Geld denken; ja, man kann sagen, mit der Einführung des Geldes beginnt die Gründung des Staates. Das Geld ist das natürlichste und mächtigste Bindemittel der Völker. Das Weltreich der Römer wrude durch die römische Münze fester als durch seine Heerhaufen zusammengehalten." (3354)

"Das Geld soll über Ort und Zeit hinweg ewig denselben Preis erzielen, den es heute hat. Was man in Waren dafür bezahlt hat, das hat jeder für das Geld morgen, in einem oder zehn Jahren, zu fordern." (3513)

"Unter Preis des Geldes versteht man die Menge Waren, die man preisgeben muß, um eine bestimmte Menge Geld einzutauschen."  (3687)

"Die Nachfrage nach Waren, schlechtweg nachfrage genannt, ist also immer und ausschließlich durch das Geld gedeckt." (3767)

"Im allgemeinen wächst also das Warenangebot, d.i. die Nachfrage nach Geld, ununterbrochen. (3844)

"Die Nachfrage nach Geld nimmt also um die genaue Menge der auf dem Kreditwege ausgetauschten Waren ab." (3893)

"Die tägliche Nachfrage nach Geld ist also gleich den täglich den Märkten zugeführten Waren, abzüglich der auf dem Kreditwege (oder etwas dem unmittelbaren Tauschhandel) abgehenden Waren." (3923)

"Jede Verbesserung des Geldumlaufes vermehrt also das Angebot an Geld. Darum wird man ja bei Freigeld vielleicht mit einem Drittel des heutigen Geldbestandes auskommen, um diesselbe Nachfrage betätigen zu können. " (3986)

"Folglich wird die Nachfrage der Regel nach eine Sonderleistung zu fordern imstand sein für das Vorrecht, vom Markte fernbleiben zu können.
Und warum sollte der Besitzer des Geldes nicht diese Sonderleistung einfordern? Ist nicht unser ganze Wirtschaft, die Preisbestimmung durch Nachfrage und Angebot, auf der Ausbeutung der Verlegenheit des Nächsten begründet, (....)." (4165)

"Wir können also sagen: unser heutiges Geld vermittelt der Regel nach (also kaufmännisch) den Austausch der Waren nur unter Erhebung einer Abgabe. Ist der Markt die Straße, auf der die Waren ausgetauscht werden, so ist das Geld der Schlagbaum, der nur nach Zahlung des Wegegeldes gehoben wird. Das Wegegeld, der Profit, die Abgabe, der Zins, oder wie man es nennen mag, ist die allgemeine Voraussetzung des Warenaustausches. Ohne diese Abgabe kein Tausch.
Und man verstehe mich recht. Ich sprech nicht von Handelsgewinn, von der Bezahlung, die der Kaufmann für seine Arbeit verlangt und verlangen kann. Das, wovon ich hier spreche, ist der Sondergewinn, den der Geldbesitzer verlangen kann, weil er den Austausch ihrer Waren durch Zurückhaltung des Geldes zu verhindern vermag." (4178/4196)

"Die Preise dürfen niemals und unter keinen Umständen fallen!
Das ist die Bedingung, die erfüllt werden muß. Und wie kann man das erreichen?
Wir erreichen das:
1. indem wir das Geld vom Gold trennen (...);
2. indem wir das aus Papier gefertigte Geld so gestalten, daß dieses unter allen Umständen gegen Waren angeboten wird, (....)." (4408)

"Deshalb fordere ich neben einer nur druch die reine Papierwährung ermöglichten Beherrschung der Geldmassen durch den Staat eine vollkommene, sachliche Trennung des Tauschmittels vom Sparmittel. (...) Das Geld wurde doch nicht gemacht, damit es gespart werden könnte!
Das Angebot steht unter einem unmittelbaren, den Waren anhaftenden, sachlichen Zwang; darum fordere ich einen gleichen Zwang für die Nachfrage, damit bei den Verhandlungen um den Preis das Angebot nicht der Nachfrage gegenüber im Nachteil bleibe." (4470)

"Wer Geld hat, hat ein Recht auf unmittelbaren Kauf von Waren, mehr nicht. Ein Recht auf Zins widerspricht dem Gedanken des Geldes, denn dieses Recht käme einer Besteuerung gleich, einer privaten Besteuerung des Warenaustausches mit Hilfe einer staatlichen Einrichtung." (4528)

"Eine Ruhebank ist das Geld nicht, sonder ein Übergangslager. hast du selbst keinen unmittelbaren Bedarf an Waren, so kaufe Wechsel, Schuldscheine, Pfandbriefe usw. von solchen Personen, die jetzt Waren brauchen, aber dazu kein Geld haben. Die Bedingungen, zu denen du die Wechsel kaufen kannst, sind deine Sonderangelegenheiten; du hast nur der bedingungslosen Pflicht zu gehorchen, das Geld wieder sofort auf den Markt zu bringen. " (4534)

"Mit dem Freigeld wird die herkömmliche Vereinigung von Tausch- und Sparmittel, im Einklang mit den Ergebnissen unserer Untersuchung, grob und rücksichtslos zerhauen. Das Geld wird reines Tauschmittel, vom Willen der Inhaber befreite, stoffliche, chemisch reine Nachfrage." (6434)

"Das Freigeld verliert wöchentlich ein Tausendstel (0,1 %) an Zahlkraft, und zwar auf Kosten der Inhaber."  (5452)

"Wirkungen des Freigelds auf Kapital, Arbeit und Lohn:
(...) Unaufhaltsame Umwandlungaller erzielten Geldüberschüsse in Produktionsmittel, Wohnungen usw. ohne Rücksicht auf die Erträglichkeit (Mehrwert, Rentabilität). (5504)
(...) Allmähliches Heruntergehen des Kapitalzinses (Mehrwert) , der bei Einführung des Freigeldes im Weltverkehr nach und nach ganz verschwindet." (5506)

"Betrachten wir das Freigeld genauer. Was kann sein Besitzer oder Inhaber damit anfangen? Am 1.  Januar gilt es auf den Märkten, in den Läden, an der Lohnkasse, an allen Staatskassen und vor Gericht 100 Mark, und am 31 Dezember nur noch 95 Mark, d. h., will der Inhaber den Zettel am Ende des Jahres dazu nützen, um 100 Mark in Wechseln, Rechnungen, Steuerzetteln usw. zu bezahlen, so muß er auf den Zettel noch 5 Mark zulegen!" (5657)

"Der Inhaber dieses vergänglichen Geldes wird sich also ebenso hüten, das Geld zu behalten, wie der Eierhändler sich hütet, die Eier länger als durchaus nötig zu behalten. Der Inhaber des neuen Geldes wird gesetzmäßig danach trachten, das Geld und den von seinem Besitz untrennbaren Verlust - auf andere abzuwälzen." (5666)

"Und da sie nun in iher Eigenschaft als Sparer und Kapitalisten keine eigenen Bedarf an Waren haben, so suchen sie Abnehmer für das Geld bei Leuten, die Ware kaufen möchten, aber das Geld dazu erst in einer späteren Zeit liefern können. Sie bieten also das Geld als Darlehen an, - wie sie das früher übrigens auch mit dem Gold taten." (5696)

"Das neue Geld löst also alle Geldansammlungen selbsttätig auf, sowohl die des fürsorglichen Spießbürgers, wie die des Kaufmanns un des zum Sprung bereiten Wucherspielers." (5735)

"1. Ware, Arbeit, Geld werden für alle, sowohl für die Verbraucher, wie für die Sparer, gleichgültige Dinge sein, d.h. Dinge, die ohne Gewinn, Zins und Abgabe gegenseitig auswechselbar sind;"  (5771)

"Die vollkommene privatwirtschafltiche Gleichstellung des Geldes mit den Waren bedingt:
1. daß man die unentbehrlichen Rücklagen mir Vorliebe in Vorräten, statt in Geld anlegen wird;" (5781)

"Viel Ware - viel Geld, wenig Ware - wenig Geld. Das ist die Richtlinie des Reichswährungsamtes.
Eine ganz erstaunlich einfache Sache." (6036)

"Mit dem Freigeld ist die schöpferische Kraft auf kaufmännischem Gebiet überflüssig geworden, denn die Schwierigkeiten sind verschwunden, für deren Überwindung die vergleichsweise seltene, aber gerade darum so schwer bezahlte kaufmännische Begabung nötig war." (6068)

"Erzeugt jemand schlechte Waren, fordert er zu hohe Preise, arbeitet er darauf los, ohne die Marktbedürfnisse zu befragen, so wird ihm auch das Freigeld die Waren nicht absetzen können." (6447)

"Dann ist es doch wahrhaftig viel besser, man legt seine Ersparnisse in Privat- und Staatsschuldscheinen, Wechseln usw. an, die, wenn sie auch keine Zinsen abwerfen, doch alle Tage und ohne Verlust wieder in Bargeld umgesetzt werden können. (6606)

"Ich werde nun zeigen, dass der Zins völlig unabhängig vom Privateigentum an den Produktionsmitteln ist, daß er auch dort besteht, wo es keine besitzlose Menge (Proletariat) gibt und gab, und daß Sparsamkeit, Ordnung, Fleiß und Tüchtigkeit niemals den Zins entscheidend beeinflußt haben." (7313)

"Infolge dieses eigentümlichen Sachverhalts vermag der Kaufmann von den Warenbesitzern eine besondere Vergütung  dafür zu erzwingen, daß er darauf verzichtet, den Austausch der Waren durch Festhalten des Gelder willkürlich hinauszuziehen, d.h. zu verschleppen und nötigenfalls gänzlich zu verhindern. (...)
Aus dieser regelmäßigen Vergütung setzt sich der Zins des Handelskapitals zusammen, und er beträgt, auf den Jahresumsatz verteilt, nach mehrtausendjähriger Erfahrung 4-55. (7350)

"(...) sondern  nur der als Geldbesitzer auftretende Kaufmann kann diese Abgabe erheben, (...) der Mann, der die Waren kaufen oder den Kauf unterlassen kann, ohne darum persönlich Hunger leiden zu müssen, kurz der Mann, der eine Schiffsladung Weizen kauft, obschon er persönlich nur einen Sach davon essen wird." (7357)

"Wären Warenerzeuger und -verbraucher (Produzenten und Konsumenten) nicht durch Zeit und Ort voneinander getrennt, so würden sie sich, wie das im Tauschhandel ja noch geschieht, ohne das Geld des Kaufmanns behelfen; aber wie die Dinge liegen, ist die kaufmännische Vermittlung (und damit auch der Zins) Notwendigkeit und Regel für den weitaus größten Teil der Warenerzeugung." (7368)

"Eine allgemeine Preissteigerung ist für das herkömmliche Geld ein Umlaufszwang, in manche Wirkungen ähnlich dem Umlaufszwang des Freigeldes. Durch Kauf von Waren sucht man bei einer allgemeinen Preissteigerung den dem Geld drohenden Verlust - auf andere abzuwälzen. (7454)

"Wenn jemand Ersparnisse macht, d.h. mehr Waren erzeugt als verbraucht, und findet einen, dem er den Überschuß unter der Bedingung verleihen kann, daß ihm seine Ersparnisse ohne Zins, aber auch ohne Verluste, nach Jahr und Tag erstattet werden, so ist das für den Sparer ein außerordentlich vorteilhafter Handel. (...)
Die einfache, zinsfreie Rückerstattung des ausgliehenen Spargutes enthält also, sobald wir nur das Geld aus dem Spiel lassen, eine recht bedeutende Leistung von seiten des Schuldners oder Borgers, nämlich die Kosten der Aufbewahrung des geliehenen Sparguts." (7904)

"Wir sagten, dasß das Geld als Tauschmittel darum Kapital ist, weil es den Warenaustausch unterbinden kann; und folgerichtig müssen wir nun auch sagen können, daß, wenn wir dem Geld durch die vorgeschlagene Umgestaltung die Fähigkeit nehmen, den Warenaustausch zu unterbrechen, das Geld als Tauschmittel kein Kapital mehr sein kann, d.h., daß das Geld den Urzins nicht mehr erheben kann." (8054)

"Diese Zahlen beweisen, daß der Zins unabhängig ist von wirtschaftlichen, politischen und sozialen Verhältnissen;" (8491)

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