Emile Zola: Die Bestie im Menschen

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Das 1890 erschienene Buch von Emila Zola hat mich sofort in seinem Bann gezogen. Vom ersten Kapitel an war ich wie "gefesselt". Jetzt kann man natürlich sagen: Liebe, Eifersucht, Mord etc. das kennt man doch zur Genüge! Mag sein, aber wenn die "ewigen" Themen mit so einer Sprachgewalt bearbeitet werden, dann kann man ruhig staunen! Erstaunlich auch, dass Zola gut 20 Jahre vor Freud mit sehr psychologischen Deutungen der Handlungsweise seiner Protagonisten aufwartet.

Ich habe das Buch als eBook gelesen. Der Vorteil: 0 €! Der Nachteil: sehr viele Rechtschreibfehler bzw. evtl. von einer alten Übersetzung herrührende merkwürdige Schreibung mancher Worte. Leider sagt das eBook nirgends, wer der Übersetzer war, bzw. aus welchem Jahr die Übersetzung ist. Wahrscheinlich kann man für 0 € das auch nicht erwarten. Trotzdem schade!

Ich habe mir in dem Buch insgesamt 46 Stellen markiert. Das ist sehr viel für meine Verhältnisse! Hier eine kleine Auswahl (die Stellen beziehen sich auf die "Positionsmarkierungen" im eBook):

  •  "Gibt es doch viele Dinge, die man nicht tun möchte und doch tut, weil es noch das Vernünftigste ist."(420)
  • "Phasie's Augen blieben am Fenster haften. Ihre wirren Empfindungen zu erklären, dazu hätte es einer längeren Zeit bedurft, sie faßte  daher ihre Gedanken kurz so zusammen:
    >>Solche Eisenbahn ist eine schöne Erfindung, darüber ist weiter kein Wort zu verlieren. Man reist schnell, man ist weiser geworden ... Aber wilde Tiere bleiben wilde Tiere und wenn man selbst noch bessere Maschinen erfinden würde, wilde Tiere würde es immer geben.<< (751)
  • "Er war dann nicht mehr Herr über sich, sondern gehorchte nur seinen Muskeln wie eine wütende Bestie. Dabei trank er nicht, er versagte sich selbst das kleinste Glas Branntwein, denn er hatte bemerkt, daß der die Schuld der Anderen bezahlen müßte, der Väter, der Großväter, die Trinker gewesen waren, der Generationen von Trunkenbolden, die sein Blut verdorben hatten. Was er fühlte, war ein schrittweise Vergiftung, eine Wildheit, die ihn mit dem im Dickicht lauernden Wolf, der auch Frauen frißt,  auf eine Stufe stellte." (961)
  • "Jedesmal, wenn ihn dies blinde Wut befiel, schien es ihm ein brennender Durst nach Rache für verjährte längst vergessene Beleidigungen zu sein." (976)
  • "Das war es also! Wenn er tötete, würde ihm dasselbe, was da vor ihm lag, bleiben. Sein Herz schlug zum Springen, sein lüsterne Mordlust machte ihn angesichts dieses tragischen Todes rasend. Ein Schritt brachte ihn näher an die Leiche heran; er glich jetzt einem nervösem Kinde, das sich die Furcht  abgewöhnen will. - Ja, er würde es wagen, auch er würde es wagen!"  (1097)
  • "Ihr Herz, ihr Körper fühlten ein ausschließliches Bedürfnis nach Liebe, aber die schändliche, an ihr begangene Gewalttätigkeit sowohl wie späteren Ereignisse hatten sie zur Entsagung gezwungen." (3131)
  • "Mit aufeinander gepreßten Zähnen riß sie Jacques jetzt an sich auch Séverine ga sich ihm willenlos hin. In einander wie unauflöslich verschlungen, suchten sie im Reiche des Todes die Liebe mit derselben schmerzlichen Sinneslust wie die Tiere, die sich während der Brunst die Eingeweide zerreißen." (4146)
  • "Seit er das Zimmer mit dem Messer in der Hand verlassen hatte, war er nicht mehr die handelnde Person, sondern jener Andere, den er so oft in seinem Innern sich bewegen gefühlt hatte, jenen von fernher gekommenen Unbekannten, der den erblichen Durst nach Mord löschen wollte." (4225)
  • "Wenn man innerhalb eine Ehe, ohne die übrige Welt in den Streit zu ziehen, darum spielt,  wer den Anderen einsargen wird, muß man die Augen offen halten." (4923)
  • "Im Vollgefühl ihrer mechanischen Kraft jagten sie unerbittlich gleichgültig und ohne Kenntnis dieses Trauerspiels und dieser Verbrechen dahin.. Was kümmerten sie diese fremden Leute, die unterwegs zu Schaden kommen und von den Rädern zermalmt werden! Man hatte die Toten weggetragen, das Blut abgewaschen und fuhr wieder der dunklen Zukunft entgegen!" (5468)

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