Jörg Baberowski: Räume der Gewalt

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Frankfurt am Main 2024 (S.Fischer Verlag GmbH)

"Der Raum der Gewalt ist ein anderer Ort als der Raum des Friedens. Wer ihn betritt, durchschreitet ein fremdes Land, in dem er zu einem Anderen wird." (11)

"Wie die Liebe, so versetzt uns auch die Gewalt in ungläubiges Staunen" (12)

"Zur Grausamkeit ohne Grund war also nur imstande, wer an seelischer Abartigkeit litt. Anders konnte man die Botschaft nicht verstehen, die in der Nachkriegsöffentlichkeit über den Lagerkommandanten verbreitet wurde.
Was immer die Gewalt auch sein mag, stets wird sie als Abweichung, als Irrweg oder Krankheit vorgestellt, die eines Tages geheilt sein wird. (...) Denn wer von Gründen und Ursachen spricht, wird über die Dynamik und Eigenlogik von Gewaltverhältnissen wenig erfahren. "(25)

"Gewaltoptionen setzen sich gegen andere Handlungsalternativen erst durch, wenn Menschen in Situationen sind, die es ihnen erlauben, Grenzen zu überschreiten. (...) Der Täter wird unsichtbar, er wird Teil einer Masse und tötet, weil es auch die anderen tun. Gemeinsames Töten verbindet und enthemmt." (31)

"Das staatliche Gewaltmonopol ist eine Vorkehrung, die uns voreinander schützt, es bewahrt uns davor, Opfer privater Gewalt zu werden. Aber es schützt uns nicht vor der Gewalt derer, die die Waffen kontrollieren. Denn wer garantiert uns, dass die Machtmittel des Staates nur zur Erhaltung des Friedens, nicht aber zur Verbreitung von Terror verwendet werden? Wer Gewalt eindämmen will, muss selbst imstande sein, Gewalt auszuüben. "(78)

"Doch sobald sich staatliche Instanzen daran machen, die Homogenität der Kultur aktiv durchzusetzen und die Trugbilder des sozialen Gemeinschaft zu Leitlinien der Politik erklären, ist der Damm zur systematischen Verfolgung durchbrochen." [nach Sofsky: Moderne und Barbarei] (93)

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