Berlin 2007 und 2017 (orange-presss)
In der Praxis ist es jedoch kaum möglich, sich mit jedem komplexenökonomischen, politischen und ethischen Zusammenhang auseinanderzusetzen (...) Weil dem so ist, haben wir uns freiwillig darauf geeinigt, dass unsichtbare Gremien sämtliche Daten filtern, uns nur noch die wesentlichen Themen präsentieren und damit die Wahlmöglichkeiten auf ein verdauliches Maß reduzieren. (...)
Um ein derartiges Chaos zu vermeiden, besteht eine stelle gesellschaftliche Übereinkunft darüber, dass unser Blick durch den Einsatz von Propaganda lediglich auf eine reduzierte Auswahl an Gedanken und Gegenständen fällt. (20)
(...) Organisation und Fokussierung der öffentlichen Meinung für ein geregeltes Zusammenleben unerlässlich ist. (21)
Dieses Buch erläutert die Strukturen und Mechanismen, mit denen das öffentliche Bewusstsein gesteuert wird. Es zeigt, wie Akteure. die das Wohlwollen der Öffentlichkeit für eine Idee oder ein Produkt gewinnen wollen, dieses Bewusstsein manipulieren. (26)
Wann immer etwas von allgemeiner Bedeutung unternommen werden soll, (...), dient Propaganda den unsichtbaren Herrschern als Mittel zur Durchsetzung. (...)
Die Alphabetisierung sollten den gemeinen Bürger dazu befähigen, seine Angelegenheiten selbst zu regeln. (...) Aber statt den Geist zu beflügeln, hat in die Alphabetisierung dem Einfluss von Prägungen ausgesetzt: Druckerzeugnisse voller Werbeslogangs (...). Zum eigenständigen Denken kommt es dabei eher selten. (27)
Propaganda wird nur dann unmoralisch, wenn ihre Urheber bewusst oder gezielt Informationen verbreiten, die sie selbst als Lügen erkennen, oder wenn sie bewusst auf Wirkungen abzielen, die für die Öffentlichkeit nachteilig sind. (29)
So wie unsere Gesellschaft heute organisiert ist, kann kein größeres Vorhaben ohne öffentliche Zustimmung gelingen. (...) Propaganda existiert überall um uns herum, und sie ändert das Bild, das wir uns von der Welt machen. (32)
Die Nachfolger der Herrschenden von einst können nicht mehr tun, was sie wollen, sondern sind auf die Zustimmung der freien Bürger angewiesen. (33)
In den aktiv meinungsbildenden Eliten, deren Eigeninteresse mit dem öffentlichen Interesse zusammenfällt, liegen der Fortschritt und die Entwicklung Amerikas. (35-36)
Der Propagandist, der sich auf das Übersetzen der Ideen von Unternehmen für die Öffentlichkeit spezialisiert hat und die Öffentlichkeit zur Weiterverbreitung von neuen Unternehmen und Ideen anregt, wird heute als Public Relations-Berater bezeichnet. (...)
Wirtschaftsbranchen, öffentliche Versorgungsunternehmen, pädagogische Strömungen, ja, alle Gruppen, die für ein Konzept oder ein Produkt stehen, ob als Mehrheit oder MInderheit, können nur Erfolg haben, wenn sie den Segen der Öffentlichkeit bekommen. (41)
Jedoch wird der PR-Berater einen Kunden abweisen, den er für unehrlich hält, der ein betrügerisches Produkt verkaufen oder ein Anliegen vertreten lassen möchte, das den Interessen der Gesellschaft zuwiderläuft. (...) Bei diesem Beruf geht es nicht darum, die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen. (46)
Der Propagandist muss die wahren Motive erkennen und darf sich nicht damit zufriedengeben, was die Menschen selbst als Beweggründe angeben. (...) Die Maschine Gesellschaft hat als Motor die Wünsche und Sehnsüchte der Menschen. (53)
Massenproduktion ist nur dann profitabel, wenn sie dauerhaft stattfinden kann - das heißt, wenn die abgesetzte Gütermenge zumindest konstant gehalten oder besser kontiniuierlich gesteigert werden kann. Daraus folgt: Während in der durch kleine Produktionseinheiten und Handarbeit geprägten Ökonomie, die für das letzte Jahrhundert typisch war, die Nachfrage das Angebot schuf, muss für das Angebot heute aktiv die nötige Nachfrage geschaffen werden. (61)
Eine gute PR-Strategie versucht niemals, die Öffentlichkeit mit falschen Behauptungen und übertriebenen Versprechungen zu überlisten, sondern sie wird das Unternehmen über alle zur Verfügung stehenden Kommunikationskanäle lebendig und wahrheitsgetreu darstellen. (66)
Ich spreche hier ausdrücklich nicht davon, durch unehrliche Propaganda oder Börsenmanipulationen einer Aktie künstlich einen unrealistischen Wert zuzuschreiben. Ich spreche vom echten ökonomischen Mehrwert, der entsteht, wenn Akzeptanz für ein Industrieunternehmen erzeugt wird und die Öffentlichkeit zum echten Partner gemacht wird. (72-73)
Die Volksmeinung setzt sich zusammen aus überlieferten Vorurteilen, Symbolen und Klischees und den griffigen Sprüchen, die die Anführer dafür gefunden haben.
Ein seriöser und talentierter Politiker ist dank des Instrumentariums der Propaganda glücklicherweise in der Lage, den Volkswillen zu formen und zu kanalisieren. (83)
Wahlkampfversprechungen sollten von der Öffentlichkeit ernst genommen werden und darum Merkmale des Garantie-Prinzips tragen, wie sei ein anständiges Unternehmen bei Verkauf seiner Produkte einhält, bei Nichtzufriedenheit Geld zurück. (86)
Es wäre gut für den Ruf der gesamten politischen Kaste Amerikas, wenn man die schwarzen Kassen eliminieren würde. (88)
In einem vernünftigen Kampagnenplan sollte deshalb nicht die Persönlichkeit an sich, sondern die Befähigung des Kandidaten zur adäquaten Umsetzung des Wahlprogramms seiner Partei im Vordergrund stehen. (90)
Jede einzelne Methode der Ansprache ist nur eine von vielen, und in einer Zeit, in der Tausende von Bewegungen und Ideen um die Aufmerksamkeit der Bürger buhlen, sollte man auf keine Fall nur auf ein einziges Pferd setzen. (91)
Gute Regierungsarbeit kann der Öffentlichkeit genauso gut verkauft werden wie jedes andere Produkt auch. (92)
Die einzige Propaganda, die durch eine klügere Welt schwächer werden wir, ist Propaganda, die unwahr ist oder dem öffentlichen Interesse zuwiderläuft. (95)
Die Lücke zwischen den Intellektuellen und der Masse wird in der komplexen, modernen Gesellschaft mithilfe von Propaganda überbrückt. (98)
Unsere Demokratie muss von einer intelligenten Minderheit geführt werden, die weiß, wie man die Massen leitet und lenkt. (99)
Dass sich der Präsident einer Universität damit auseinandersetzt, wie sich seine Einrichtungen der Öffentlichkeit darstellt, könnte für viele eine neuartige Idee sein. Und doch ist genau das Teil seiner Aufgabe: Er hat dafür zu sorgen, dass die Universität in der Gesellschaft (...) die ihr zustehende Rolle einnimmt - und in finanzieller wie wissenschaftlicher Hinsicht die gew?nschten Ergebnisse erzielt. (114)
Im ethischen Sinne verhält sich Propaganda zu Bildung und Erziehung genauso wie zu Wirtschaft und Politik: Sie kann missbraucht werden. (115)
Zur Platzierung ihrer Botschaften setzten Propagandaspezialisten alle Medien ein, die die Menschen täglich zum Gedankenaustausch gebrauchen. Kein Mittel der menschlichen Kommunikation könnte nicht auch als Instrument gezielter Propaganda verwendet werden, denn es geht dabei um Verständigung zwischen einem Individuum und einer Gruppe. (127)
Was ins Blatt kommt und was nicht, entscheiden die Redakteure der Times vollkommen unabhängig, sie akzeptieren keine Zensur und werden von keinem äußeren Druck, von keinerlei Interessen oder Opportunismen beeinflusst. (128)
Die Quelle der Nachrichten, die der Redaktion angeboten werden, sollte allerdings immer klar benannt werden, und die Fakten sollten eindeutig zuzuordnen sein. (129)
Der amerikanische Film ist das größte unterschwellige Propagandamedium unserer Zeit. Er eignet sich hervorragend zur Verbreitung von Meinungen und Ideen. (131)
Propaganda wird niemals sterben. Kluge Menschen müssen sich darüber klar werden, dass Propaganda das moderne Instrument ist, mit dem sie für konstruktive Ziele kämpfen können, und das ihnen hilf, Ordnung ins Chaos zu bringen. (133)
Nachwort
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Bernays ließ sich inspirieren von den Schriften Walter Lippmanns, dessen Klassiker Public Opinion bereits 1922 erschienen war. (143)
Bernays erfand das Respekt einflößende Expertenkomitee, um die Waren seiner Klienten ins Gespräch zu bringen. (149)
1953 half Bernays dabei, das Gerücht zu streuen, Guatemala werde kommunistisch unterwandert - ein dankbare Legende, an die er wohl selbst glaubte, so schreibt er in seinen Memoiren. Bernays wurde von der United Fruit Company angeheuert, auf deren Geheiß hin die Regierung Eisenhower die CIA eisetzte, um die demokratische gewählte Regierung von Jacob Arbenz zu stürzen. (152)