Maskierte Götter und verhüllte Könige
Manifest der demokratischen Zivilisation
Band I
Erstveröffentlichung 2009 bei Mezopotamien Verlea
Für mich liegt klar auf der Hand: Die kapitalistische Moderne bezieht ihre eigentliche Stärke weder aus dem Geld noch aus den Waffen; ihre eigentliche Stärke liegt darin, sämtliche Utopien, einschließlich der jüngsten und stärksten Utopie - der sozialistischen - im eigenen Liberalismus zu ersticken, der jede Farbe annehmen kann und den besten Zauberkünstlern überlegen ist. (...) Ich ziehe draus die Schlussfolgerung, dass wir uns noch mehr mit Utopien der Freiheit befassen müssen. (26)
Die Mythologie als eine Schlüsselmethode ist unverzichtbar für das Verständnis der menschlichen Gemeinschaften, die ja die längste Zeit mythologisch dachten. (...) Mythen sind mit Utopien verwandt und für den Menschen als Sinn stiftende Denkweise unverzichtbar. Dem menschlichen Geist Utopien, Mythen und Legenden vorzuenthalten ist wie den Körper austrocknen zu lassen. (41)
Für die Etablierung des Kapitalismus als Weltsystem spielt die wissenschaftliche Methode eine bedeutende Rolle. Roger Bacon, Francis Bacon und René Descartes waren die Vorreiter eine neuen methodischen Verständnisses, das besonders auf die Trennung von Subjekt und Objekt wert legte. In der Dogmatik des Mittelalters existierte diese Unterscheidung kaum. (...) An die Stelle der früheren maskierten Götter und verhüllten Könige traten die unmaskierten Götter und nackten Könige. (45)
Wir müssen verstehen, dass das Verständnis des objektiven Ansatzes als ein unschuldigen Begriffs der wissenschaftlichen Methode zu großen Katastrophen, Verirrungen und Massakern führt, die gnadenloser sind als die der mittelalterlichen Inquisition. Wir müssen uns klarmachen, dass Objektivität keineswegs ein harmloser Begriff der Wissenschaft ist. (46)
Vielleicht war die Wissenschaft noch nie so eng mit dem herrschenden System verflochten wie im Kapitalismus. Die Welt der Wissenschaft wurde zu einer Kraft, die das System durch ihre Methoden und Inhalte errichtet, legitimiert und schützt. (...) Wenn die kapitalistische Moderne heute in jeder Hinsicht fehlende Nachhaltigkeit demonstriert, so liegt das zuallererst an der wissenschaftlichen Methode, auf die sie sich stützt. (47)
Der Versuch, das Leben über eine klare Trennung von Subjekt und Objekt begreifen zu wollen, macht das menschliche Leben mehr zu einem Schatten seiner selbst als das Mittelalter und erstickt es in Materiellem. (48)
Industrielle Großproduktion und große Staaten für sich genommen haben der Menschheit weniger Glück als Krieg und Zerstörung beschert. (49)
In der Objektivität schwingt stets die Stimme von Mächten mit, die Natur und Gesellschaft übersteigen. (52)
Abschließend glaube ich, dass ich in diesem Zusammenhang kurz meine anti-orientalische Haltung erläutern sollte. (...) Der erste ist der Einfluss der klassischen mittelöstlichen Kultur. Diese Kultur steht im radikalen Gegensatz zur kapitalistischen Moderne, (...). Vor allem gibt die Kultur des Mittleren Ostens der Gesellschaft radikal den Vorrang vor dem Individuum. (82)
Der Zeitraum zwischen dem Zeitpunkt, an dem sich die Entwicklungslinie des Menschen von derjenigen der Primaten abspaltete (...) wird zurzeit auf sieben Millionen Jahren geschätzt. (95)
Vor 50.000 Jahren begann homo sapiens dann, sich durch den ostafrikanischen Graben nach Norden über die Welt auszubreiten. (94)
Der Weg über die östliche Mittelmeerküste bietet ideale Verhältnisse für Ansiedlung und gesellschaftliche Entwicklung. (95)
Ich fand es niemals akzeptabel, wie die herrschende Kultur die Frauen versteckt und einschließt. (115)
Ich bin überzeugt, dass der Weg zur Befreiung der Menschheit über die Zerschlagung dieses kranken und krank machenden Urbanismus führt. (118)
Die neue Parole sollte nicht Sozialismus statt Kapitalismus lauten, sondern Freies Leben statt Kapitalismus. (2529
Zu den wesentlichen Eigenschaften der kapitalistischen Wissen-Macht-Struktur gehört, sich als geschichtslos zu präsentieren. Für den Anspruch, letztes System von Dauer zu sein, ist Geschichtslosigkeit und die Unabhängigkeit von Orten von Bedeutung. (...) Dieses System beruht überwiegend auf Ausbeutung und Repression gegen die landwirtschaftliche und dörfliche Gesellschaft. (255)