Free21 Nr. 5, 5. Jg, Oktober 2018, S. 26-30
Das verheerendste am gefürchteten Klimawandel ist, meiner Meinung nach, der Umgang mit dem Begriff Klimawandel an sich. Er wird als Webstuhl für eine Storyline benutzt, die der Verhinderung, Verfälschung und Ablenkung von dem, was wirklich nach Handlungsbedarf drängt, dient. (...)
Doch eines wurde durch das öffentliche Durchpressen dieser wackeligen Konstruktion leider schon erreicht: nämlich dass der Blick von den gewaltigen, bereits bestehenden Zerstörungen unserer Umwelt, die dringend unserer Aufmerksamkeit bedürfen, fort gelenkt wird. (...)
Wie entsteht die deutliche Ablehnung breiter Massen, sich gedanklich auch nur bis in die Nähe einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema zu begeben? (...)
Geläufige Begriffspaare mit Leugner am Ende finden sich in unserer Sprache nicht viele. Doch gibt es sehr wohl in prominentes und ausdrucksstarkes, für die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte prägendes Begriffspaar: Holocaust-Leugner. (26)
Der Leugner-Begriff macht es möglich, einen Denk-Bann auf fast jedes beliebige Thema zu legen. (...)
Das Bewusstsein für den proklamierten kritischen Anstieg des CO"-Werts hat uns unter anderem die Energiesparlampe, die Begrenzung der Wattzahl für etliche Elektrogeräte, das Wissen um unseren ökologischen Fußabdruck und einen großen Boom bei den erneuerbaren Energien beschert. (27)
Wird den Pflanzen zusätzlich Kohlenstoffdioxid zur Verfügung gestellt, können die Pflanzen besser beziehungsweise schneller wachsen. (...)
Die öffentliche Darstellung, die weitgehend vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), dem Weltklimarat, ausgegeben wird, ist und bleibt einseitig und es wird deutlich, dass kein Interesse an einer breitgefächerten Betrachtung und Diskussion des Themas besteht. (28)
Wer aber berichtet ebenso häufig von den großen Konzernen wie Nestlé, die trotz Dürrekatastrophe in Äthiopien 50.000 Liter Wasser pro Sekunde aus dem Boden pumpen, während 42 Millionen Äthiopier keinen Zugang zu sicherem Wasser haben. (...)
Die Story vom Klimawandel ist eine sehr praktische Erklärung für die Folgen der Ausbeutung von Land und Menschen, da sich hierfür nicht ein Individuum, ein Konzern öffentlich rechtfertigen muss, sondern die Gemeinschaft wird, mit dem Vorwurf ihrer eigenen Gier konfrontiert, als Ganzes verantwortlich gemacht.
Jeder muss sich an seinem ökologischen Fußabdruck messen lassen. Die Gewinne aus der Ausbeutung streichen die Konzerne schamlos ein, doch die moralische Verantwortung wird kollektiviert und an die Konsumenten abgetreten. (...)
Ist Ihnen einmal aufgefallen, wann und wie oft Sie in den letzten Jahren die Begriffe Umweltverschmutzung, Umweltbelastung oder Umweltzerstörung gehört haben? Die Häufigkeit ihrer Nennung hat zugunsten eines anderen Begriffs deutlich abgenommen: Es ist der Klimawandel.
Unter diesem Sachbegriff aus der Klimatologie wird zur Zeit in der Öffentlichkeit ein Katastrophenszenario konstruiert, das zur Folge hat, dass das bereits bestehende Ausmaß der Zerstörung, der Verschmutzung und der gravierenden Belastung weiter Teile unserer Umwelt, in den Hintergrund und aus dem aktuellen Blickfeld rückt. (...)
Akut werden wir nicht von einem erderwärmenden Treibhausgas bedroht, sondern von unseren Altlasten, unseren Umweltsünden - den bereits begangenen und denen, die immer noch, jenseits unseres abgelenkten Blickes, über den ganzen Globus ausgegossen werden. (29)
Bei der Storyline des Klimaschutzes gewinnen die Konzern, die uns mit ihren nunmehr klimafreundlichen oder gar klimaneutralen Produkten erfreuen und uns darin unterstützen, richtig zu konsumieren. Das heißt aber nichts anderes, als dass Konsumströme einfach gewinnbringend auf neue Felder umgelenkt werden.
Die Steigerungslogik wird nicht unterbrochen. Beim konsequenten Umweltschutz jedoch könnten eben diese Konzerne ohne ein Umdenken zu großen Verlierern werden, da hier Konsumreduktion und Konsumverzicht unabdingbar sind. (...)
Wie auch immer das tatsächliche Risiko im Rückblick einmal bewertet sein wird, zur Zeit ist die Stroyline vom Klimawandel sicher nicht die heiße Spur zur Bewahrung und Heilung unserer Erde. Sie ist nur mehr Sand in die Augen einer Gesellschaft gestreut, (30)