Ossietzky 3, 30 Januar 2016, S. 93-96
"Im vergangenen Jahr hat ein aus der Ukraine stammender uns seit und 20 Jahren in Nordamerika lebender Wissenschaftler eine aktualisierte Fassung seiner in akribischer Forschertätigkeit gewonnen Untersuchungsergebnisse vorgelegt. Ivan Katchanovski (...) Für seine 79 Seiten umfassende Studie (...) hat er zahlreiche öffentlich zugängliche Quelle ausgewertet: etwas anderthalbtausend Video-Aufnahmen aus Fernsehen und Internet, Berichte von etwa hundert Journalisten, (...), hunderte Fotos, 30 Gigabyte Funkverkehr zwischen den Einsatzkräften und Kommandeuren, Zeugenaussagen, Erklärungen von Beamten und Milizionären, (....) (nachzulesen: https://www.academia.edu/8776021/The_Snipers_Massacre_on_the_Maidan_in_Ukraine).
Aufgrund der Schussverletzungen und -spuren kommt Katchanovski zu dem Schluss, dass die Mehrheit der tödlichen Schüsse auf etwa zwanzig Gebäuden kam, die entweder vom Maidan, also den Protestlern - vom Rechten Sektor bis zum naiven Mitläufer -, besetzt waren oder von ihnen kontrolliert wurden. (95)
"Katchanowski konstatiert, dass die meisten Opfer jenes Tages im Kreuzfeuer starben: Sie wurden gleichzeitig von hinten, links und rechts getroffen - nicht aber von vorn, wo die Berkut-Barrikade stand. (...) Nach Sichtung der Quellen ist Katchanovski der Überzeugung, dass die bewaffnete Aktion sich nicht gegen die staatlichen Sicherheitskräfte gerichtet habe, und diese hätten auch nicht angegriffen. Es war keine Angriffs- oder Verteidigungshandlung weder von der einen noch von der anderen Seite, sondern eine inszenierte Mordorgie. Während des Besuches von Steinmeier, Fabius und Sikorski fand vor den Augen der Weltöffentlichkeit ein Massenmord statt, der ausschließlich dem Janukowitsch-Regime angelastet werden sollte. (...)
Katchanovskis Studie ist die einzige bislang verliegende Untersuchung des Maidan-Massakers vor nunmehr bald zwei Jahren." (96)