Frankfurt am Main 2014 (Fischer) - Originalausgabe bei Random House Mondadori, Barcelona 2002: "Una novelita lumpen"
Plot: Bianca und ihr Bruder leben in Rom und schlagen sich mit schlecht bezahlten Jobs durch das Leben. Gemeinsam beschließen sie, ihre Situation mit einem Raub zu verbessern.
"Jetzt bin ich Mutter und auch eine verheiratete Frau, aber vor gar nicht langer Zeit war ich eine Kriminelle. Mein Bruder und ich hatten unsere Eltern verloren. In gewisser Weise rechtfertigt das alles. Wir hatten niemanden. Und das alles buchstäblich von heute auf morgen.
Unser Eltern waren bei einem Autounfall gestorben, während ihres ersten Urlaubs zu zweit, auf einer Straße nahe Neapel, glaube ich, oder auf irgendeiner anderen furchtbaren Straße im Süden. Unser Auto war ein gelber Fiat, gebraucht gekauft, aber äußerlich wie neu. Was von ihm übrig war, glich einem grauen Blechknäuel. Als ich ihn auf dem Schrottplatz der Polizei sah, neben anderen Unfallfahrzeugen, fragte ich meinen Bruder wegen der Farbe:
War er nicht gelb?
Mein Bruder nickte, gelb, na klar, aber das war vorher. Vor dem Unfall. Zusammenstöße verformen die Art, wie wir Farbe wahrnehmen. Keine Ahnung, was er damit sagen wollte. Ich fragte ihn das. Er sagte: Licht ... Farbe .. alles. Ich dachte, den Ärmsten hat es noch schlimmer erwischt als mich." (9)
"Die Nacht war nach langer Zeit wieder eine wirklich Nacht, dunkel und zerbrechlich und von Ängsten gesäumt, und alle, die wir in dieser Nacht wach blieben, waren schwach, müde Geschöpfe, die gern noch einmal das Morgengrauen sehen wollten, die schwankende Helligkeit der Piazza Sonnino. (...) ein Gewitter, das sich nicht am Himmel über Rom befand, sondern in der Nacht von Europa oder im Raum zwischen zwei Planeten, ein geräuschloses und blindes Gewitter, das aus einer anderen Welt stammte, einer Welt, die nicht einmal die erdumkreisenden Satelliten einfangen können, wo es eine Lücke gab, die meine Lücke, und einen Schatten, der mein Schatten war." (110)