Warum wurden Olaf Palme, Uwe Barschel und William Colby ermordet?
Frankfurt/Main 2017 (Westend Verlag)
Klar ist aber: Viele Jahre befand sich im Skandia-Gebäude das Hauptquartier der NATO-Geheimarmee >>Stay-behind«, die in den 1950er Jahren auch im offiziell neutralen Schweden von der CIA aufgebaut worden war. Das Haus könnte also neben dem schwedischen Arm der Guerillatruppe auch ein CIA Verbindungsbüro beherbergt haben. Deshalb stellt sich Frage, ob ein Komplize des Täters oder der Täter selbst den Hinterausgang des Skandia-Gebäudes benutzt haben könnte. Aber es wurde nie untersucht, ob der Skandia-Mann mit >>Stay behind<< in Verbindung steht. Einem der Autoren wurde von einem ehemaligen Mossad-Agenten die Information zugespielt, dass die CIA dieses Gebäude als eine Kommandozentrale für den Mord benutzt haben soll. (26)
Sollte Dahlgrens Geschichte stimmen, war der spätere Leiter der Mordermittlungen selbst an der Mordverschwörung beteiligt, ganz zu schweigen von den darauffolgenden Vertuschungsaktionen und der Verbreitung der entsprechenden Fehlinformationen. Dahlgren jedenfalls geriet ins Visier der Polizei-Aufsicht und wurde schließlich aus dem Dienst entlassen. 1994 fand man ihn tot in seiner Wohnung; Offiziell war die Rede von >>gewohnheitsmäßigem Alkoholmissbrauch<< .. ein weiterer mysteriöser Tod im Zusammenhang mit dem Mord an Olaf Palme und ein äußerst bedeutsamer.
Die Hinweise auf mysteriöse Vorgänge in der Kommunikationszentrale der Polizei sind zu komplex, um sie alle hier Wiedergeben zu kömnen. Im Mittelpunkt stehen dabei meist die Vorwürfe des mittlerweile verstorbenen Polizeibeamten Gosta Séderstrém. Er kam mit seinem Auto als Erster am Tatort an. (34)
Angeblich hätte eine Veröffentlichung die Angehörigen verletzen und die vorbereitenden Ermittlungen stören können. Verantwortlich für die Autopsie war Milan Valverius, ein bereits seit 40 Jahren tätiger Gerichtsmediziner, der für seine Integrität bekannt war und in professionellen Kreisen einen guten Ruf genoss. Doch Valverius kam zu einem erstaunlichen Befund: Palme sei in die Brust und nicht in den Rücken geschossen worden. Auch Per Nass und Hans Holmér beteiligten sich am Streit um diesen Befund. Dabei tauchten auch Hinweise auf, der Leichnam sei nach dem Mord für längere Zeit unbewacht geblieben. Im Februar 1994 wurden Valverius und seine Frau Sonja tot aufgefunden, er 69 Jahre alt, sie 62 Jahre. Offenbar starben sie gleichzeitig. Die Totenscheine vermerken Krebs, Giftpillen und attestieren Selbstmord. (35)
Welche Motive könnte also die Enterprise-Gruppe innerhalb der CIA gehabt haben, Olaf Palme auszuschalten? Wenn man die bestehende Literatur durchkämmt, kommen drei zentrale Handlungsstränge zum Vorschein. Einmal die Iran-Contra-Deals, also die heimlichen Waffenlieferungen an den Iran. Zum Zweiten alle Fragen, die mit der Politik des Kalten Krieges zusammenhängen. Palme strebte eine atomwaffenfreie Zone in Skandinavien und im Ostseeraum an. Er plädierte für den Austritt Däinemarks und Norwegens aus der NATO. Und zum Dritten war da Palmes starke Unterstützung der Anti-Apartheid-Gruppen in Südafrika. Dieses Engagement könnte mit geopolitischen Interessen der USA in Konflikt geraten sein, wie zum Beispiel dem Zugang zum Flottenstützpunkt von Simonstown, einer Marinebasis, die ganz in der Nähe des wichtigen Seewegs vom Persischen Golf um Afrika herum und bis nach Europa und Amerika liegt. (52)
Von 1980 bis hin zur Iran-Contra-Affäre um 1985 bis 1987 wurden große Mengen Waffen in den Iran geschafft. Organisiert wurden die Lieferungen zumeist von einem israelischen Netzwerk, das mit der CIA unter einer Decke steckte. (54)
Es ist belegt, dass Palme kurz vor seinem Tod Besuch von einer iranischen Delegation erhalten hat. Anscheinend haben sich die Iraner bei ihm über den Lieferstopp beschwert und ihn ersucht, diesen aufzuheben. Erwähnenswert ist auch, dass Schweden neben Waffen und Munition auch Volvo-Lkw in großen Stückzahlen an den Iran geliefert hat. Diese Verkäufe wurden nicht als Militärgüter deklariert, die Lkw waren aber eindeutig militärisch nutzbar. Wenn Palme am Lieferstopp festgehalten hat, dann könnte auch der Iran als Haupttäter in Frage kommen. Denkbar wäre in diesem Falle, dass der Mord von >>Subunternehmern<<, vielleicht sogar unter Einbindung Israels, ausgeführt wurde. (62)
Starker als bislang vermutet kann der Arbeitsbereich Kommerzielle Koordinierung des DDR-Geheimdienstes mit seiner Firma IMES, welche Waffenverkäufe abwickelte, ein Motiv gehabt haben, Palme zu töten oder an seiner Ermordung mitzuwirken. Es ist belegt, dass die IMES unter der Leitung von Alexander Schalck-Golodkowski beim Transport von Artilleriepulver des Munitionskartells von Schweden über Ostdeutschland bis in den Mittleren Osten eine zentrale Rolle spielte. Die mit Schießpulver und möglicherweise auch mit Zündern beladenen Schiffe fuhren vom schwedischen Trelleborg und von Malmé zum ostdeutschen Warnemünde. Diese Transporte liefen über den zweiten Waffentransport-Kanal. Das Depot in Kavelstorf war ein wichtiger Stützpunkt für die Ost-West-Pipeline von Ostdeutschland bis nach Nicaragua. Mehreren Quellen zufolge hatte der Erlös aus diesen IMES-Transaktionen einen großen Anteil an den Deviseneinnahmen der DDR-Regierung. Sie waren für Ostdeutschlands Wirtschaft unverzichtbar. Wir wissen nicht, wie viel Schmitz und sein Munitionskartell an die DDR für die Zwischenlagerung und den Weitertransport des Materials zahlten. Es dürften aber hohe Beträige gewesen sein. Wenn also Palme diesen Hahn zugedreht hat, müssen die Ostdeutschen einen großen finanziellen Verlust zu verzeichnen gehabt haben. Auch hieraus kann ein Motiv für einen Mord erwachsen sein.
Eine junge schwedische Reporterin war diesen Geschäiften auf der Spur: Cats Falck. Sie starb einen mysteriésen Tod in ihrem Wagen. Es gibt gute Gründe, in diesem Falle einen Mord in Betracht zu ziehen, der vertuscht werden sollte. (63)
Interessant ist, dass der damalige südafrikanische Außenminister Pik Botha und einige seiner Beamten den Pan-Am-Flug 103 seltsamerweise in letzter Minute storniert haben. Am 21. Dezember 1988 kamen alle 259 Passagiere und Besatzungsmitglieder dieser Maschine durch einen Bombenanschlag über dem schottischen Lockerbie ums Leben. An Bord war hingegen Palmes Vertrauter Bernt Carlsson, Schwedens Anti-Apartheid-Beauftragter. Waren die Südafrikaner gewarnt worden? Von wem? Und warum? (66)
Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass die Enterprise-Gruppe zusammen mit den Contra-Rebellen in Nicaragua Kokain in die USA schmuggelte, um mit dem Erlös Waffenkäufe zu finanzieren. Auch Tatum machte entsprechende Angaben. Danach habe die Enterprise-Gruppe nicht nur Drogenlabore in Kolumbien aufgebaut, sondern auch die Schmuggelwege in die USA kontrolliert. (68)
Eine große Bedeutung für die Iran-Contra-Affäre hatten Endverbleibszertifikate von Ländern, an die Waffen legal geliefert werden konnten , damit die Transporte rund um die Welt funktionierten. Ohne diese Endverbleibszertifikate war es sehr schwer, die Waffenlieferungen auszuführen, ohne internationales Recht zu verletzen und dafür ins Gefäingnis zu kommen. Schwedens Rüstungsindustrie hatte Zugang zu legalen Empfängerstaaten, und dies wollte sich North zunutze machen. Soweit ich mitbekommen habe, wollte er den Premierminister für diesen Plan gewinnen.« North stand im Auftrag von Bush in direktem Kontakt mit Olaf Palme und dachte, die illegalen Waffenschiebereien von Bofors über Drittländer wie Südkorea und Nigeria in den Iran seien mit der Regierung abgestimmt. Aber der Premierminister hatte damit nichts zu tun und wollte die Vereinten Nationen von diesen illegalen Geschäften in Kenntnis setzen. (70-71)
Francovich war davon überzeugt, dass Stay-behind den Mörder von Palme nach Schweden brachte und ihn direkt nach der Tat wieder herausholte. Danach handelte es sich um einen in den USA lebenden, von der CIA trainierten professionellen Hitman, der für den Schah-Geheimdienst SAVAK gearbeitet hatte. Francovich hatte auch den Namen, die Adresse und ein Bild des Mannes. Seine Arbeit konnte er jedoch nicht beenden. Auf dem Weg zu dem ehemaligen CIA-Offizier, der ihm den Täter genannt hatte, starb er am 18. April 1997 auf dem Flughafen vonHouston/Texas. Angeblich erlitt er eine Herzattacke, als er den Zoll passieren wollte. (82)
Denn Methylprylon kann sich aus Pyrithyldion bilden, da beide die gleiche chemische Grundstruktur haben. Brandenbergers 4+ 1-Theorie erlaubt keinen zwingenden Rückschluss auf Mord, gewinnt aber an Brisanz, weil Pyrithyldion in sogenannten K.o. -Tropfen verwendet wurde. Im Zusammenhang mit Alkohol kann es zur Bewusstlosigkeit führen. Eine Kombination beider Präparate könnte eine sofortige Bewusstlosigkeit herbeigeführt haben - ein böser Verdacht. Er wird verstäirkt durch das Neuroleptikum Perazin. In der Psychiatrie gilt es als >>chemische Zwangsjacke<< und wird bei aufsäissigen Patienten verwendet. Mit Perazin bringt man sich nicht um. Dieses Medikament wird eingesetzt, um jemandem seinen Willen aufzuzwingen. Auch dies nährt die Mordtheorie. (115)
Das National Strategy Information Center (NSIC) setzte einen Teil dieser Maßnahmen um. Diese konservative Denkfabrik, die sich vor allem mit sicherheitspolitischen Strategien befasste, war 1962 gegründet worden und wurde später von Frank Barnett geleitet. Traditionell arbeitete das NSIC mit antisowjetischen Hardlinern zusammen und förderte eine aggressive US-Außenpolitik. Zu seinen Unterstützern und Beratern zäihlte nicht zuletzt der spätere CIA-Direktor William Casey. Ein Ziel des NSIC war es, akademisches Ansehen für die Geheimdienstarbeit aufzubauen. Das Center war an der finanziellen Förderung von mehr als 200 Lehrstühlen und Dozentenstellen an US-Universitäten und Colleges beteiligt, um nachrichtendienstliche Themen zu unterrichten und zu erforschen.
1967 deckte das Ramparts Magazine die Aktivitäiten der CIA an US-Universitäiten auf. So kam ans Licht, dass die CIA die National Student Association finanziell untersützte und dass diverse CIA-gesteuerte Stiftungen versuchten, das Image des Geheimdienstes zu verbessern. (134)
Das Verzeichnis notarieller Urkunden am Amtsgericht Kiel ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Kein Ermittler hat jemals Zugang zu den Unterlagen verlangt. Dies wäire der erste Schritt gewesen, um mehr über Barschels Verstrickung in Waffengeschäifte zu erfahren. Dabei wären die Ermittler möglicherweise auch auf eine andere Spur gestoßen: eine Verbindung nach Libyen. (143)
Nun lichten sich die Nebel offenbar ein wenig, und wir können möglicherweise das ganze Bild überblicken; Werner Kaltefleiter - der Professor mit Kontakten zu BND und CIA; Ulrike Schumacher - die gleichermaßen enge Verbindungen hatte zur konservativen Elite in den USA und zu ihrem Studienkollegen und späteren Chef Uwe Barschel; Hans-Michael Moll der Partner von Barschel, Kontaktmann zur CIA und Waffenhändler. (151)
Des weiteren wäre ihnen vielleicht aufgefallen, dass diese beiden Spuren zu einem viel weiter gespannten Netz von Waffenschiebern führten, das - neben anderen Ländern - die Bundesrepublik Deutschland und die DDR, Schweden, verschiedene arabische Staaten, Iran und Südafrika umfasste und das ein großes Munitionskartell aus Rüstungsschmieden, zahlreichen diskreten Bankkonten in der Schweiz sowie die mysteriöse Nugan Hand Bank in Australien einschloss. (152)
Die ursprüngliche Idee, Waffen gegen Geiseln zu tauschen, wurde also in relativ kleinen Zirkeln geboren, zu denen auch Kashoggi, Ghorbanifar und Hashemi gehorten. Sie strebten dabei natürlich überwiegend nach persönlichen und finanziellen Vorteilen. Wenn nun die Hinweise von Trutz Graf Kerssenbrock sowie Hannelore und Rudolf Asmus belastbar sind, dann stand nicht nur Barschel mit zentralen Vertretern der Iran-Contra-Affäire in Verbindung, sondern waren Hamburg Schleswig-Holstein auch ein wichtiges Spielfeld der Affäre. Das Notariat scheint dabei als eine Art Schnittstelle im Zentrum des Geschehens gestanden zu haben. (168)
Es verhielt sich so, dass wir nicht die Diplomatenspur, sondern die ganz normale Spur nutzten. An dieser Spur stand schon ein Grenzbeamter, der das von mir geführte Fahrzeug durchwinkte. Wir brauchten nicht anzuhalten. Es erfolgte keine Passkontrolle. Nachdem wir die Grenze passiert hatten, teilte Herr Dr. Uwe Barschel mir mit, dass ich Richtung Rostock zu fahren hätte. (182)
Ein Doppelleben, in dem es um heimliche Waffengeschäfte hinter dem Eisernen Vorhang ging - offenbar mit geheimdienstlicher Abdeckung von beiden Seiten. Das aber bedeutet: Barschel muss mit Wissen Billigung der Bundesregierung und des SED-Regimes gehandelt haben. Für die Staatssicherheit gehörte Barschel zu jenen Personen, die unter der MfS-Dienstanweisung Nr. 2/72 fielen und die aufgrund ihrer Bedeutung für die Interessen der DDR weder kontrolliert noch aktenmäßig erfasst werden mussten. (184)
»Deutschland hat eine wichtige Rolle bei diesen Waffenverkäufen an den Iran gespielt. Der erste und wichtigste Organisator war Deutschland. Aber es gab neben Deutschland noch viele andere. (. . .) Ich habe ein Kartell öffentlich gemacht, das Waffen aus Nordeuropa, insbesondere aus Schweden, aus Belgien, Frankreich , Polen, der ehemaligen DDR und der Bundesrepublik Deutschland an den Iran verkaufte. Und Israel war immer der Zwischenhändler. Später waren es auch die Amerikaner, denn ohne ihre Zustimmung wäre das alles nicht möglich gewesen (.. .) Barschel wusste davon, denn ein Großteil dieser Lieferungen wurde über Schleswig-Holstein abgewickelt. Als Ministerpräsident war er darüber informiert. Meine Informationen besagen, dass er aber nicht nur informiert, sondern auch einer der Organisatoren war. Und er drohte damit, an die Öffentlichkeit zu gehen. (188)
Im Juni 1981 schossen die Sowjets eine argentinische Frachtmaschine ab, die Waffen nach Teheran bringen sollte. Im Dezember begannen die Amerikaner mit der Unterstützung der nicaraguanischen Contras. (189)
Es waren Waffen aus Osteuropa, speziell aus der DDR. Diese Ost-West-Pipeline wurde also etwas zeitgleich mit dem Beginn von Barschels heimlichen Reisen in die DDR etabliert. (190)
Die Bezeichnung IMES stand für Internationale Messtechnik Import-Export GmbH und war ein Tarnname. Die Firma war durch eine von Honecker abgesegnete Anweisung von Günter Mittag, dem für Wirtschaftsfragen zuständigen ZK-Sekretär, zum 1. Januar 1982 gegründet worden. Sie hatten ihren Sitz im Internationalen Handelszentrum in der Ostberliner Friedrichstr. 26 und handelte mit Waffen, Munition und militärischem Gerät. (202)
In der Zeit der Wende in der DDR gehörte sein Großcousin Bernd Barschel dem Neuen Forum an und war beteiligt an der Auflösung der Stasi. Im Stasi-Archiv in Gera machte er, wie er einem Freund anvertraute, im März 1990 einen Aktenfund, den ich nie für möglich gehalten hätte. Im September 1990 kam er in größerer Runde noch einmal darauf zurück und sprach davon, sein Wissen öffentlich zu machen. Zwei Wochen später war Bernd Barschel tot. Er verstarb völlig unerwartet am 14. Oktober 1990. Über die Todesursache gibt es bis heute unterschiedliche Angaben. (213)
Und noch etwas anderes spricht sowohl gegen Suizid als auch gegen Sterbehilfe: der Nachweis von Dimethylsulfoxid (DMSO). Die Verwendung eines Lösungsmittels, das Gifte durch die Haut befördert, macht bei einem Freitod keinen Sinn. Für Heinrich Wille ist dies der Beweis für einen Mord. (232)
Die chemischen Befunde indizieren einen Mord, wobei: 1. mit Sicherheit feststeht, dass das todbringende Cyclobarbital nach stark sedierenden Wirkstoffen in den Körper gelangt ist, sehr wahrscheinlich im Zustand der Handlungsunfähigkeit; 2. das starke Hypnotikum Noludar mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kurz vor Todeseintritt rektal verabreicht wurde, was mit der Hypothese eines Selbstmordes mit fremder Hilfe (...) unvereinbar ist.; 3. aufgrund der Komplexität des Mordgeschehens davon ausgegangen werden muss, dass ein Profiteam am Werk war, nicht eine Einzelperson. (240-241)
Dazu passt auch, dass in Barschels Jackett im Beau-Rivage ein Zettel gefunden wurde mit einer Zahlen reihe, die rückwärts gelesen die Rufnummer eines Mitarbeiters der israelischen Botschaft in Bonn ergibt. Sie deckt sich auch mit den Angaben von Ari Ben-menashe, dass die Israelis seit September 1979 den Iran im Krieg gegen den Irak trotz des Handels- und Waffenembargos der USA mit Waffen und Ersatzteilen versorgten (....).
(243)
Auch das Schicksal von Schalck-Golodkowski wirkte Wunder: Der ruhige Lebensabend des ehemaligen KoKO-Chefs am Tegernsee machte jedem MFS-Offizier klar: Wer sich vom BND abschöpfen lässt und dann für immer den Mund hält, dem wird nichts geschehen. Die Wirkung dieses Beispiels wird ergänzt durch eine dunkle Ahnung: Denn bemerkenswert ist die unerklärliche Häufung mysteriöser Todesfälle immer da, wo Informationen auf den Kern des möglichen Tatgeschehens verweisen. (255)
Seit Oktober 1991 ermittelte der Genfer Privatdetektiv Jean-Jacques Griessen im Auftrag von Eike Barschel im Todesfall dessen Bruders. (255)
Am 9. November 1992 starb Griessen gegen 22:35 im Zimmer der Prostituierten Saida Keller in der Hohlstraße 7 nahe dem Zürcher Hauptbahnhof. Die offizielle Todesursache ist Herzversagen. (259)
Im Kern geht die CIA-Spur zurück auf die Angaben des südafrikanischen Geheimagenten und Waffenhändlers Dirk Stoffberg. (264)
Dirk Stoffberg konnte seine eidesstattliche Erklärung nicht mehr unterzeichnen. Am 20. Juni 1994 kam er zusammen mit seiner deutschen Lebensgefährtin Susanne Tanzer unter bislang nicht ganz geklärten Umständen ums Leben. Angeblich handelte es sich um einen Doppelselbstmord. (266)
Die eigentlich verantwortlichen Geheimdienste halten die Ausführung der Tat auf Abstand und lagern sie an Subunternehmer aus. (271)
William Colby
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Die Nachbarn zweifelten an einer Spazierfahrt mit dem Kanu, denn zu dem Zeitpunkt, an dem er sein Abendessen zubereitet und halb aufgegessen haben konnte, war bereits die Dunkelheit hereingebrochen. (277)
Seine Leiche wurde neun Tage später etwas 40 Meter von der Stelle entfernt gefunden, an der Kevin Akers das Kanu entdeckt hatte. Dieser Bereich war zuvor mehrere Male von Tauchern abgesucht worden.
Die örtliche Polizei führte eine lediglich oberflächige Untersuchung durch und vergaß anscheinend, in Colbys Haus nach Fingerabdrücken zu suchen. (...) Sowohl das FBI als auch die CIA lehnten es ab, an den Ermittlungen teilzunehmen. (278)
Zweitens blieb ein Schlepptau am Kanu zurück - ein fast lächerlicher Schnitzer. (...) Die Tatsache, dass der überraschend frische und nicht aufgedunsene Leichnam an eine Stelle zurückgebracht wurde, wo er aufgrund der Lage des gestrandeten Kanus von alleine nicht hätte hintreiben können, ist ein weiterer wichtiger Beweis für ein Verbrechen. (279)
Zu den interessantesten Geheimprojekten zählten der Aufbau der NATO-Geheimarmee Stay-behind, die von der CIA geschaffen worden war, um im Falle einer sowjetischen Besetzung einen Guerillakrieg hinter den feindlichen Linien zu führen und bei außergewöhnlichen politischen Notlagen auch im Inneren einzugreifen. (280)
1975 drängte der damalige US-Außenminister Henry Kissinger Präsident Gerald Ford, Colby zu entlassen und ihn durch George H. W. Bush zu ersetzen. Bei diesem sogenannten Halloween Massacre wurde auch Verteidigungsminister Schlesinger durch Donald Rumsfeld ersetzt. Colby sollte mit dem Amt des US-Repräsentanten bei der NATO abgefunden werden. Er lehnte ab und verließ die CIA. (282)
In Washington gibt es schon seit langer Zeit eine tiefe Spaltung zwischen pro- und anti-israelischen Haltungen, (...). (284)
Man weiß heute, dass es damals eine Halbwelt oder Grauzone gab, in der sich CIA- und Mafia-Aktivitäten überlappten. CIA-Agenten hatten enger Kontakte zur Mafia, und Mafiosi arbeiteten verdeckt für die CIA. All dies kumulierte in gemeinsamen CIA- und Mafia-Verschwörungen, die einen Mord an Fidel Castro zum Ziel hatten. Ein Beispiel dafür ist die Operation Mongosse, die im November 1963 begann und bei der es um eine Reihe von Sabotageaktionen in Kuba ging. Viele beteiligte Personen waren in das Schweinebucht-Fiasko verwickelt, später in die Watergate- und dann in die Iran-Contra-Affäre. Viele wurden selbst ermordete, begingen auf mysteriöse Weise Selbstmord oder starben unter ungeklärten Umständen, ähnlich wie beim Mordfall Palme oder beim Tod von Uwe Barschel. (289)
Der erstklassige Staatsanwalt Gary Caradori wurde vom Parlament in Nebraska gebeten, diese Behauptungen zu überprüfen. Kurz danach kam er mit seinem jungen Sohn bei einem mysteriösen Flugzeugunglück ums Leben, bei dem die Maschine in der Luft explodierte. Es heißt, Caradori sollte Fotos dieses pädophilen Netzwerkes bei sich getragen haben. (292)
Von Australien ausgehend weitete sich die Nugan Hand zu einem globalen Netzwerk mit Büros auf den Kaiman-Inseln, (...) und in Washington aus. Sie scheint die Nachfolge der Castele Bank and Trust auf den Bahamas übernommen zu haben, die angeblich in Steuerhinterziehungen verwickelt war und vor allem von der CIA dazu benutzt wurde, Geld für verdeckte Operationen weiterzuleiten. (...)
Zu den Aktivitäten der Nugan Hand Bank zählten vor allem Drogen- und Waffen handel, Steuervermeidungsstrategien, die Finanzierung von verdeckten CIA-Aktivitäten, Warentermin-Spekulationen, Geldwäsche vor allem von Trofiten aus dem Drogenschmuggel in Südostasien und aus der Veruntreuung von Kapitalanlagen vor allem von dort stationierten amerikanischen Militärpersonal. Michael Hand hatte Freunden erklärt, es sei sein ZHiel, aus der Nugan Hand die Bank der CIA zu machen. (...)
William Colby, Chefjustiziar der Nugan Hand, muss als Leiter der Rechtsabteilung über die meisten, wen nicht alle ihre kriminellen Aktivitäten gut Bescheid gewusst haben. (293)
Colby hatte Verbindungen nach Schweden, Osteuropa und Deutschland. In den 1950er Jahren baute er als Leiter des Stockholmer CIA-Büros die ersten Netze der NATO-Geheimarmee Stay-behind in Schweden auf. Dies führte er dann mit dem Aufbau der Gladio-Organisation in Italien weiter, die später nachweislich mit dem berüchtigten Licio Gelli und seiner rechtsstehende Ps-Geheimloge in Verbindung stand. (296)
Wenn das stimmt, dann war Colbys Ruhestand eher eine Art Tarnung für verdeckte Aktivitäten. Dann hat er als Justiziar der Nugan Hand Bank nicht nur nach kaufmännischen Regeln gehandelt, sonder genau gewusst, dass diese Bank eine Tarnfirma der CIA ist. (297)
Ausblick
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In allen drei Fällen haben Regierung und Geheimdienste die Ermittlungen massiv beeinflusst. Palme, Barschel, Colby - nach jedem einzelnen Anschlag gab es regierungsamtliche Vertuschungsaktionen. Zahlreiche Belege machen plausibel, dass die Ausführung der Morde an Subunternehmer ausgelagert wurde. (...)
Das logistische Zentrum bildeten die Führungsgremien der NATO-Armee Stay-behind. (299)
Wir haben gezeigt, dass Uwe Barschel als Verbindungsmann der CIA sehr hoch angebunden war. Hätte er ausgepackt, wäre auf dem Höhepunkt der Iran-Contra-Untersuchungen in Washington das ganze Ausmaß der Waffenlieferungen an den Iran und an Südafrika öffentlich geworden. William Colby war ein Bedrohung, weil er - neben anderen dirty tricks der CIA - die Auftraggeber und die Befehlskette bei beiden Morden kannte. (...)
Niemad sonst steht so sehr wie der spätere CIA-Direktor William Colby für den Aufbau der NATO-Geheimarmee Stay-behind. (301)
Aus dem CIA-Folterreport von 2014 geht hervor, das die Agency ab 2008 die Führung von 85 Prozent aller Verhöre privaten Vertragspartnern überlassen hat. (304)
Der Murder-Trail umfasst nichtn ur dieses drei Männer. Ihre Leichen sind Teil einer Blutspur, die insgesamt Tausende Menschen und im engeren Umfeld diese Fälle eine halbe Hundertschaft umfasst. Es handelt sich um eine Vielzahl mysteriöser Todesfälle, bei denen beben der SICA vermutlich auch andere Geheimdienste die Finger im Spiel hatten: Der Filmemacher Allan Fancovich sitribte bei seiner Befragung durch US-Behörden am Flughafen von Houston/Texas. Der Genfer Privatdetektiv Jean-Jacques Griessen stirbt angeblich durch einen Herzinfarkt im Bordell. Die Stockholmer Journalistin Cats Falck wird nach Recherchen zum schwedischen Waffenschmuggel über die DDR in ihrem Watern auf dem Grund des Hammarby-Kanals gefunden - vermutlich eine Stasi-Aktion. Der für Rüstungsexporte zuständige Admiral Carl-Fredrik Algernon stürzt im Stockholmer Hauptbahnhof vor einen Zug; Zeugen, die Tatverdächtige gesehen haben, ziehen ihre Aussagen zurück. (..) Die Reihe ließe sich fortsetzen. Mindestens fünfzig mysteriöse Todesfälle stehen in Verbindung mit dem Iran-Contra-Waffenhandel. Auch beim Mord an Willam Colby darf man vermuten, dass es darum ging, einen MItwisser und Kenner der Befehlskette zu beseitigen. (306)