Thomas Piketty: Das Kapital im 21. Jahrhundert

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C.H. Beck, München 2014, 7. Auflage 2015

Die Geschichte der Vermögensverteilung ist immer auch eine durch und durch politische Geschichte und lässt sich nicht auf rein ökonomische Mechanismen reduzieren. Insbesondere ist die in den entwickelten Ländern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (1900-1960) zu beobachtende Verringerung der Ungleichheit vor allem das Ergebnis der Kriege und der politischen Strategien, die nach diesen Schocks verfolgt wurden. (39)

Wenn die Kapitalrendite deutlich über der Wachstumsrate liegt - und wir werden sehen, dass das in der Geschichte, zumindest bis zum 19. Jahrhundert, fast immer der Falls war und dass es im 21. Jahrhundert höchstwahrscheinlich wieder zur Regel wird -, dann bedeutet das automatisch, dass sich die ererbten Vermögen schneller vergrößern als Produktion und Einkommen. (46)

Begriff des Nationaleinkommens

Im Nationaleinkommen eines Landes werden sämtliche Einkommen der Inländer für den Zeitraum eines Jahres erfasst, ungeachtet der Rechtsform dieser Einkommen. (...)
Das BIP misst die gesamten Güter und Dienstleistungen, die in einem Jahr auf dem Territorium  eines Landes produziert werden. Zur Berechnung des Nationaleinkommens muss man zunächst vom Bruttoinlandsprodukt die Entwertung des Kapitals abziehen, das diese Produktion ermöglicht hat, (...). Diese beträchtliche Masse, die in den meisten Ländern derzeit bei etwas 10% des Bruttoinlandsproduktes liegt, stellt für niemanden ein Einkommen dar (....). Nach dem Abzug der Kapitalentwertung vom Bruttoinlandsprodukt erhält man das Nettoinlandsprodukt, das wir der Einfachheit halber als Inlandsprodukt bezeichnen werden und das meist 90 % des BIP entspricht.
Sodann sind die aus dem Ausland bezogenen Nettoeinkommen hinzuzurechnen (...). Ein Land, dessen sämtliche Unternehmen und Kapitalwerte ausländischen Eigentümern gehören, kann eine sehr hohe Inlandsproduktion, aber ein deutlich geringeres Nationaleinkommen haben, sobald die Gewinne und Mieten, die ins Ausland fließen, abgezogen werden. (67)

Begriff des Kapitals

Im Rahmen dieses Buches wird das Kapital als die Gesamtheit der nicht-humanen Aktiva definiert, die auf einem Markt besessen und ausgetauscht werden können. Das Kapital umfasst insbesondere die Gesamtheit des Immobilienkapitals (Grundstücke, Häuser), das Wohnzwecken dient, und des Geld- und gewerblichen Kapitals (Gebäude, Ausrüstung, Maschinen Patente, usw.), das von Unternehmen und der öffentlichen Hand genutzt wird. (70)

Das nicht-humane Kapital, das wir in diesem Buch der Einfachheit halber als das Kapital bezeichnen werden, umfasst folglich alle Vermögensarten, die Menschen (...) gehören und von Ihnen weitergegeben oder dauerhaft auf einem Markt getauscht werden können. In der Praxis kann sich das Kapital im Besitz von Privatpersonen (dann spricht man von Privatkapital) oder im Besitz des Staates befinden (dann spricht man von Staatskapital). (71)

Kapital und Vermögen

Der Einfachheit halber werden wir die Begriffe Kapital und Vermögen synonym verwenden. (72)

Wir werden das Nationalvermögen oder das nationale Kapital als den (in Marktpreisen berechneten) Gesamtwert all dessen definieren, was die Inländer und die öffentliche Hand eines Landes zu einem bestimmten Zeitpunkt besitzen und was auf einem Markt getauscht werden kann. (73)

Kapital-Einkommens-Verhältnis

Die natürlichste und produktivste Art, die Bedeutung des Kapitals in einer Gesellschaft zu messen, besteht darin, den Kapitalstock durch das jährliche Einkommensvolumen zu teilen. (...) In den entwickelten Ländern liegt das Kapital-Einkommensverhältnis heute im Allgemeinen bei fünf bis sechs, was fast ausschließlich auf Privatkapital zurückgeht. (76)

Das Kapital-Einkommens-Verhältnis in einem Land sagt nichts über die ein diesem vorherrschende Ungleichheit. Aber das Verhältnis ? misst die Gesamtbedeutung des Kapitals in einer Gesellschaft, und seine Analyse ist somit eine unerlässliche Voraussetzung für die Untersuchung der Ungleichheit. (78)

Das erste grundlegende Gesetz des Kapitalismus: a = r x ß

Das Verhältnis von Kapital und Einkommen ß ist auf sehr einfache Weise mit dem Anteil der Kapitaleinkommen am Nationaleinkommen verbunden; dieser Anteil wird als a bezeichnet werden, und die Formel lautet: a = r x ß, wobei r die durchschnittliche Kapitalrendite ist.
Zum Beispiel: Wenn ß =  600 % und r = 5 %, dann ist a = r x ß = 30 %.
Mit anderen Worten: Wenn in einer Gesellschaft die Höhe der Vermögen dem Nationaleinkommen von sechs Jahren entspricht und wenn die durchschnittliche Kapitalrendite bei 5 % jährlich liegt, dann beträgt der Anteil des Kapitals am Nationaleinkommen 30 %. (79)

Der durchschnittliche Bodenertrag in agrarisch geprägten Gesellschaften beträgt normalerweise 4-5 %. (...)
Die gleiche Rendite - ungefähr 4 - 5 % - werfen Immobilien zu Beginn des 21. Jahrhunderts ab - (...) (81)

Eine Wohnung im Wert von 100.000 Euro kann eine Miete von 400 Euro im Monat bringen, also fast 5000 Euro im Jahr (5 %). Wer ein solches Objekt besitzt und selbst in ihm wohnt, kann die entsprechende Miete einsparen und die Summe, anderweitig verwenden, was aufs Gleiche hinausläuft. (82)

Mit der Formel a = r x ß lässt sich die Bedeutung des Kapitals in einem Land oder auf der ganzen Welt analysieren. Aber sie kann auch verwendet werden, um die Bilanz eines bestimmten Unternehmens zu untersuchen. Betrachten wir beispielsweise ein Unternehmen, das mit einem Kapital (Büros, Ausrüstung, Maschinen) im Wert von 5 Millionen Euro arbeitet und eine Jahresproduktion* von 1 Million Euro erzeugt, die sich aufgliedern in 600.000 für die Lohnsumme und 400.000 Euro für die Gewinne. Das Verhältnis zwischen Kapital und Produktion in diesem Unternehmen ist ß = 5 (sein Kapital entspricht der Produktion von 5 Jahren), der Anteil des Kapitals an der Produktion ist a = 40 %, und die Kapitalrendite ist r = 8 %.

*) Die Jahresproduktion, auf die wir uns hier beziehen, entspricht dem, was manchmal als Wertschöpfung des Unternehmens bezeichnet wird, das heißt die Differenz zwischen dem Erlös seiner Verkäufe von Gütern und Dienstleistungen (der Umsatz) und den Kosten seiner Einkäufe von Gütern und Dienstleistungen bei anderen Unternehmen (die Vorleistungen). Die Wertschöpfung misst den den Beitrag des Unternehmens zur Inlandsproduktion des Landes. (82)

Mit anderen Worten: Der Vorsprung, den Europa und Amerika im Laufe der Industriellen Revolution erlangten, hat es ihnen lange Zeit ermöglicht, in Bezug auf ihre Produktion zwei bis drei Mal stärker zu sein, als es ihrer Bevölkerungszahl entsprochen hätte; ihre Pro-Kopf-Produktion war zwei bis drei Mal höher als der weltweite Durchschnittswert. Alles deutet darauf hin, dass dieses Phase der Divergenz der Pro-Kopf-Produktionen im Weltmaßstab beendet ist und dass wir in eine Phase der Konvergenz eingetreten sind. (91)

Die weltweite Ungleichheit bedeutet, dass den Ländern, in denen das Durchschnittseinkommen pro Einwohner bei 150-250 Euro monatlich liegt (das subsaharische Afrika, Indien) Ländern gegenüberstehen, in denen das Monatseinkommen 2500-3000 Euro pro Kopf erreicht (Westeuropa, Nordamerika, Japan), das heißt zwischen 10 und 20 mal höher ist. Der Weltdurchschnitt, der in etwa dem Niveau Chinas entspricht, liegt bei 600-800 Euro im Monat. (94)

Die reichen Länder sind in zweifacher Hinsicht reich: im Bezug auf die Inlandsproduktion und in Bezug auf das im Ausland investierte Kapital, wodurch sie über ein Nationaleinkommen verfügen, das höher ist als ihre Produktion - bei den Entwicklungsländern ist es genau umgekehrt. (99)

Insgesamt kann man schätzen, dass die europäischen Mächte 1913 zwischen einem Drittel und der Hälfte des asiatischen und afrikanischen Inlandskapitals  und mehr als drei Viertel des Industriekapitals besaßen. (101)

Keines der asiatischen Länder, die gegenüber den am höchsten entwickelten Ländern aufgeholt haben, sei es Japan, Südkorea, Taiwan oder China, hat von umfangreichen ausländischen Investitionen profitiert. Alle diese Länder haben die benötigten Kapitalinvestitionen und vor allem die Investition in Humankapital - die allgemeine Anhebung des Bildungs- und Ausbildungsniveaus - selbst finanziert; alle aktuellen Untersuchungen haben gezeigt, dass es diese Investitionen in Qualifikation waren, die für den Großteil ihres langfristigen Wirtschaftswachstums gesorgt haben. (102)

Bevölkerungswachstum

Ein Wachstum von 1% jährlich entspricht beispielsweise einer Zunahme von 35% nach 30 Jahren, nahezu einer Verdreifachung nach 100 Jahren, einer Verzwanzigfachung nach 300 Jahren und einer Zunahme um mehr als das 20 000-fache nach 1000 Jahren. (108/109)

Die wahrscheinlichste Hypothese ist, dass das Wachstum der Weltbevölkerung in den nächsten Jahrhunderten deutlich unter 0,8 % liegen wird. Die amtliche Prognose, die von einem sehr geringen Bevölkerungswachstum ausgeht - 0,1 bis 0,2 % jählich - ist auf sehr lange Sicht ziemlich plausibel.  (...)
Denn das Bevölkerungswachstum hat nicht nur Folgen für die Entwicklung und die Macht der Staaten, es beeinflusst auch die Struktur der Ungleichheit tiefgreifend. (118)

Umgekehrt erhöht sich bei einer Stagnation der Bevölkerung - und mehr noch bei ihrem Rückgang - die Bedeutung des von den früheren Generationen angehäuften Kapitals. Gleiches gilt für die wirtschaftliche Stagnation. Bei einem schwachen Wachstum ist es recht plausibel, dass die Kapitalrendite deutlich über der Wachstumsrate liegt. (119)

Liegt das Wachstum bei null oder ist es sehr niedrig, bleiben die verschiedenen ökonomischen und sozialen Tätigkeiten sowie die verschiedenen Berufe praktisch von einer Generation zur anderen gleich. Ein anhaltendes Wachstum, auch wenn es nur 0,5, 1 oder 1,5 % beträgt, bedeutet dagegen, dass in jeder Generation ständig neue Tätigkeiten geschaffen werden und neue Fähigkeiten gefragt sind. Wenn die Vorlieben und Fähigkeiten der Menschen nur in sehr begrenzten Umfang von Generation zu Generation weitergegeben werden (...) kann das Wachstum den sozialen Aufstieg von Menschen erleichtern, deren Eltern nicht zur Elite gehören. (120)

Produktionswachstum pro Kopf

Wie bereits gesagt, entspricht das Wachstum über den gesamten Zeitraum von 1700  bis 2012 genau dem Bevölkerungswachstum: im Durchschnitt 0,8 % pro Jahr, was auf eine Verzehnfachung in dreihundert Jahren hinausläuft. (121)

Wichtig an diesen Zahlen ist, dass es selbst in der Geschichte eines Landes, das sich an der Spitze des weltweiten technologischen Fortschritts befindet, kein Beispiel für ein Produktionswachstum pro Kopf gibt, das dauerhaft über 1,5 % liegt. (...) Es ist wichtig, sich diesen Sachverhalt zu vergegenwärtigen, da wir noch stark der Vorstellung verhaftet sind, das Wachstum müsse mindestens 3 oder 4 % jährlich betragen. Das ist jedoch in historischer und logischer Hinsicht eine Illusion. (132)

Eine Gesellschaft, in der das Wachstum 0,1 oder 0,2 % jährlich beträgt, bleibt nahezu unverändert: die Struktur der Berufe verändert sich ebenso wenig wie die des Eigentums. Eine Gesellschaft, in der das Wachstum jährlich 1 % beträgt, wie es seit Beginn des 19. Jahrhunderts in den fortgeschrittenen Ländern der Fall ist, ist hingegen eine Gesellschaft, die sich permanent tiefgreifend erneuert. (134)

Das Wachstum der weltweiten Bevölkerung hat mit fast 2 % jährlich seinen Höhepunkt in der Zeit von 1950 bis 1970 erreicht und ist seitdem kontinuierlich zurückgegangen. Auch wenn man in diesem Bereich nichts mit Bestimmtheit sagen kann, besteht doch die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieser Prozess fortsetzt und das Bevölkerungswachstum weltweit in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts quasi bei null liegen wird. (138)

Inflation

Diese Welt bricht mit dem ersten Weltkrieg zusammen. Um die beispiellos brutalen Kämpfe zu finanzieren, um die Soldaten und immer teurere und aufwendigere Waffen zu bezahlen, verschulden sich die Regierungen hoch. Ab August 1914 beenden die größten kriegsführenden Mächte die Konvertierbarkeit ihrer Goldwährung. (...) Zwischen 1913 und 1950 liegt die jährliche Inflation in Frankreich bei über 13 % (was einem Preisanstieg um den Faktor 100 bedeutet) und erreicht in Deutschland 17 % (was einen Preisanstieg um den Faktor 300 bedeutet). (147)

An dieser Stelle sei lediglich hervorgehoben, dass der Verlust des monetären Kompasses im 20. Jahrhundert eine tiefe Zäsur gegenüber den vorausgegangenen Jahrhunderten darstellt, und zwar nicht nur in wirtschaftlicher und politischer, sondern auch in sozialer und kultureller Hinsicht bis hin zur Literatur. Es ist kein Zufall, dass das Geld, oder genauer gesagt, das Benennen von Summen und Beträgen nach den Erschütterungen in der Zeit  von 1914 bis 1945 fast ganz aus der Literatur verschwunden ist. (149)

Teil II: Dynamik des Kapital-Einkommensverhältnisses

Wir sind verschuldet, keine Frage (...), aber wem gegenüber genau? Im 19. Jahrhundert war klar, wer die Besitzer staatlicher Schuldtitel waren; wer sind sie heute? (155)

Das Kapital ist niemals ein Ruhekissen: es ist stets risikobehaftet und dynamisch, zumindest in den Anfängen; gleichzeitig hat es immer die Tendenz, sich in Rente zu verwandeln, sobald es unbegrenzt akkumuliert wird - das ist seine Bestimmung, sein zwangsläufiges Schicksal. (156)

(...) darf nicht vergessen werden, dass sich die Zusammensetzung des Kapitals seit 1700 tiefgreifend verändert hat. (...) Vereinfachend kann man sagen, dass die landwirtschaftlichen Nutzflächen nach und nach durch Immobilien sowie durch das gewerbliche und das Finanzkapital ersetzt wurden, (...) (158)

Man sieht, dass der Gesamtwert der Agrarflächen zu Beginn des 18. Jahrhunderts dem Nationaleinkommen von vier bis fünf Jahren entsprach, also zwei Drittel des nationalen Kapitals ausmachte. Dreihundert Jahre später sind die Agrarflächen weniger als 10% des Nationaleinkommens eines Jahres wert und machen weniger als 2% des Gesamtvermögens in Frankreich wie in Großbritannien aus. (160)

Es steht in jedem Fall außer Frage, dass das staatliche Vermögen in diesen beiden Ländern derzeit gering ist - und weit hinter den privaten Vermögen zurückbleibt. (...) Wie unvollständig die Messungen auch sein mögen, uns interessiert die Tatsache, die Privatvermögen zu Beginn der 2010er Jahre in beiden Ländern nahezu die Gesamtheit des Nationalvermögens ausmachen: nach den letzten Schätzungen mehr als 99% in Großbritannien und etwa 95% in Frankreich, in jedem Fall deutlich mehr als 90%. (168)

Aus Sicht derer, die die Mittel haben, ist es wesentlich interessanter, dem Staat eine bestimmte Summe zu leihen (und jahrzehntelang Zinsen einzustreichen), als sie in Form von Steuern (ohne Gegenleistung) zu bezahlen. (174)

Das staatliche Rentenpapier ist im ganzen 19. Jahrhundert eine sehr sichere Anlage und trägt in Frankreich wie in Großbritannien zur Vermehrung der Privatvermögen bei. (175)

Im 20. Jahrhundert hat sich eine völlig andere Auffassung von Staatsschulden entwickelt. Sie basiert auf der Überzeugung, dass die Verschuldung des Staates ein Instrument der staatlichem Ausgabenpolitik und der sozialen Umverteilung zugunsten der sozial Schwächeren sein kann. (176)

Diese lange und wechselvolle Geschichte der staatlichen Verschuldung, von den zufriedenen Rentiers im 18. und 19. Jahrhundert bis zur Enteignung durch die Inflation im 20. Jahrhundert, hat sich tief in die kollektive Erinnerung eingegraben. (178)

1950 besitzt der französische Staat zwischen 25 und 30 % des Nationalvermögens, (...). (183)

In der Zeit der Trente Glorieuses (...), herrschte in Frankreich ein gemischtwirtschaftliches System, gewissermaßen ein Kapitalismus ohne Kapitalismus oder zumindest ein Staatskapitalismus, in dem nicht mehr private Eigentümer die größten Unternehmen kontrollierten. (183)

Das Besondere an der Entwicklung in Frankreich liegt darin, dass das Staatsvermögen nach den üppigen Jahren von 1950 bis 1970 ab den 1980er Jahren stark zurückging, während die privaten Immobilien- und Finanzvermögen noch höher stiegen als in Großbritannien. (...) Nachdem Frankreich in den 1950er Jahren das Land des Staatskapitalismus gewesen war, ist es Anfang des 21. Jahrhunderts erneut zum gelobten Land des Privatkapitalismus geworden. (184)

Vom alten Europa zur Neuen Welt

Mit einer durchschnittlichen Inflation von fast 17% jährlich zwischen 1913 und 1950 - was einem Preisanstieg um das Dreihundertfache enstpricht (...), ist Deutschland das Land schlechthin, in dem die Staatsverschuldung im 20. Jahrhundert von der Inflation weggespült wurde. (...) Daher befindet man sich heute in der folgenden paradoxen Situation: Das Land, das im 20. Jahrhundert am stärksten auf Inflation gesetzt hat, will nichts von einem Preisanstieg wissen, der über 2% jährlich liegt; (190-191)

Manchmal leihen sich die Regierungen direkt im Ausland Geld: So steigen die Vereinigten Staaten vom Schuldner vor dem Ersten Weltkrieg in den 1950er Jahren zum Gläubiger auf.  (198)

Die Neuankömmlinge, die eine sehr großen Teil der amerikanischen Bevölkerung ausmachen, haben den Atlantik nicht mit ihren Immobilien oder ihren Maschinen überquert; es braucht seine Zeit, bis diese Kapitalarten wieder um ein Mehrfaches höher sind als das jährliche Kapitaleinkommen. (...)
Das die gesamten Vermögen in Amerika nur knapp drei Mal so hoch ausfallen wie das jährliche Nationaleinkkommen gegenüber sieben Mal in Europa, bedeutet ganz konkret, dass das Gewicht der Eigentümer und der in der Vergangenheit erworbenen Vermögen in der neuen Welt geringer sind. (201)

(...) das Kapital-Einkommens-Verhältnis war in Amerika im letzten Jahrhundert wesentlich stabiler als in Europa, was vielleicht erklärt, warum die amerikanische Öffentlichkeit ein entspannteres Verhältnis zum Kapitalismus hat. (205)

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Welt von 1913 eine Welt ist, in der Europa eine Gutteil Afrikas, Asiens und Lateinamerikas besitzt und die Vereinigten Staaten sich selbst gehören. (...) Die  Vereinigten Staaten finanzieren die kriegführenden Mächte und werden so zum Gläubiger der europäischen Länder, nachdem sie vorher Schuldner waren. (206)

Das langfristige Kapital-Einkommens-Verhältnis

Sieht man jedoch von dieser langen Periode der Kriege und der Nachkriegszeit ab, stellt man fest, dass das Kapital-Einkommensverhältnis in Europa tendenziell immer höher war. (...) Die Privatvermögen haben zu Beginn der 1990er Jahre die der Amerikaner erneut überflügelt.  (218)

Das zweite fundamentale Gesetz des Kapitalismus (219):

ß = s/g

ß (Kapital-Einkommensverhältnis); s (Sparquote); g (Wachstumsrate des Nationaleinkommens)

Wenn beispielsweise s = 12 % und g = 2 %, dann ist ß = s/g =600 %.

Mit andern Worten: Wenn ein Land jedes Jahr 12% seines Nationaleinkommens spart und wenn sein Nationaleinkommen jährlich 2 % wächst, dann liegt das Kapital-Einkommensverhältnis langfristig bei 600 %: Das betreffende Land wird ein Kapital akkumulieren, das sechs Mal höher ist als das jährliche Nationaleinkommen.  (...)
Ein Land, das viel spart und langsam wächst, akkumuliert langfristig einen gewaltigen Kapitalstock - was wiederum erhebliche Auswirkungen auf die Sozialstruktur und die Vermögensverteilung in dem betreffenden Land haben kann.
Mit anderen Worten: In einer nahezu stagnierenden Gesellschaft gewinnen die in der Vergangenheit angesammelten Vermögen eine unverhältnismäßig große Bedeutung. (...)
Es ist der Rückgang des Wachstums - insbesondere des Bevölkerungswachstums -, der zur Rückkehr des Kapitals führt.  (220)

Länder, deren Bevölkerung um 1 % jährlich wächst - und die daher ein Gesamtwachstum von 2,5 - 3 % jährlich aufweisen, wie Amerika - kommen dagegen nur auf einen Kapitalstock, der drei oder viermal höher ist als das Nationaleinkommen. (221)

(...) ist in allen reichen Ländern in der Zeit von 1970 bis 2010 eine langfristige Tendenz erkennbar (...). Anfang der 1970er Jahre war der Gesamtwert der Privatvermögen in allen reichen Ländern und auf allen Kontinenten (...) zwei bis dreieinhalb Mal so hoch wie das Nationaleinkommen. Vierzig Jahre später sind die Privatvermögen vier bis sieben Mal so hoch wie das Nationaleinkommen, und zwar in allen untersuchten Ländern. (228)

In den acht wichtigsten entwickelten Volkswirtschaften der Welt ist zwischen 1970 und 2010 ein schrittweiser Rückgang des Verhältnisse zwischen Staatsvermögen und Nationaleinkommen zu beobachten, der mit dem Anstieg des Verhältnisse zwischen Privatkapital und Nationaleinkommen einhergeht (..,). (243)

Diese Verlagerung von Vermögen vom staatlichen auf den privaten Sektor seit den 1970er Jahren fand keineswegs nur in den reichen Ländern statt. Sie lässt sich vielmehr auf allen Kontinenten beobachten. Im Weltmaßstab hat es die massivsten Privatisierungen der letzten Jahrzehnte in in der gesamten Geschichte des Kapitals in den ehemaligen Ostblockländer gegeben. (246)

Das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit im 21. Jahrhundert

Vom 18. bis zum 21. Jahrhundert  bewegte sich die reine Kapitalrendite in Frankreich wie in Großbritannien in der Regel um 4-5 % pro Jahr und generell zwischen 3 und 6% pro Jahr. Langfristig ist keine deutliche Tendenz erkennbar, weder nach oben noch nach unten. (274)

In allen Gesellschaften erfüllt das Kapital zwei wichtige ökonomische Funktionen: Es dienst einerseits der Wohnraumbeschaffung (da heißt es erbringt wohnungswirtschaftliche Dienstleistungen, deren Wert sich am Mietwert der Wohnungen bemisst: am Wert des Wohbefindens, das daraus entsteht, dass ein Dach über den Kopf hat und nicht im Freien übernachten muss), und es ist andererseits ein Produktionsfaktor, der an der Herstellung anderer Güter und Dienstleistungen beteiligt ist (...) (283)

Ab den 1990er Jahren weisen jedoch zahlreiche Untersuchungen  auf den signifikanten Anstieg des Anteils der Gewinne und des Kapitals am Nationaleinkommen der reichen Länder seit den Jahren 1970 -1990 und entsprechend auf den beträchtlichen Rückgang des Anteils der Arbeitseinkommen hin. (292)

Die moderne Technologie setzt immer mehr Kapital ein, und die vielfältigen Möglichkeiten des Kapitaleinsatzes bewirken, dass man riesige Kapitalmengen akkumulieren kann, ohne das die Kapitalrendite völlig einbricht. (297)

Die Technologie und der Markt kennen weder Grenzen noch Moral. (...) Wenn man tatsächlich den Wunsch hat, eine gerechtere und rationalere Gesellschaftsordnung zu schaffen, die auf dem Gemeinwohl basiert, reichte es nicht aus, sich auf die Launen der Technologie zu verlassen. (310)

Die Struktur der Ungleichheit

Woher rührt der diffuse Glaube, das moderne Wachstum begünstige seiner Natur nach die Arbeit gegenüber der Erbschaft, die Kompetenz gegenüber der Herkunft? (314)

(...) entscheidend ist die Tatsache, das man es in Frankreich des beginnenden 19. Jahrhunderts, wie übrigens auch in dem der Belle Époque, also bis ins 20. Jahrhundert hinein, durch Arbeit und Studium nicht zu dem gleichen Wohlstand wie durch Erbschaft und Vermögenseinkünfte bringen kann. (318)

Dennoch bleibt festzuhalten, dass der Glaube, Ungleichheiten sollten eher auf Arbeit und individuellem Verdienst beruhen (...) konstitutiv für  unsere demokratische Moderne ist. (...) In den Nachkriegsjahren hat die Erbschaft stark an Bedeutung verloren. Zum vielleicht ersten Mal in der Geschichte sind Arbeit und Studium zum Königsweg nach oben geworden. (319)

Einkommensungleichheit ergibt sich per definitionem in sämtlichen Gesellschaften aus der Addition zweier Komponenten: der Ungleichheit der Arbeitseinkommen einerseits, und der Kapitaleinkommen andererseits. (320)

Der dritte bestimmende Faktor ist der Zusammenhang zwischen diesen beiden Dimensionen der Ungleichheit: In welchem Maße sind Personen mit hohem Arbeitseinkommen uns solche mit hohem Kapitaleinkommen ein und dieselben? (321)

Die erste Gesetzmäßigkeit (...) besteht darin, dass die Ungleichheit hinsichtlich des Kapitals stets größer ist als die Ungleichheit hinsichtlich der Arbeit. (322)

Namentlich das oberste Dezil ist in jeder Gesellschaft (...) eine Welt für sich. Ihm gehören Personen an, deren Einkommen kaum das Zwei- oder Dreifache des Durchschnittseinkommens beträgt - und andere, deren Mittel mehrere Dutzend Mal höher liegen. (332)

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass in allen Gesellschaften (...) das oberste Perzentil der Gesellschaft eine Gruppe darstellt, die groß genug ist, um erheblichen Einfluss auf die soziale Landschaft wie die ökonomische und politische Ordnung auszuüben. (333)

Das heißt konkret, dass die obersten 10 % nur einen kleinen Teil ihres Einkommens aufwenden müssen, um große Teile der unterer 50 % als Dienstboten zu beschäftigen. (337)

In der Entstehung einer wirklichen vermögenden Mittelschicht, darüber darf man sich nicht täuschen, besteht der maßgebliche Strukturwandel der Verteilung von Reichtümern in den Industrieländern des 20. Jahrhunderts. (342)

Im Grunde hat auch die Mittelschicht bloß ein paar Krümel ergattert: wenig mehr als ein Drittel des Vermögens in Europa, kaum ein Viertel in de Vereinigten Staaten. Diese zentrale Bevölkerungsgruppe ist viermal größer als das oberste Dezil - und doch ist die Vermögensmasse, über die sie verfügt, zwei- bis dreimal geringer. (...)
Der historische Abbau von Vermögensungleichheiten ist sehr viel weniger stark, als man zuweilen denkt. Auch gibt es keinerlei Garantie dafür, dass diese begrenzte Eindämmung von Ungleichheiten irreversibel ist. Aber die Krümel, um die es geht, sind nicht unbedeutsam, und es wäre verfehlt, die historische Bedeutung jenes Wandels zu unterschätzen. (...)
Dutzende von Millionen Personen (40 % der Bevölkerung sind eine beachtliche Gruppe zwischen Armen und Reichen) besitzen (...) zusammen ein Viertel bis ein Drittel des Nationalvermögens (...). (344)

Das oberste Dezil der Einkommenshierarchie bezieht (...) in den Gesellschaften mit der geringsten Ungleichheit (...) etwa 25 % des Nationaleinkommens (...). In den Ländern mit der größten Ungleichheit (...) kann dieser Anteil auf bis zu 50 % des Nationaleinkommens anwachsen (...).
Ist es möglich sich Gesellschaften vorzustellen, in denen die Einkommenskonzentration noch wesentlich über diesem Maximalniveau läge? Zweifellos nicht. Würde sich das oberste Dezil zum Beispiel 90 % der jährlichen Produktion aneignen (...), so wäre es wahrscheinlich, dass eine Revolution einer solchen Situation rasch ein Ende bereiten würde - es sei denn, man ginge von einem besonders wirkungsvollen Unterdrückungsapparat aus. (346)

Bleibt gleichwohl festzuhalten (...), dass die Vereinigten Staaten der 2010er Jahre sich vor allem durch eine Rekordungleichheit der Arbeitseinkommen auszeichnen (...), während die Vermögensungleichheiten niedriger liegen als in traditionellen Gesellschaften oder in Europa zwischen 1900 und 1910. (349)

Zwei Welten

Für den Abbau von Ungleichheiten im Frankreich des 20. Jahrhunderts ist weitgehend der Niedergang der Rentiers und der Einbruch der hohen Kapitaleinkommen verantwortlich. (361)

Im Großen und Ganzen ist eine Rentiersgesellschaft von einer Managergesellschaft abgelöst worden, das heißt, eine Gesellschaft, in der das oberste Perzentil massiv von Rentiers dominiert wird (also von Personen, die ein so großes Vermögen besitzen, dass sie von den jährlichen Kapitalerträgen leben können), von einer Gesellschaft, in der die Spitze der Einkommenshierarchie (...) in erster Linie aus hochbezahlten Gehaltsempfängern besteht, aus Personen also, die von ihren Arbeitseinkommen leben. (365)

Seinerzeit waren die am schlechtest bezahlten Beschäftigten (...) die Landarbeiter und Dienstboten; später die am geringsten qualifizierten Arbeiter (...). (...) aber die niedrigsten Löhne erhalten heute vor allem Beschäftigte im Dienstleistungssektor wie etwa Kellner und Supermarktangestellte (...). Die Berufe haben sich innerhalb eines Jahrhunderts völlig gewandelt. Aber die strukturellen Realitäten haben sich nicht geändert. (368)

Um das zusammenzufassen: Im obersten Dezil treffen stets zwei sehr unterschiedliche Welten aufeinander, nämlich einerseits die 9%, innerhalb derer immer noch deutlich die Arbeitseinkommen überwiegen, und andererseits die 1%, innerhalb derer die Kapitaleinkommen mehr und mehr die Oberhand gewinnen (...). Die Übergänge sind stets fließend, und alle Grenzen durchlässig, aber die Unterschiede sind systematisch bündig. (369)

Dem ist aber hinzuzufügen, dass seit dem Ende der 1990er Jahre in Frankreich ein neues Phänomen auf den Plan getreten ist, nämlich der schwindelerregende Anstieg der Spitzengehälter, namentlich der Vergütung von Spitzenmanagern sehr großer Unternehmen und Finanzinstitute. (383)

Die Zeit zwischen 1914 und 1945 ist der Selbstmord Europas und der Rentiersgesellschaft, nicht der Selbstmord Amerikas.  (...)
Nie war die Ungleichheit in der Geschichte der Vereinigten Staaten geringer als von den 1950er bis in die 1970er Jahre: Das oberste Dezil der Einkommenshierarchie bezieht 30-35 % des amerikanischen Nationaleinkommens, was in etwa dem Niveau entspricht, war wir heute in Frankreich haben.
Seit 1970 ist die Einkommensungleichheit in den Vereinigten Staaten wie nie zuvor explodiert. Der Anteil des obersten Dezils vin von ungefähr 30-35 % in den 1970er Jahren auf ungefähr 45-50 % in den 2000er Jahren gestiegen. (387)

Sehr viel verblüffender ist, dass der 2010 erreichte Anteil - mehr als 46 % des amerikanischen Nationaleinkommens für das oberste Dezil (...) - bereits signifikant über dem von 2007, am Vorabend der Finanzkrise erreichten Niveau liegt. (...)
Denn diese Tatsachen belegen unzweideutig, dass man nicht darauf vertrauen sollte, die Finanzkrise als solche werde dem strukturellen Anstieg von Ungleichheit in den Vereinigten Staaten ein Ende setzen. (...)
Der entscheidende Schub für die wachsende Ungleichheit kam von den 1 % , deren Anteil am Nationaleinkommen von etwa 9 5 in den 1970er Jahren auf ungefähr 20 % inner halbe der Jahre 2000 bis 2010 gestiegen ist (...).  (390)

Meines Erachtens gibt es keinerlei Zweifel daran, dass wachsende Ungleichheit zur Destabilisierung des amerikanischen Finanzsystems beigetragen hat. Aus einem einfachen Grund: Die wachsende Ungleichheit führte dazu, das die Kaufkraft der unteren und mittleren Schichten in den Vereinigten Staaten quasi stagnierte, was zwangsläufig die Tendenz zur Verschuldung einkommensschwacher Haushalte verstärkt hat; umso mehr, als es immer leichte wurde, auf einem deregulierten Finanzmarkt  an Kredite zu kommen - mit Hilfe wenig skrupulöser Banken und Anlageberater, die darauf aus waren, gute Renditen für die enormen Ersparnisse zu erwirtschaften, mit denen die Begüterten das System geflutet hatten.  (392)

(...) es ist wichtig sich klarzumachen, dass die internen Ungleichgewichte der amerikanischen Gesellschaft viermal größer als die internationale Ungleichgewichte sind. Das gibt auch den Hinweis darauf, dass man nach der Lösung bestimmter Probleme vielleicht eher in den Vereinigten Staaten suchen sollte als in China oder anderswo. (393)

Der letzte Punkt, den es zu präzisieren gilt, ist vielleicht der wichtigste. Was sich im Anstieg der extrem hohen Einkommen und extrem hohen Gehälter widerspiegelt,  ist vor allem das Auftauchen der Supermanager, also einer Gruppe von Führungskräften großer Unternehmen, denen es gelingt, extrem hohe Vergütungen zu erzielen wie die Geschichte sie nie gekannt hat. (397)

In diesem Sinne ist eher das Auftauchen der Supermanager als eine Gesellschaft von Superstars für die neue amerikanische Ungleichheit verantwortlich. (3999

Die Demokratisierung des Schulsystems hat, (...), die Ungleichheit der Qualifikationen und mit ihr auch die Lohnungleichheit nicht abgebaut. (404)

In Bildung zu investieren eröffnet auf lange Sicht die besten Aussichten darauf, Ungleichheiten einzudämmen und zugleich die durchschnittliche Produktivität pro Werktätigen und das globale Wirtschaftswachstum  zu steigern. (...) Auf lange Sicht sind Bildung und Technologie für die Lohngestaltung die ausschlaggebenden Kräfte. (405)

Mindestlohn

In den Vereinigten Staaten trat ein staatlich festgelegter Mindestlohn schon 1933 in Kraft, fast zwanzig Jahre früher als in Frankreich. (408)

Großbritannien hat 1990 die Einführung eines Mindestlohns beschlossen auf einem Niveau, das zwischen dem der Vereinigten Staaten und Frankreichs liegt. (410)

(...) sinnfälligste Argument, das man zur Rechtfertigung eines Mindestlohns anführen kann. Es gilt dafür zu sorgen, dass kein Arbeitgeber seinen Konkurrenzvorteil über ein bestimmtes Maß hinaus ausspielen kann. (413)

Die Welt des obersten Tausendstels

(...) in den Vereinigten Staaten schwillt der Anteil des obersten Tausendstels von 2 % auf 10 % des Nationaleinkommens an, was ein Anstieg ist, wie er nie zuvor und nirgends sonst beobachtet wurde, aber ungeachtet dieser Differenz auch einen deutlich spürbaren Aufwärtstrend in allen Ländern. (422)

Verlieren wir auch nicht aus dem Blick, dass die reichsten 0,1 % in einem Land mit 50 Millionen erwachsenen Einwohnern (wie Frankreich zu Beginn der 2010er Jahre) per definitionem eine Gruppe von 50 000 Personen ausmachen. (...) Die entscheidende Tatsache ist, dass diese Gruppe in sämtlichen reichen Ländern (...) zwischen 1990 und 2010 eine spektakuläre Steigerung der Kaufkraft erleben durfte, während die durchschnittliche Kaufkraft stagnierte. (424)

Wir werden insbesondere sehen, dass für die höhere Vermögensungleichheit in Europa und Japan insbesondere das schwächer Bevölkerungswachstum verantwortlich ist, das gleichsam automatisch zur stärkeren Kapitalakkumulation und Kapitalkonzentration führt. (427)

Angesichts der Funktionen, die Spitzenmanager großer Unternehmen zu erfüllen haben, mutet schon der Gedanke, solche Gehälter könnten durch ihre individuelle Produktivität objektiv begründet sein, ein wenig naiv an. (439)

Da es unmöglich ist, den Beitrag jedes einzelnen zur Produktion des Unternehmens exakt zu beziffern, sind jedenfalls die Entscheidungen, die in einem solchen Verfahren getroffen werden, größtenteils willkürlich und hängen von den Machtverhältnissen wie dem Verhandlungsgeschick der Beteiligten ab. (440)

Die Senkung des Spitzensteuersatzes hatte die Explosion hoher Vergütungen zur Folge, die ihrerseits (durch Parteifinanzierung, Interessengruppen, Denkfabriken etc.) zu einem wachsenden politischen Einfluss derjenigen sozialen Gruppen führte, die ein vitales Interesse an der Erhaltung oder weiteren Senkung dieses niedrigen Steuersatzes haben. (445)

Ungleichheit des Kapitaleigentums

Einen strukturellen Abbau der Ungleichheit von Arbeitseinkommen hat es (...) in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (...) in Frankreich so wenig wie gegeben wie in den Vereinigten Staaten (...). Der starke Rückgang der Einkommen insgesamt rührt im Wesentlichen vom Einbruch der hohen Kapitaleinkommen her. (447)

(...), dass es vor den Katastrophen der Jahre 1914 bis 1945 keine erkennbare Tendenz zum Abbau der Ungleichheit des Kapitaleigentums gibt. Erkennbar ist im Gegenteil eine leichte Tendenz zur Verstärkung, die über das ganze 19. Jahrhundert anhält (...). (452)

So bleiben namentlich die Auswirkungen der Französischen Revolution auf das Kapital-Einkommens-Verhältnis unerheblich. (455)

Unsere Erbschaftsdaten belegen auch, dass die Verringerung des Anteils des oberen Dezils am Nationalvermögen, zu der es im 20. Jahrhundert kam, ausschließlich den 40 % in der Mitte zugutegekommen ist. Am Anteil der ärmsten 50 % hast sich dagegen fast nichts geändert (er lag stets bei unter 5 %). Im gesamten 19. und 20. Jahrhundert besitzt die ärmere Hälfte der Bevölkerung praktisch kein Vermögen. (456)

Die Vermögenskonzentration in Großbritannien war im 19. Jahrhundert extrem hoch und ließ bis 1914 keinerlei Abwärtstrend erkennen, im Gegenteil. Besonders verblüffend  aus französischer Perspektive ist freilich, dass die Kapitalungleichheit Großbritanniens letztlich kaum stärker war als im Frankreich der Belle Époque, obwohl doch die damaligen republikanischen Eliten  Frankreich gerne als ein verglichen mit dem monarchischen Nachbarn egalitäres Land darstellten. In Wahrheit hatte die Regierungsform erkennbar einen sehr geringen Einfluss auf die tatsächliche Wohlstandsverteilung in beiden Ländern.  (458)

Es ist nicht uninteressant, dass diese extreme Vermögenskonzentration - das oberste Dezil besitzt 80-90 % des Kapitals, von denen 50-60 % auf das oberste Perzentil entfallen - auch in fast allen Gesellschaften vor dem 19. Jahrhundert, insbesondere den traditionellen ländlichen Gesellschaften zu finden ist. Das gilt für die Moderne ebenso wie für das Mittelalter und die Antike. (459)

Etwas mehr als 60-65 % des Gesamtvermögens für das oberste Dezil zu Beginn der 2010er Jahre - das ist zugleich sehr viel und deutlich weniger als zu Beginn der Belle Époque. Die entscheidende Differenz liegt darin, dass es inzwischen ein vermögende Mittelschicht gibt, die - immerhin - etwa ein Drittel des Nationalvermögens besitzt. (460)

Und für alle Fälle gilt, dass die Einbußen der reichsten 10 % letztlich der vermögenden Mittelschicht (verstanden als die folgenden 40 %) zugutekamen, nicht aber den ärmsten 50 %, (...).
Der maßgebliche Strukturwandel ist das Auftauchen einer mittleren, fast die Hälfte der Bevölkerung stellenden Gruppe, deren Angehörige zu Vermögen gekommen sind und zusammen zwischen einem Viertel und einem Drittel des Nationalvermögens besitzen. (461)

Der Hauptmechanismus, der für die Hyperkonzentration von Vermögen verantwortlich ist, die wir in den traditionellen ländlichen Gesellschaften wie in nahezu allen Gesellschaften bis zum Ersten Weltkrieg finden (....), liebt in der Tatsache, dass es sich um Wirtschaften handelt, die sich durch schwaches Wachstum und einer Kapitalrendite auszeichnen, die deutlich über der Wachstumsrate liegt. (466)

Verknüpft man Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum, so kann man festhalten, dass die Wachstumsrate zwischen der Antike und dem 17. Jahrhundert nie über 0,1-0,2 % pro Jahr gelegen hat. (...) Es ist eine fundamentale Tatsache, dass für die längste Zeit der Geschichte der Menschheit die Kapitalrendite mindestens das Zehn- bis Zwanzigfache der Wachstumsrate der Produktion und des Einkommens betrug (...). (469)

In der Praxis scheint sich freilich kein einziges historisches Beispiel dafür zu finden, dass die Kapitalrendite von sich aus dauerhaft unter 2-3 % gefallen wäre - und die Durchschnittswerte liegen, (...) im Allgemeinen näher bei 4-5 % (vor Steuern). (475)

Am Rande sei bemerkt, wie bedeutsam demographische Entscheidungen (je weniger Kinder die Reichen zur Welt bringen, desto größer die Vermögenskonzentration) und - natürlich - das Erb- und Schenkungsrecht sind (480).

Die fundamentale Ungleichung r > g bietet, anders gesagt, eine Erklärung für die sehr starke Ungleichverteilung des Kapitals im 19. Jahrhundert - und, in gewisser Weise, für das Scheitern der französischen Revolution. (484)

Prinzipiell kann sich, (...), eine solche Ungleichheitsspirale nicht unbegrenzt weiterdrehen. Irgendwann gibt es keine sinnvolle Investitionsmöglichkeit für das Ersparte mehr und am Ende wird die globale Kapitalrendite fallen, so dass sich ein Verteilungsgleichgewicht einstellt und die Ungleichheiten sich stabilisieren. (487)

Zwar leben die reichsten 1 % der Pariser Erben auch weiterhin mehr oder weniger so, wie sie immer gelebt hatten - aber das, was sie der folgenden Generation hinterlassen, erlaubt nun nur noch einen Lebensstandard, der lediglich das Dreißig- bis Vierzigfache, ja Ende der 1930er Jahre das Zwanzigfache des Durchschnittseinkommens kosten darf. Für die Rentiers ist das der Anfang vom Ende. (491)

Es ist also  möglich, dass ein Aufholprozess (...) im Gange ist, und die Vermögenskonzentration sich automatisch wieder auf die Höchststände der Vergangenheit zubewegt. (495)

Welche strukturelle Veränderung ist es also, die von 1914 bis 1945, oder allgemeiner: im Laufe des 20. Jahrhunderts eingetreten ist und die Vermögenskonzentration daran hindert, wieder auf die alten Niveaus zu steigen (....). Es ist (...) die Einführung signifikanter Steuern auf Kapital und Kapitaleinkommen. (...) Bis zum ersten Weltkrieg werden in den meisten Ländern keinerlei Steuern auf Kapitaleinkommen oder Unternehmensgewinne erhoben. (496)

Der Einfachheit halber kann man fürs Erste festhalten, dass der durchschnittliche Steuersatz für Kapitalerträge bis 1910 fast bei 0 % lag (...), und dass er sich 1950 bis 1980 in den reichen Ländern bei etwa 30 % eingependelt hat, wo er sich in gewissem Grade 2000 bis 2010 noch hält, auch wenn der neueste Trend im Zuge eines Steuerwettbewerbs zwischen den Staaten, (...) eindeutig nach unten geht. (497)

Auch hier kann mit einfachen Simulationen gezeigt werden, dass eine progressive Erbschaftssteuer den Anteil des obersten Perzentils am Gesamtvermögen langfristig verringern kann. (498)

Verdienste und Erbschaft auf lange Sicht

Das Kapital hat zu Beginn des 21. Jahrhunderts, (...) kaum etwas von der Bedeutung verloren, die es im 18. Jahrhundert hatte. Nur seine Form hat sich gewandelt: Was damals der Landbesitz war, ist heute das Immobilien-, Industrie- und Finanzkapital. (...)
Nach wie vor besitzt die ärmste Hälfte der Bevölkerung praktisch nichts. Aber es gibt unterdessen eine vermögende Mittelschicht, die zwischen einem Viertel und einem Drittel des Vermögens besitzt, von dem folglich den reichsten 10 % nicht mehr neun Zehntel, sondern nur noch zwei Drittel gehören. (501)

r [Kapitalrendite] > g [Wachstumsrate] - das heißt in gewisser Weise, dass die Vergangenheit sich anschickt, die Zukunft zu fressen. Die aus der Vergangenheit stammenden Reichtümer vermehren sich ohne Arbeit schneller als die Reichtümer, die durch Arbeit geschaffen und angespart werden können. (502)

In allen Gesellschaften gibt es im Wesentlichen zwei Weisen, es zu Wohlstand zu bringen: Arbeit oder Erbschaft. (503)

Und tendenziell werden so vermöge der Logik r > g Unternehmen zu Rentiers werden, sei es in ihrem eigenen Leben (...), sei es während der nächsten Generation. (525)

Tatsächlich führen die Kriege zu einer sehr starken Verjüngung der Vermögen. Wie aus der Grafik 11.5 zu ersehen, ist zum ersten - und bis heute einzigem - Mal in der Geschichte von 1940 bis 1950 das Durchschnittsvermögen zum Todeszeitpunkt kleiner als das der Lebenden. (526)

Der Krieg setzt gleichsam den Zähler der Vermögensakkumulation auf Null - oder fast null - und führt automatisch zu einer erheblichen Verjüngung der Vermögen. In diesem Sinne sind es tatsächlich die Kriege gewesen, die im 20. Jahrhundert tabula rasa gemacht - und die Illusion einer strukturellen Überwindung des Kapitalismus erzeugt haben. (527)

Der Eindruck, das Altern führe zu einem Ende der Erbschaft, erweist sich in beiden Fällen als falsch. In einer alternden Gesellschaft erbt man später - aber wer überhaupt etwas erbt, der erbt größere Beträge. Die Bedeutung der Erbschaft insgesamt bleibt daher unverändert. (532)

Der Anteil der ererbten Vermögen am Gesamtvermögen hat sein 1970 zu wachsen nicht aufgehört, er ist in den 1980er Jahren wieder zum Hauptteil geworden, und 2010 macht nach den neuesten verfügbaren Daten das ererbte Kapital in Frankreich ungefähr zwei Drittel des Privatkapitals aus - gegenüber kaum einem Drittel Kapital aus Ersparnissen. Setzen die gegenwärtigen Trends sich fort, wird in Anbetracht des sehr hohen derzeitigen Erbvolumens der Anteil ererbten Vermögens in den nächsten Jahrzehnten weiter wachsen (...). (534)

Aber erst für die Generation der 1970 bis 1980 Geborenen, die ab den 2000er Jahren in den Genuss von Schenkungen und Hinterlassenschaften kommen, hat die Erbschaft wieder ein seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr gekanntes Gewicht von etwa 22-24 % ihrer Gesamtmittel. (539)

Nach unseren Schätzungen werden Erbschaften für die Generationen, die nach 1970 geboren wurden, fast ein Viertel aller Mittel ausmachen, die ihnen - aus Arbeit und Erbschaft - im Laufe ihres Lebens zur Verfügung stehen. Dem Gesamtvolumen nach hat also die Erbschaft fast wieder das Gewicht, das sie für die Generationen des 19. Jahrhunderts hatte (...). (557)

Das prinzipielle Missverständnis ist meines Erachtens das folgende: Zum einen hat das Ende der Erbschaft gar nicht stattgefunden. Was sich geändert hat, und das ist nicht dasselbe, ist die Verteilung des vererbten Kapitals. (...) Wir leben, anders gesagt, nicht mehr in einer Gesellschaft großer Rentiers, sondern in einer Gesellschaft mit einer sehr viel größeren Zahl weniger großer Rentiers. (560)

Fast ein Sechstel jedes Jahrgangs wird, anders gesagt, durch Erbschaft in den Besitz einer größeren Summe gelangen, als die Hälfte der Bevölkerung sich im ganzen Leben durch Arbeit verdient. (...) Das hindert, wohlverstanden, das fragliche Sechstel nicht daran, Abschlüsse zu erwerben, um zu arbeiten und im Allgemeinen durch seine Arbeit zweifellos mehr zu verdienen als die am schlechtesten bezahlte Hälfte der Bevölkerung. Aber es handelt sich gleichwohl um eine einigermaßen verstörende Ungleichheit, die im Begriff ist, ein in der Geschichte bislang unbekanntes Niveau zu erreichen. (561)

Unsere demokratischen Gesellschaften stützen sich in der Tat auf eine meritokratische Weltsicht oder zumindest auf eine meritokratische Hoffnung, das heißt den Glauben an eine eine Gesellschaft, in der Ungleichheiten auf Verdienst und Arbeit eher denn auf Herkunft und Kapitalrendite beruhen. (562)

Die ökonomische und technologische Rationalität hat mit der demokratischen Rationalität manchmal nichts zu tun. Erstere verdanken wir der Aufklärung und zweifellos ist man zu oft der Vorstellung erlegen, letztere würde sich gleichsam von selbst, wie von Zauberhand aus ihr ergeben. Aber die wirkliche Demokratie und soziale Gerechtigkeit erfordern spezifische Einrichtungen, die nicht einfach die des Marktes sind, und sich auch nicht einfach auf formale parlamentarische und demokratische Institutionen reduzieren lassen. (....)
Die Vorstellung, der freie Wettbewerb könne der Erbengesellschaft ein Ende setzen und den Weg in eine meritokratische Welt eröffnen, ist eine gefährliche Illusion. (565)

Die Rückkehr der Erbschaft im globalen Maßstab ist zweifellos eine Perspektive für die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts. (571)

Globale Vermögensungleichheit im 21. Jahrhundert

Besteht nicht die Gefahr, dass die Kräfte der finanziellen Globalisierung in diesem beginnenden Jahrhundert zu einer Kapitalkonzentration führen, die stärker sein wird als alles, was wir aus der Vergangenheit kennen - immer vorausgesetzt, dies ist nicht schon der Fall. (573)

Aber ganz gleich, welch Jahre man sich anschaut, immer scheint die Wachstumsrate großer Vermögen strukturell höher - nämlich mindestens zweimal höher - als die des Durchschnittseinkommens und -vermögens zu sein. (580)

Die Ungleichverteilung von Vermögen auf globaler Ebene fällt zu Beginn der 2010er Jahre allem Anschein nach ähnlich stark aus wie in den europäischen Gesellschaften von 1900 bis 1910. (...) Konkret heißt das: Die reichsten 0,1 % der Erde, also ungefähr 4,5 Millionen aus einer erwachsenen Bevölkerung von 4,5 Milliarden besitzen ein Nettovermögen von etwa 10 Millionen Euro, also fast das Zweihundertfache des globalen Durchschnittsvermögens (etwa 60.000 Euro pro Erwachsenem), und daher eine Anteil von fast 20% am Gesamtvermögen. Die reichsten 1 %, also ungefähr 45 Millionen aus 4,5 Milliarden Erwachsenen, besitzen ein Durchschnittsvermögen von um die 3 Millionen (...), also das Fünfzigfache des Durchschnittsvermögens, und daher einen Anteil am Gesamtvermögen von etwas 50 %. (584)

So angemessen es zu Beginn erscheinen mag - Reichtum vermehrt und verfestigt sich bisweilen bar jeder erdenklichen Grenze, um über alles hinauszugehen, was sich unter Berufung auf irgendeinen sozialen Nutzen noch rational rechtfertigen ließe. (592)

Insgesamt verfügen die etwas 800 amerikanischen Universitäten zu Beginn der 2010er Jahre über Aktiva in Höhe von fast 400 Milliarden Dollar (das ergibt einen Durchschnitt von etwas weniger als 500 Millionen pro Universität und einen Median von etwas unter 100 Millionen. (597)

Je weiter man sich  in der Hierarchie der Kapitalausstattung nach oben bewegt, umso mehr fällt die sehr starke Zunahme von alternativen Strategien auf, das heißt von Anlagen mit sehr hohen Renditen wie nicht börsennotierte Aktien (private equity), namentlich Auslandsaktien (die eine hohe Expertise erfordern), Hedgefonds, Derivate, Immobilien und Rohstoffe: Energie, natürliche Ressourcen und diverse Rohstoffderivate (die ihrerseits eine hohe Expertise erfordern und sehr hohe Renditen abwerfen. (600)

Harvard wendet fast 100 Millionen Dollar jährlich an management costs für die Verwaltung  seines Stiftungskapitals auf - genug Geld, um sich ein Spitzenteam hochqualifizierter Portfoliomanager zu leisten, das in der Lage sein sollte, die besten alternativen Anlagechancen rund um die Welt aufzuspüren. Aber gemessen am Stiftungskapital Harvards (etwa 30 Milliarden Dollar)  sind dies Betriebskosten von kaum 0,3 % pro Jahr. Wenn dieser Einsatz es möglich macht, eine Jahresrendite von 10 %  statt 5 % pro Jahr zu erzielen, dann ist das kein schlechtes Geschäft. (601)

Fassen wir zusammen: Die Inflation führt in erster Linie nicht zur Reduktion, sonder zur Umverteilung der Kapitalrendite. Und so komplex und mehrdimensional die Wirkungen der Inflation sind, die Umverteilung scheint eher zum Nachteil der schwächeren und zum Vorteil der größeren Vermögen - als das Gegenteil der von den meisten erhofften Umverteilung zu sein. (608)

Würde China bis 2100 zum Beispiel 20 % des Nationaleinkommens sparen, Europa und Amerika dagegen nur 10 %, befände sich bis zum Ende des des Jahrhunderts ein Gutteil des Alten Kontinents und der Neuen Welt im Besitz gigantischer chinesischer Pensionsfonds. (618)

Alles weist nun darauf hin, dass die große Mehrheit (mindestens drei Viertel) der in Steueroasen lokalisierten finanziellen Vermögenswerte im Besitz von Einwohnern reicher Länder ist. (...) In Wahrheit ist die Vermögensposition der reichen Länder dem Rest der Welt gegenüber positiv (die reichen Länder besitzen im Durchschnitt die armen Länder, nicht umgekehrt, was im Grunde nicht wirklich verwundert), aber diese Evidenz wird dadurch verschleiert, dass die reichsten Einwohner der reichen Länder eine Teil ihrer Aktiva in Steueroasen verstecken. (624)

Die Regulierung des Kapitals im 21. Jahrhundert

Wie wir bereits festgehalten haben, wäre die ideale Einrichtung, um der endlosen Ungleichheitsspirale Einhalt zu gebieten und Kontrolle über die gegenwärtige Dynamik zurückzugewinnen, eine globale progressive Kapitalsteuer. (627)

Der Hauptgrund dafür, dass die Krise von 2008 nicht zu einer ebenso schweren Depression wie jene von 1929 geführt hat, liegt darin, dass die Regierungen und Zentralbanken der reichen Länder diesmal den Zusammenbruch des Finanzsystems verhinder und sich bereitgefunden haben, ihm genug Liquidität zuzuführen, um die erdrutschartigen Bankenpleiten zu verhindern, die in den 1930er Jahren die Welt an den Rand des Abgrunds geführt hatten. (...)
Die pragmatische Politik im Gefolge der Krise hat sicher das Schlimmste verhindert, aber sie hält keine Antwort auf die strukturellen Probleme bereit, die jene Krise erst möglich gemacht haben, insbesondere den haarsträubenden Mangel an finanzieller Transparenz und die wachsende Ungleichheit. Die Krise von 2008 war die erste Krise des globalisierten Patrimonialkapitalismus des 21. Jahrhunderts. Sie wird wahrscheinlich nicht die letzte gewesen sein. (629)

Addiert man öffentliche Bildungs- und Gesundheitsausgaben (..), Lohnersatzleistungen und Transfereinkommen (...), so kommt man auf ein Gesamtvolumen der Sozialausgaben (...) zwischen 25 und 30 % des Nationaleinkommens, das in allen reichen Ländern nahezu den gesamten Anstieg der Pflichtabgaben im 20 Jahrhundert erklärt. Anders ausgedrückt: In der Entwicklung des Steuerstaats im vergangenen Jahrhundert spricht sich im Wesentlichen der Aufbau des Sozialstaats aus. (...)
Die moderne Umverteilung besteht nicht oder zumindest nicht explizit darin,
Reichtum von den Reichen auf die Armen zu übertragen. Sie besteht darin, öffentliche Leistungen und Lohnersatzleistungen zu finanzieren, die mehr oder weniger für alle gleich sind, insbesondere im Bereich Bildung, der Gesundheit und der Altersversorgung. (...)
Die moderne Umverteilung gründet sich auf eine Logik der Rechte und das Prinzip der Gleichheit des Zugangs zu einer Reihe von Gütern, die als fundamental gelten. (639)

Bildungs- und Gesundheitswesen kommen in den hochentwickelten Ländern für über 20 % der Beschäftigung und des BIP auf, also für mehr als alle Industriesektoren zusammen. (644)

Vergleicht man die verfügbaren Quellen, kann man im Übrigen das gegenwärtige Durchschnittsgehalt der Eltern von Harvard-Studenten auf 450.000 Dollar schätzen, was ungefähr dem Durchschnittseinkommen der reichsten 2 % amerikanischer Haushalte entspricht. Mit der Idee einer Auswahl, die ausschließlich auf Leistung beruht, ist das kaum vereinbar. Der Kontrast zwischen dem offiziellen meritokratischen Diskurs und der Realität scheint hier besonders extrem auszufallen. (649)

Faktisch führt das französische System der Grandes Écoles dazu, Studeirenden aus besser gestellten sozialen Millieus einen größeren Teil der öffentlichen Ausgaben zugutekommen zu lassen als den Studierenden  an der Universität, die aus bescheideneren Verhältnissen stammen. (650)

Damit keine Missverständnisse entstehen: Es gibt keine einfaches Mittel, um für wirkliche Chanchengleichheit in der Hochschulbildung zu sorgen. Wir haben hier mit einer der größten Herausforderung des Sozialstaats im 21. Jahrhundert zu tun, und das ideale System muss erst noch erfunden werden. Die hohen Studiengebühren der amerikanischen Universitäten schaffen eine nicht vertretbare Ungleichheit des Zugangs, aber sie verhelfen ihnen zu einer Autonomie, Fruchtbarkeit und Dynamik, für die sie auf der ganzen Welt berühmt sind. (651)

(...), dass die herrschende Klasse aus Überlebensinstinkt ihre Untätigkeit abgelegt und die Meritokratie erfunden haben, um einer durch das allgemeine Wahlrecht drohenden Enteignung zu entgehen. (653)

Die Einführung eines einheitlichen Rentensystems, das auf individuellen Konten beruht, durch die ungeachtet der etwaigen Komplexität des beruflichen Werdegangs jeder in den Genuss der gleichen Rechte kommt, gehört zu den dringlichsten Reformen des Sozialstaates, die im 21. Jahrhundert anstehen. (657)

Die Frage der Entwicklung eines Steuer- und Sozialstaats in den Entwicklungsländern ist jedenfalls von eminenter Bedeutung für die Zukunft der Erde. (669)

Die Progressive Einkommensteuer überdenken

Zugleich hat die Verschärfung des Steuerwettbewerbs im Kontext freien Kapitalverkehrs in den letzten Jahrzehnten zu einer beispiellosen Zunahme der Ausnahmeregelungen für Kapitaleinkommen geführt, die sich unterdessen nahezu überall in der Welt zum großen Teil den progresssiven Steuersätzen entziehen. (...) Die Folge ist, dass an der Spitze der Einkommenshierarchie die Belastungen heute schon regressive geworden sind oder es demnächst sein werden. (665)

Aus all diesen Gründen ist die progressive Steuer ein konstitutives Moment des Sozialstaats. (...) Diese Einrichtung ist heute sowohl intellektuell (...) als auch politisch (...) zutiefst gefährdet. (668)

Untersucht man die Geschichte progressiver Besteuerung im letzten Jahrhundert, so stellt man mit Überraschung fest, dass es die angelsächsischen Länder und namentlich die Vereinigten Staaten waren, die eine konfiskatorische Steuer auf Einkommen und Vermögen erfunden haben. (...) Wenn man Einkommen oder Erbschaften einer bestimmten Höhe mit Sätzen von 70-80% besteuert, geht es offenbar nicht in erster Linie darum, die Steuereinnahmen in die Höhe zu treiben (tatsächlich ist auf der Ebene dieser Spitzensteuersätze auch nie viel zu holen). Es geht letztlich um eine Abschaffung dieser Art von Einkommen oder Vermögen, die vom Gesetzgeber für sozial unvertretbar und ökonomisch unfruchtbar befunden werden. (679)

Insgesamt liegt zwischen 1932 und 1980, als fast ein halbes Jahrhundert, der Spitzensatz der bundesweiten Einkommenssteuer in den Vereinigten Staaten durchschnittlich bei 81 %.
In keinem kontinentaleuropäischen Land hat es jemals solche Steuersätze gegeben (...). (682)

Nachdem sie von den 1930er bis zu den 1070er Jahren eine große Leidenschaft für die Gleichheit gekannt haben, sind die Vereinigten Staaten und Großbritannien in den letzten Jahrzehnten mit dem gleichen Enthusiasmus in die entgegengesetzte Richtung aufgebrochen. Während der Spitzensteuersatz ihrer Einkommenssteuer lange deutlich über dem der Deutschen und Franzosen lag, ist er seit 1980 deutlich unter diese gesunken. (685)

Betrachtet man die Gesamtheit der Industrienationen, stellt man fest, wie eng das Sinken des Spitzensteuersatzes der Einkommensteuer von den 1970er Jahre bis zu den 2000er Jahren mit dem Anstieg des Anteils des obersten Perzentils am Nationaleinkommen während desselben Zeitraums verknüpft ist. (...) Die Länder, die ihren Spitzensteuersatz am stärksten gesenkt haben, sind dieselben, in denen die höchsten Einkommen - und namentlich die Vergütung der Führungskräfte großer Unternehmen - am stärksten gestiegen sind. (686)

Unsere Resultate legen vielmehr nahe, dass allein abschreckende Steuersätze (...) diese Entwicklung zurückfahren und den Höhenflug der Spitzengehälter beenden könnten. (691)

Unseren Schätzungen zufolge läge das ideale Niveau des Spitzensatzes in den Industrieländern über 80 %. (692)

Eine globale Einkommenssteuer

Aber es müssen neue Werkzeuge erfunden werden, (...), wenn die Demokratie die Kontrolle über den globalisierten Finanzkapitalismus zurückgewinnen will. Das ideale Werkzeug wäre eine globale progressive Kapitalsteuer, in eins mit der Herstellung größtmöglicher finanzieller Transparenz auf internationaler Ebene. (697)

In ihrer optimalen Form erfordert eine solche Einrichtung ein sehr hohes Maß an internationaler Koordination, dessen Realisierung mittelfristig nicht sehr aussichtsreich ist. (698)

Meines Erachtens sollte das Ziel eine jährliche progressive Steuer auf individuelles Kapital sein, das heißt auf den Nettowert der Aktiva, über die der Einzelne verfügt. (699)

Fürs erste kommt es nur darauf an, dass die fragliche Kapitalsteuer eine jährlich erhobene progressive Steuer auf das Gesamtvermögen ist. Es geht darum, größere Vermögen stärker zu besteuern; und es geht darum, ausnahmslos alle Aktiva zu erfassen, ganz gleich, ob es sich um Immobilien, Finanzwerte oder Betriebskapital handelt. (700)

Nicht Finanzierung des Sozialstaats, sondern Regulierung des Kapitalismus ist die Hauptrolle der Kapitalsteuer. (701)

Es gibt kein Recht, seinen Steuersatz selbst festzusetzen. Durch die Integration und den Freihandel mit den Nachbarn reich werden und ihnen gleichzeitig ihr Steueraufkommen abzuzapfen, ist nichts anderes als Diebstahl. (707)

Nationalstaaten, wie sie in den vergangenen Jahrhunderten entstanden sind, fehlt die erforderliche Größe, um die Regeln zu erlassen und umzusetzen, die es im globalisierten Patrimonialkapitalismus des 21. Jahrhunderts dringend braucht. Die europäischen Länder haben sich auf eine gemeinsame Währung geeinigt (...), aber sie haben praktisch nichts für ihre Koordination in Steuerfragen getan. (708)

Das Kapital ist ein besserer Indikator für den Beitrag, den die Vermögendsten leisten können, als ihr Jahreseinkommen, das sich häufig schwer ermitteln lässt. Die Kapitalsteuer ist für den Fall derjenigen Personen, deren steuerpflichtiges Einkommen ganz offenbar zu gering im Verhältnis zu ihrem Vermögen ist, eine notwendige Ergänzung der Einkommenssteuer. (714)

Die relative Unvorhersehbarkeit der Kapitalrendite ist im Übrigen einer der Gründe dafür, dass es effizienter ist, Erben nicht ein für allemal im Augenblick der Übertragung zu besteuern (durch die Erbschaftssteuer), sondern auch zeitlebens in Form von Steuern, die auf die Einkommen aus dem ererbten Kapital und auf den Wert des Kapitals selbst erhoben werden. (716)

Darum sind Steuersätze jährlich erhobener Kapitalsteuern immer sehr viel geringer und belaufen sich nur auf ein paar Prozent, was manchmal überraschen mag, aber in Wahrheit nicht unerheblich ist, das es sich um eine jährliche auf den Kaptilstock erhobene Steuer handelt. (717)

Eine progressive Steuer auf individuelles Vermögen ist eine Einrichtung, die es dem Allgemeininteresse erlaubt, Kontrolle über den Kapitalismus zurückzugewinnen, ohne die Kräfte des Privateigentums und des Wettbewerbs preiszugeben. (724)

Um das zusammenzufassen: Die Kapitalsteuer ist eine neue Idee, die sich den Bedingungen des globalisierten Patrimonialkapitalismus im 21. Jahrhundert stellen muss. Das betrifft die Höhe der Steuersätze ebenso wie die praktischen Erfordernisse internationalen Bankdatenaustauschs, vorausgefüllter Steuererklärungen und einer Bemessungsgrundlage, die auf aktuellen Marktwerten beruht. (727)

(...) besitzt China im Übrigen eine zwar unzureichende, aber sehr viel progressivere Einkommenssteuer. Es erzielt Steueraufkommen, das des ihm erlaubt, in sehr viel größeren Umfang in Erziehung, Gesundheit und Infrastruktur zu invesstieren als die anderen Schwellenländer (...). Sollte es dazu bereits sein, und sollten vor allem seine Eliten (...) jene demokratische Transparenz ermöglichen, ohne die es ein modernes Steuersystem nicht geben kann, hätte China die erforderliche Größe, um die Art progressiver Einkommens- und Kapitalsteuer einzuführen, um die es uns geht. (731)

Die Umverteilung durch Einwanderung schiebt das Problem nur etwas auf, aber sie dispensiert und nicht davon, Regulierungen einzuführen - Sozialstaat, progressive Einkommenssteuer, progressive Kapitalsteuer -, die nichts an Dringlichkeit verlieren. (735)

Die Frage der Staatsschuld

Wie kann man vorgehen, um hohe Staatsschulden abzubauen, wie wir sie in Europa derzeit haben? Es gibt drei Hauptmethoden, die sich in unterschiedlicher Dosierung kombinieren lassen: Kapitalsteuer, Inflation, Sparmaßnahmen. (...) Die schlechteste, weil zugleich ungerechteste und unwirksamste Lösung besteht in anhaltenden Sparmaßnahmen, die trotzdem diejenige Strategie darstellen, die derzeit in Europa verfolgt wird. (738)

Die mit weitem Abstand überzeugendste Lösung, um die Staatsschuld abzubauen abzubauen, liegt in der Erhebung einer einmaligen Vermögensabgabe, also einer außerordentlichen Steuer auf Privatkapital. Zum Beispiel würde eine Proportionalsteuer von 15 % auf alle privaten Vermögen fast ein jährliches Nationaleinkommen einbringen und damit ausreichen, um auf einen Schlag alle Staatsschulden zu tilgen. (740)

Ein wenig zusätzliche Inflation reicht daher aus, um den Realwert des Staatsschulden sehr stark zu reduzieren. Bei einer jährlichen Inflation von  5 % statt 2 % wird sich zum Beispiel nach fünf Jahren (unter ansonsten gleichen Bedingungen) der Realwert der Schulden um zusätzlich 15 % reduziert haben - was beträchtlich ist.  (743)

Allein eine Vergemeinschaftung der Staatsschulden der Eurozone oder zumindest der Länder, die dazu bereit sind, könnte dies Widersprüche auflösen. (763)

Es scheint mir dringlich, (...), dass man sich klarmacht, wohin der normale Gang des Steuerwettbewerbs führt - nämlich zu einem Übergewicht der Verbrauchssteuern, also zu einem Steuersystem, wie es das 19. Jahrhundert hatte, das keinerlei Progressivität kennt und faktisch diejenigen begünstigt, die es ich leisten können, zu sparen oder den Wohnsitz zu wechseln oder besser noch beides zugleich. (769)

Statt sich über eine Staatschuld zu sorgen (die sehr viel geringer als die Privatvermögen ist und sich im Grunde einfach genug abbauen ließe), wäre es driglicher, dafür Sorge zu tragen, dass unser Bildungskapital wächst und unser Naturkapital nicht aufgezehrt wird. (781)

SCHLUSSBETRACHTUNG

Die Ungleichung r > g sorgt dafür, dass Vermögen, dies aus der Vergangenheit stammen, sich schneller rekapitalisieren, als Produktion und Löhne wachsen. In dieser Ungleichheit spricht sich ein fundamentaler Widerspruch aus. Je stärker sie ausfällt, umso mehr droht der Unternehmer sich in einen Rentier zu verwandeln und Macht über diejenigen zu gewinnen, die nichts anders als ihre Arbeit besitzen. Wenn es einmal da ist, reproduziert Kapital sich selbst - und zwar schneller als die Produktion wächst. Die Vergangenheit frisst die Zukunft. (...)
Mit einer durchschnittlichen Kapitalrendite von 4-5 % wird daher die Ungleichung r > g aller Wahrscheinlichkeit nach im 21. Jahrhundert die Norm sein - wie es in der gesamten Geschichte bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs war. Es sind die Kriege gewesen, die im 20 Jahrhundert reinen Tisch mit der Vergangenheit gemacht, die Kapitalrendite stark abgebaut und dadurch die Illusion einer strukturellen Überwindung des Kapitalismus und jenes fundamentalen Widerspruchs erzeugt haben. (786)

Die geeignete Lösung ist eine jährliche erhobene progressive Kapitalsteuer. Sie verhindert, dass die Ungleichheitsspirale sich endlos weiterdreht, während sie die Kräfte des Wettbewerbs nicht beeinträchtigt und den Anreiz zu neuer Akkumulation aufrechterhält. (...) Das würde dem unbegrenzten Anwachsen der globalen Vermögensungleichheiten Einhalt gebieten, die derzeit in einem Tempo zunehmen, das auf lange Sicht nicht mehr tragbar ist und selbst die glühendsten Verfechter der Idee vom sich selbst regulierenden Markt mit Sorge erfüllen sollte.  Derart unverhältnismäßige Vermögensungleichheiten, auch das lässt sich aus der Geschichte lernen, haben mit dem Geist des Unternehmertums nichts mehr zu tun, und sie sind dem Wachstum alles andere als zuträglich. (...)
Die Schwierigkeit dieser Lösung liegt darin, dass die progressive Kapitalsteuer ein sehr hohes Maß an internationaler Koordination und regionaler politischer Integration erfordert. (787)

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