(Storl 2007: S. 136 ff)
Was Weg in den alten agrarischen Gesellschaften bedeutete, ist in unserem entgötterten Zeitalter der Autobahnen und Schnellverkehrsmittel weitgehend in Vergessenheit geraten. (...) Wege, wie auch die Wagen, die darauf fahren, sind die Erfindung der sesshaft gewordenen Bauern der neolithischen Zeit. (...) Die ersten Wege dienten kultisch-sakralen Zwecken (...).
Nur der blutstillende Wegerich, das Kraut der Göttin, der es gegönnt ist, das Totenreich zu betreten und wieder zu verlassen, vermag vor dem unzeitgemäßen Tod zu retten. (...)
Deshalb hielten die germanischen Frauen bei der Geburt eine Wegerichwurzel fest in der linken (herznahen) Hand. (146-147)
(...) müssten wir ein ganzes Buch schreiben, um diesem blutreinigenden, blutstillenden, schleimlösenden, fieberstillenden, krampflösenden, magenstärkenden und wundheilenden Allesheiler gerecht zu werden. (151)
Sammelhinweis: Blätter von März bis August sammeln; schnell bei 50 - 60 Grad trocknen, um die Zersetzung des antibakteriell wirkenden Aucubins zu verhindern.
Anwendung Teeaufguss: 1 Esslöffel pro Tasse, 3 Tassen täglich. Wirkt beruhigend und auswurflösend bei Bronchialkatarrh, Husten und anderen Lungenkrankheiten. Hilft ebenfalls dann seiner adstringierenden Wirkung bei Durchfall und Blasenentzündung.
Frischer Saft: Innerlich 2-3 Esslöffel als Blutreinigungskur. Äußerlich: frischer Saft oder frisch zerstampfte Blätter bei Wunden, Verbrennungen, Geschwüren, Hautflechten, Insektenstichen, Krampfadern und Hämorrhoiden.
Besonders die jungen Blätter eigenen sich wRuunderbar für Salate - ihr Geschmack erinnert an Steinpilze.
Russischer Spitzwegerichsalat
120g junge Wegerichblätter, 50 g Brennnesselblätter, 80g Zwiebeln, 50 g geriebener Meerrettich, Salz, Essig, 1 Ei, Sauerrahm
Wegerich und Brennesseln kurz in kochendes Wasser tauchen, abtropfen lassen, klein schneiden; gehackte Zwiebel, Meeerettich, Salz und Essig nach Geschmack hinzufügen. Mit Eisscheiben garnieren und mit Sauerrahm übergießen.
Wegerichbrot, Wegerichmus
Reife Wegerichsamen sammeln, trocknen, leicht rösten und würfeln.
Ein Hand voll dieser äußerst nahrhaften Samen mahlen und im Frühstücksbrei mitkochen, mit ins Brot backen.
Wie die Hirse, eines der ältesten Getreide, war auch der Wegerichsamen zugleich eines Speise, die man den Toten als Opfer brachte.