Gesehen im März/April 2014 in München (City/Monopol)
- Regie/Drehbuch: Lars von Trier
- Kamera: Manuel Alberto Claro
- Darsteller: Charlotte Gainsbourgh (Joe); Stellan Skarsgård (Seligman); Stacy Martin (Junge Joe); Shia LaBeouf (Jerôme); Christian Slater (Joes Vater); Jamie Bell (K); William Dafoe (L); Mia Goth (P);
Plot: Nachdem Seligman Joe halbtot auf der Straße aufgefunden und in seine Wohnung gebracht hat, erzählt Joe ihm in 8 Kapiteln ihren "Leidensweg" als Nymphomanin. Der Film wechselt immer zwischen den erzählten Episoden und dem Dialog zwischen Joe und Seligman in der Wohnung hin und her. Seligman erweist sich dabei als hochgebildeter Zuhörer, der die Geschichten Joes zwar sehr interessiert aber scheinbar ohne größere Emotionen zur Kenntnis nimmt. Vielmehr gefällt er sich darin, alles, was Joe erlebt hat, zu deuten und dabei auf Geschichte, Religion und Literatur Bezug zu nehmen.
Kommentar: In den acht Kapiteln breitet Trier genüsslich alle wesentlichen Formen der sexuellen Begierde bis hin zum zu SM und der Pädophilie aus. Das gelingt ihm, ganz ohne zu werten und stellt daher einen sehenswerten Versuch dar, die menschliche Sexualität in all ihren Erscheinungsformen darzustellen. Sehr viel mehr springt dabei aber leider nicht heraus. Auch wenn es großartige Passagen und Dialoge gibt, erscheint das ganze Unternehmen doch nicht so rund, wie es die perfekte Regie und die hervorragenden Schauspieler auf den ersten Blick erscheinen lassen. Aus welchem Grund der bis dahin "asexuelle" Seligman ganz am Ende seine eigene Sexualität ins Spiel bringen muss, ist völlig unverständlich. Wahrscheinlich nur, weil es im Drehbuch stand und Trier für den Schluss keine bessere Provokation eingefallen ist. Schade. Der Film hätte ein besseres - kein schöneres! - Ende verdient gehabt.